Margrit Dieterle (76) aus Oberentfelden nimmt sich seit 1989 Asylsuchenden an. 2010 gründete sie zudem das private Hilfswerk «Source de Vie»: Es ermöglicht den ärmsten Jugendlichen im Süden von Benin eine Ausbildung, damit sie nicht den Weg nach Europa einschlagen müssen. Die daraus entstandene Schule und die Arbeitsplätze bieten vielen jungen Menschen eine Lebensgrundlage.

Margrit Dieterle kann ihr Glück kaum fassen. «Ich bin nominiert? Damit habe ich nicht gerechnet, was für eine Freude!» Und mit Schalk in der Stimme fügt sie an: «Ich stehe nicht gern im Rampenlicht. Doch der Moderator sollte sich in Acht nehmen: Wenn ich mal zu reden beginne, bin ich nur schwer zu stoppen.» Und das ist gut, denn sie hat sehr viel zu erzählen.

Eine Tragödie und ein Traum

Als junge Frau war Margrit Dieterle massgeblich am Aufbau der Logopädie im Aargau beteiligt. Jahre später veränderte ein Schicksalsschlag ihr Leben: 1988 starb einer ihrer beiden Söhne mit 22 Jahren. Das war eine harte Zeit. Einige Monate später hatte sie einen Traum. Dreimal hörte sie die Botschaft: «Margrit, jetzt sind es nicht mehr deine Kinder, nicht mehr deine Familie, jetzt kommen andere.»

Margrit Dieterle liessen die Worte nicht los, doch etwas damit anfangen konnte sie nicht. Doch dann sollte in ihrer Gemeinde eine syrische Familie mit fünf Söhnen ausgeschafft werden. Da merkte Margrit Dieterle, mit Beten allein ist es nicht getan. Sie setzte alle Hebel, die es in diesem Asylverfahren gab, in Bewegung und reichte eine Beschwerde ein, die von 1800 Menschen unterstützt wurde.

Die syrische Familie durfte letztlich in der Schweiz bleiben. Seither kümmert sich Margrit Dieterle um die Vermittlung von Anwälten, die Begleitung in Spitälern, Übersetzungen für Asylsuchende, das Beherbergen von Obdachlosen oder um Besuche bei Personen in Ausschaffungshaft. Während vier Jahren führte sie zudem mit einem afrikanischen Marionettenspieler und Asylsuchenden die Gruppe GAMA (Groupe Africain de Marionnettes en Argovie).

Vom Landkauf zum Hilfswerk

2006 lernte Margit Dieterle den Afrikaner Alain kennen. Von seinen traumatischen Erlebnissen gezeichnet, bekam er sofort politisches Asyl. Margrit Dieterle begleitete Alain in ein neues Leben: Sie vermietete ihm ein Zimmer und reiste 2008 mit ihm nach Benin, wo er ihr auch das Flüchtlingslager zeigte, in dem er einige Zeit gelebt hatte. Margrit Dieterle war erschüttert über die Perspektivlosigkeit der jungen Menschen dort. Sie kaufte ein Stück Land und schenkte es Alain. Dieser baute darauf eine Ausbildungsstätte für junge Leute.

Das war die Geburtsstunde des Hilfswerks «Source de Vie» mit dem Motto «Ausbilden statt Auswandern». Margrit Dieterle ist zugleich Präsidentin, Geschäftsführerin, Geldbeschafferin und Referentin von «Source de Vie», Alain ist vom Verein angestellter Projektleiter vor Ort. Heute gibt es dort eine staatlich anerkannte Berufsausbildung für Schuhmacher, Schneider und Schneiderinnen.

Zusätzlich entsteht ein Bauernhof für biologischen Anbau als Lehr- und Lernbetrieb für junge Bauern mit 17 Fischteichen inklusive einer Fischfutterfabrik. Daneben gibt es eine Fabrik zur Herstellung von Palmöl für Seifen, in einem Bildungszentrum gehen 120 Kinder in eine private Schule. Und die Zukunft sieht positiv aus: «Es liegt ein grosser Segen über dem Hilfswerk», freut sich Dieterle.» (pd)