Wie bitte?
Security statt Soldaten – Private Sicherheitsfirma bewacht Anlage der Armee

Beim Armeelogistikcenter in Othmarsingen gehen Mitarbeiter der Delta Security statt Soldaten auf Patrouille. Die Armee hält sich bei der Frage nach den Kosten bedeckt.

Manuel Bühlmann
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Wer hier rein will, muss die Kontrollen der Security-Mitarbeiter passieren: Eingangsbereich des Logistikcenters in Othmarsingen.Freudiger

Wer hier rein will, muss die Kontrollen der Security-Mitarbeiter passieren: Eingangsbereich des Logistikcenters in Othmarsingen.Freudiger

Bewachen gehört zum Alltag der Schweizer Soldaten. Sie bewachen das World Economic Forum (WEF) in Davos – dieses Jahr standen rund 3000 Armeeangehörige im Einsatz. Sie bewachen die Botschaften in Bern und Genf. Und sie bewachen militärische Anlagen – bisher zumindest.

Armee hat zu wenig Personal

Obwohl die Bewachung von Gebäuden zu den zentralen Aufgaben der Schweizer Armee zählt, vertraut sie die Sicherheit bei einigen ihrer Anlagen Privatfirmen an. So zum Beispiel beim Armeelogistikcenter in Othmarsingen.

Seit Anfang Jahr patrouillieren dort Mitarbeiter der Delta Security AG, die sonst unter anderem in und um Fussballstadien im Einsatz stehen. Die privaten Sicherheitsleute kontrollieren, wer Zutritt erhält und wer nicht.

Der Grund: zu wenig Leute. «Aufgrund des Personalabbaus können solche Aufgaben nicht mehr aus eigenen Kräften erfüllt werden», sagt Christoph Brunner, Informationschef Verteidigung der Armee.

Wie viele Mitarbeiter der Firma Delta mit Hauptsitz in Weinfelden für die Sicherheit sorgen sollen, gibt die Armee nicht bekannt – «aus Sicherheitsgründen». Im Einsatz stehen sie in Othmarsingen sowohl während als auch ausserhalb der Betriebszeiten.

Die Kosten bleiben geheim

Wie teuer die Bewachung des Zentrums ist, wird ebenfalls geheim gehalten. Zu den Kosten für den Auftrag an die externe Firma wollen sich die Beteiligten nicht äussern.

Die beauftragte Delta Security AG teilt auf Anfrage mit, die Medienhoheit liege bei der Armee und verweist deshalb weiter nach Bern. Dort lautet die Antwort: Wie viel der Bund dafür bezahle, sei Vertragsgegenstand und nicht öffentlich.

Grundsätzlich dürfen in der Schweiz alle Bundesimmobilien durch private Sicherheitsfirmen bewacht werden. Ausgenommen sind einzig militärisch klassifizierte Anlagen in Schutzzonen. Dazu zählen besonders heikle Bereiche, beispielsweise gewisse Einrichtungen der Luftwaffe.

Da die Logistikzentren der Armee nicht darunter fallen, können private Unternehmen für die Bewachung eingesetzt werden. Neben Othmarsingen sind auch in Hinwil, Thun und Grolley private Sicherheitsfirmen im Auftrag der Armee auf Patrouille.

Ob in naher Zukunft die Bewachung weiterer militärischer Anlagen wie Zeughäuser oder Kasernen solchen Firmen anvertraut wird, ist bei den zuständigen Stellen nicht in Erfahrung zu bringen: «Dazu können wir im Moment keine Aussagen machen», heisst es.