Jahrestag
Schweres Flugunglück: Heute vor 50 Jahren stürzte in Dürrenäsch eine Swissair ab

Vor 50 Jahren stürzte im Seetaler Dorf eine Caravelle der Swissair ab. Alle 80 Menschen an Bord starben. Die Gemeinde Humlikon verlor einen Fünftel seiner Einwohner. Zeitzeugen erinnern sich an das schwerste Unglück der Schweizer Luftfahrt.

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Der Absturz der voll besetzten Swissair Caravelle am 4. September 1963 bei Dürrenäsch war von einer besonderen Tragik begleitet.

Von den 74 Passagieren und 6 Besatzungsmitgliedern, die beim Unglück getötet wurden, stammten 43 aus der Zürcher Landgemeinde Humlikon.

Die Milchgenossenschaft hatte im Rahmen ihres traditionellen Jahresausfluges zur Besichtigung einer landwirtschaftlichen Versuchsanstalt in der Nähe von Genf geladen. Der Flug SR 306 hätte von Zürich nach Rom führen sollen, in Genf war eine Zwischenlandung geplant.

Humlikon verlor ein Fünftel seiner Einwohner, 39 Kinder wurden zu Vollwaisen, 5 zu Halbwaisen. Unter den Opfern waren alle Gemeinderäte, alle Schulpfleger und der Posthalter.

Nach dem Unglück musste deshalb der Kanton Zürich vorübergehend die Gemeindeführung kommissarisch übernehmen.

Weil die Ernte noch nicht vollständig eingebracht war und auf den 22 betroffenen Bauernhöfen auch sonst viel zu tun war, reisten in den nächsten Wochen täglich bis zu 70 Freiwillige aus dem ganzen Land nach Humlikon und halfen dort, die dringendsten Feldarbeiten zu erledigen.

Nebel und Überhitzung

Die Unfallursache konnte nie bis ins letzte Detail eruiert werden. Man geht davon aus, dass sie mit dem Nebel in Zusammenhang steht, der auf dem Flughafen Kloten herrschte.

Bei solchen Bedingungen war es damals üblich, vor dem Start mehrmals mit angezogenen Bremsen die Triebwerke auf Touren zu bringen, um mit dem heissen Düsenstrahl die Nebelschwaden etwas zu lichten.

Aufgrund von am Startort aufgefunden Teilen wird vermutet, dass bei diesem Manöver an der Caravelle eine Felge durch Überhitzung beschädigt wurde.

Diese schlug beim Einziehen des Fahrwerks eine Hydraulikleitung leck. Dadurch wurde die Maschine unsteuerbar. Zudem hat sich das Hydrauliköl an den heissen Bremsen entzündet und das linke Triebwerk in Brand gesetzt.

Portraits von Zeitzeugen

In fünf Portraits stellt die Aargauer Zeitung fünf Zeitzeugen vor, die den Flugzeugabsturz in Dürrenäsch hautnah erlebt haben.

Silvia Werren-Wehrli verlor beim Unglück ihre Eltern und erzählt von den Jahren danach. (Ich roch die feuchte Erde, das Kerosin, die Verwesung)

Dank seinen Maschinen rettete Ruedi Gnädinger vielen Bauern in Humikon die Ernte. (Der Verwalter, der den Schlussstrich zog)

Theodor Flacher hütet im Gedenkbuch die Erinnerungen an den tragischen Tag. (Das Album der Katastrophe von Humlikon)

Arthur Honegger war Blick-Redaktor und einer von vielen Journalisten aus der ganzen Welt. (Er musste darüber schreiben: Der Blick-Journalist im weinenden Dorf)

Maurice Maggi verlor als 8-Jähriger seinen Vater. («Dein Vater ist heute Morgen mit der Swissair abgestürzt»)

(rom/to)

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