Unfälle

Sechs Tote in vier Wochen – ist das Wetter Schuld an Unfallserie?

Traurige Bilanz im Kanton Aargau: In den vergangenen Wochen starben bei Verkehrsunfällen sechs Menschen. Eine «ungewöhnlich hohe Zahl», sagt Kapo-Sprecher Bernhard Graser. Ein Verkehrspsychologe sieht einen möglichen Grund im schönen Herbst.

Der tragische Unfall in Gränichen vom vergangenen Montag war der vorläufig letzte Tiefpunkt. Beim Zusammenprall mit einem Traktor starb ein 38-jähriger Autofahrer. Er ist bereits der sechste Verkehrstote auf Aargauer Strassen in den vergangenen Wochen. Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei, spricht auf Anfrage von einer «ungewöhnlich hohen Zahl».

Kapo hat keine Erklärung

Eine Erklärung für die Häufung von tödlichen Unfällen hat Graser nicht. Es seien keine Gemeinsamkeiten zwischen den Unfällen zu erkennen, keine Tendenzen auszumachen. Im Gegenteil: «Es handelt sich um eine Anhäufung von tragischen Zufällen, in denen das Schicksal zugeschlagen hat», so Graser. «Es gibt immer wieder Unfälle, die laufen ähnlich ab, und es entsteht ein Blechschaden und die Verunfallten steigen mit einem Brummschädel aus dem Auto.»

Einer der Gründe für die Unfallserie könnte das aussergewöhnlich schöne Wetter der letzten Wochen sein. «Ein Zusammenhang ist möglich», sagt Verkehrspsychologe Uwe Ewert von der Beratungsstelle Unfallverhütung (BFU). «Die schweren Unfälle passieren in der schönen Jahreszeit auf trockener Strasse.» Auf nassen Strassen oder im Winter bei Schnee und Eis werde deutlich langsamer gefahren und es gäbe «traditionell weniger Unfälle», so Ewert.

Oktober unfallreichster Monat

Ein Blick in die Unfallstatistik des Kantons Aargau zeigt, in welchen Monaten es auf Aargauer Strassen besonders häufig knallt. Der Oktober ist dabei der unfallreichste Monat. 2578 Unfälle unterschiedlicher Schwere wurden der Polizei seit 2004 im Oktober gemeldet. Dem Oktober folgen die Monate September (2556) und Juni (2533). Auch der Mai belegt einen der vordersten Plätze.

Kapo-Sprecher Graser hat dafür keine wirkliche Erklärung: «Eine Vermutung ist, dass viele Leute im Mai und Juni keine Ferien machen und es daher viel Verkehr auf der Strasse hat. September und Oktober passen dann allerdings nicht in diese Erklärung, da dann Schulferien sind.» Verkehrspsychologe Uwe Ewert bestätigt diese Vermutung. «Grundsätzlich ist schönes Wetter nicht gut für die Verkehrssicherheit. Es sind vor allem mehr Motorradfahrer unterwegs.» In den Sommermonaten Juli und August hingegen seien Viele in den Ferien.

Landstrassen sehr gefährlich

Ewert betont weiter, dass drei der schweren Unfälle auf Landstrassen passierten. Kantone mit vielen Landstrassen – wie der Aargau – hätten mehr schwere Unfälle zu verzeichnen. «Wegen der Geschwindigkeit und weil die Strassen nicht so gut ausgebaut sind wie beispielsweise Autobahnen», so Ewert.

Als mögliche Lösungen nennt er Mittelleitplanken oder sogenannte Rüttelstreifen – Mittelstreifen, die mit Löchern versehen sind, sodass ein Lenker merkt, dass er auf die Gegenfahrbahn gerät.

Schon mehr tödliche Unfälle als 2013

Die traurigen Nachrichten der letzten Wochen passen zum bisherigen Jahr. 20 Personen sind seit Januar auf Aargauer Strassen ums Leben gekommen – mehr, als im gesamten Jahr 2013 (15). «Wir sind sicher höher drin für dieses Jahr», bestätigt Bernhard Graser. Allerdings werde erst die genaue Auswertung zeigen, wie viele Personen tatsächlich durch Verkehrsunfälle – und nicht durch Suizid oder ein medizinisches Problem – starben. 

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