NAB-Kongress
Schwierige Nachfolgefrage bei Aargauer Unternehmen: Er ist ein Beispiel dafür, wie es funktionieren kann

Jede fünfte Unternehmung im Kanton Aargau steht vor der Nachfolgefrage. Auf dem Kongress der Neuen Aargauer Bank im Campussaal Brugg-Windisch erzählte der Inhaber der Freiämter Regionalzeitungen, wie er die Firma von seinem Vater übernehmen konnte.

Mathias Küng
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Martin Nietlispach, Inhaber der Freiämter Regionalzeitungen AG (Mitte), sein Vater Christof Nietlispach und der Podiumsleiter Nicolas Palma (NAB).

Martin Nietlispach, Inhaber der Freiämter Regionalzeitungen AG (Mitte), sein Vater Christof Nietlispach und der Podiumsleiter Nicolas Palma (NAB).

Alex Spichale

Jede fünfte Unternehmung im Aargau steht vor der Nachfolgefrage. Er ist aber nicht ganz sicher, ob das auch jeder weiss.

Mit diesen Worten leitete der stellvertretende CEO der Neuen Aargauer Bank (NAB), Roberto Belci, im Campussaal Brugg-Windisch den bereits dritten NAB-Nachfolgekongress ein. Die Nachfolgeregelung sei finanziell, unternehmerisch und auch steuerlich komplex, so Belci weiter. Man müsse loslassen können, anderen Vertrauen schenken. Man müsse sich rechtzeitig fragen, was man nachher macht, wie man danach finanziell dasteht.

250 Personen, die sich genau solche Fragen stellen, nahmen sich die Zeit, um sich über Herausforderungen, Lösungsoptionen und die nächsten Schritte für eine erfolgreiche Nachfolgeregelung ins Bild setzen zu lassen.

Belci empfahl, sich genügend Zeit zu nehmen. Die NAB wolle gern dabei begleiten, koordinieren, auch helfen, den Stein ins Rollen zu bringen. Die Zuhörerschaft konnte danach zwischen Referaten zu verschiedenen Aspekten der Nachfolgefrage auf einem Marktplatz mit Spezialisten von NAB und BDO AG Aarau, der Beelegal Rechtsanwälte und des Center for Family Business HSG St. Gallen ins Gespräch kommen. Das wurde gern genutzt.

Medienhaus übergeben

Doch was zeigt besser als jede Theorie, wie so ein Prozess abläuft, als ein Beispiel? Augenscheinlich gelungen ist dieser Prozess bei den Freiämter Regionalzeitungen AG in Wohlen.

Vater Christof Nietlispach hat vor eineinhalb Jahren seinem Sohn Martin die Firma übergeben. Dies erläuterten die beiden im Gespräch mit Nicolas Palma, Leiter Kompetenzzentrum Unternehmensnachfolge NAB.

Martin Nietlispach ist seither Inhaber und Geschäftsleiter. Vater Christof hat sich schon als 50-Jähriger mit der Nachfolgefrage befasst. Weil Tochter und Sohn Jus studierten, habe er damit rechnen müssen, dass jeder einen anderen Weg gehen könnte und sich auch eine externe Lösung überlegt. Es klappte dann aber mit der Übernahme durch den Sohn.

Die grösste Herausforderung war die Unternehmensbewertung, sagte Nietlispach auf die Frage von Palma. Denn die Zukunft von (Print-)Medien ist relativ unsicher. Wer kann sagen, wie es in fünf Jahren aussieht?

Nietlispach überlegte natürlich auch, was dies für ihn finanziell bedeutet und liess sich von der BDO, seiner Revisionsgesellschaft, beraten. Auch für den steuerlichen Aspekt sei Beratung zwingend gewesen: «Da könnte man so viel falsch machen.» Er empfahl, sich unbedingt Expertenwissen zu holen: «Das kostet etwas, ist aber bestens investiertes Geld.» Klar sei aber: Den Entscheid muss man am Schluss selber treffen.

Der Sohn konnte beim Kauf nicht von einem «Familienabschlag» profitieren. Man machte eine Bewertung, mit der auch die Schwester einverstanden sei. Für die Finanzierung fand Martin Nietlispach eine Lösung mit der NAB.

Risiko tragen, Chance packen

Warum er dieses Risiko eingehe in einer Branche, die von der Digitalisierung derart verändert werde, wollte Palma vom neuen Besitzer wissen. Er übernehme das Risiko, könne aber auch eine Chance packen, antwortete Nietlispach.

Er habe in allen Abteilungen des Betriebes gearbeitet, kenne diesen also. Er ist überzeugt, dass die Digitalisierung alle Branchen umkrempeln wird. Bei den Medien ist sie einfach schon fortgeschritten: «Es ist unglaublich spannend. Man muss immer etwas weiter denken. Das eröffnet Chancen, die man nutzen kann.» Jetzt trage er die Verantwortung für alle Mitarbeitenden, was er gern tue.

Gelungen sei es auch, «weil mein Vater einen harten Schnitt machte, was das Beste für mich war. Er legte den letzten Arbeitstag fest, gab einen Apéro und verabschiedete sich». Ganz verabschiedet hat er sich aber nicht. Wie man hören konnte, sind die schönsten Wochen des Vaters im Jahr die, wenn er bei Ferienabwesenheit des Sohns diesen im Geschäft vertreten darf.