Bademode
Schwimmen im Ganzkörperanzug: So halten es die Aargauer Badis mit Burkinis

Nach der Burka steht im Ausland das Tragen eines Burkinis unter Beschuss. Auch in der Schweiz ist der Ganzkörperbadeanzug umstritten. Was sagen die Badis im Aargau zur muslimischen Bademode?

Lukas Scherrer
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Nach der Häufung terroristischer Attacken wird in immer mehr europäischen Städten das Tragen eines Burkinis, also eines muslimischen Ganzkörperbadeanzugs, verboten. (Archivbild)

Nach der Häufung terroristischer Attacken wird in immer mehr europäischen Städten das Tragen eines Burkinis, also eines muslimischen Ganzkörperbadeanzugs, verboten. (Archivbild)

Keystone

Nach der Häufung terroristischer Attacken werden die Vorbehalte Muslimen gegenüber stets grösser. Für Diskussionen sorgen deshalb auch Burkinis, die muslimischen Ganzkörper-Badeanzüge. In immer mehr europäischen Städten wird ihr Tragen verboten.

Auch in der Schweiz ist der Burkini umstritten. So hat die Westschweizer Gemeinde Meyrin das Tragen von Kleidern verboten, die einen «kulturellen oder religiösen Unterschied markieren.»

In der Aargauer Gemeinde Menziken sind Burkinis seit 2011 tabu. «Einige Gäste empfanden den Burkini als kulturfremd und unhygienisch», erklärte Bademeister Daniel Hüsler am Donnerstag gegenüber der Gratiszeitung «20 Minuten». Das Verbot sei hygienisch bedingt und wäre nicht diskriminierend.

SP-Nationalrätin und Regierungsratskandidatin Yvonne Feri wünscht sich einen Badeanzug, der sich mit der muslimischen Kultur und den Hygienevorschriften vereinbaren liesse, wie sie gegenüber «20 Minuten» erklärte.

Burkini-Probleme gibt es nur mit pöbelnden Gästen

Wie halten es andere Badis im Aargau mit Besuchern, die mit Burkinis schwimmen gehen? «In der Badi im Schachen war das bislang noch kein Thema», sagt Regina Wenk, Leiterin des Werkhofs Aarau, auf Anfrage der az. «Es gab aber schon Probleme mit Besuchern, die in Unterhosen ins Wasser wollten. Mit diesen wurde jeweils das Gespräch gesucht.»

Auch im Schwimmbad Bünzmatt in Wohlen hat man bislang noch keine Gäste verzeichnet, die mit einem Burkini schwimmen wollten. «Darum haben wir auch noch nie über ein Verbot diskutiert», erklärt Bademeister Martin Meier. «Ich erinnere mich aber an eine Frau, die mit Strassenkleidern ins Wasser wollte», so Meier. «Das ist aus Hygienegründen natürlich nicht erlaubt, weshalb wir die Besucherin daran gehindert haben.»

Offiziell erlaubt ist das Tragen des enganliegenden Original-Burkinis aus Elastan im Terrassenbad Baden, wie Betriebsleiter René Saurenmann erklärt. Es gebe allerdings nur sehr wenige Besucher, die mit dem Ganzkörperanzug schwimmen gehen. Trotzdem mussten die Badmeister in Baden wegen Burkinis schon einschreiten. «Einmal pöbelten Besucher gegen Frauen, die in Burkinis schwimmen gingen. Da mussten wir eingreifen.»

Baden mit dem Burkini ist an vielen Orten im Aargau erlaubt.

Baden mit dem Burkini ist an vielen Orten im Aargau erlaubt.

Keystone

Ebenfalls gestattet sind Burkinis im Hallen- und Freibad Isenlauf in Bremgarten, wie Betriebsleiter Jens Kemper auf Anfrage erklärt: «Die Bademoden sind sehr vielfältig bei uns. Solange das Material passt, also den Hygienebestimmungen entspricht, ist das Tragen von Burkinis bei uns kein Problem.»

In der französischen Küstenstadt Cannes wurde das Verbot erlassen, weil es sich beim Burkini um «ostentative Kleidung handelt, die auf eine Zugehörigkeit zu terroristischen Bewegungen hinweist, die gegen uns Krieg führen». Diese erstaunliche Erklärung lieferte letzte Woche der Generaldirektor der städtischen Dienste, Thierry Migoule, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.