Bezirksgericht Muri

Sein Opfer überlebte nur durch Zufall: Täter erhält kürzere Haft – wegen Kokain

Der 47-Jähre war zum Tatzeitpunkt unter Kokaineinfluss gestanden. (Archivbild/gestellte Aufnahme)

Der 47-Jähre war zum Tatzeitpunkt unter Kokaineinfluss gestanden. (Archivbild/gestellte Aufnahme)

Ein Aargauer wollte seinem Kontrahenten mit Baseballschläger und Pistole eine Abreibung verpassen. Jetzt muss er ins Gefängnis.

Mit einem Stein hat Miro (alle Namen geändert) mitten in der Nacht die Gartensitzplatztür von Stefans Haus eingeschlagen und ist ins Haus eingestiegen. In der Hand einen Baseballschläger, im Hosenbund eine Pistole. Er wollte Stefan eine Abreibung verpassen.

Eine Entschuldigung erzwingen, weil Stefan mit seiner Geliebten eine Liebesnacht im Tessin verbracht haben soll. Ausserdem wollte er Stefan mithilfe der Pistole dazu bringen, die Betreibungen gegen ihn zurückzuziehen. Mit Gegenwehr hatte Miro nicht gerechnet. «Ich dachte, wenn er den Baseballschläger sieht, macht er keinen Mucks mehr», sagte Miro am Dienstag vor Bezirksgericht Muri. Doch die Sache kommt anders. Miro erschrickt, weil Stefan schreit. Er schlägt mit dem Baseballschläger zu.

Staatsanwalt Werner Burkhart beantragte acht Jahre Gefängnis und eine Busse von 2000 Franken wegen versuchter eventualvorsätzlicher Tötung, versuchter räuberischer Erpressung, versuchter Freiheitsberaubung sowie Widerhandlungen gegen das Waffen-, Strassenverkehrs- und Betäubungsmittelgesetz. Miro habe damit rechnen müssen, dass er Stefan töte oder schwer verletze. Sein Vorgehen sei extrem brutal gewesen.

Miros Verteidiger hingegen verlangte für seinen Mandanten eine teilbedingte Gefängnisstrafe von 2,5 Jahren wegen einfacher Körperverletzung. Es sei nicht nachgewiesen, dass die Verletzungen am Kopf vom Schlag mit dem Baseballschläger herrühren und sich Stefan diese nicht zuzog, als er die Treppe hinunterstürzte.

Es hätten vier Jahre sein können

Das Bezirksgericht Muri hat gestern Mittwoch das Urteil eröffnet und Stefan zu einer teilbedingten Gefängnisstrafe von 32 Monaten verurteilt, davon muss er 16 Monate absitzen. Für die Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz sprach das Gericht eine Geldstrafe und eine Busse aus.

Anders als die Staatsanwaltschaft waren die Bezirksrichter nicht der Meinung, dass es sich um eine versuchte eventualvorsätzliche Tötung handelte. Sie sprachen Miro der versuchten eventualvorsätzlichen schweren Körperverletzung schuldig. Darauf steht eine Einsatzstrafe von 4,5 Jahren, welche das Gericht wegen der positiven Täterkomponente auf 4 Jahre reduzierte, wie Gerichtsschreiber Yvo Bühler sagte. Doch Miro hatte zum Tatzeitpunkt Kokain intus, weshalb seine Schuldfähigkeit mittelgradig vermindert war. Daraus resultierte schliesslich die tiefere Freiheitsstrafe von 32 Monaten.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Beide Parteien können es weiterziehen. Dann müsste sich das Obergericht mit dem Fall beschäftigen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1