Für die Aargauer Grünen waren die letzten Jahre schwierig. Der Fall von Jonas Fricker, der wegen des Vergleichs von Schweinetransporten mit Judendeportationen aus dem Nationalrat zurücktrat, ist das letzte Beispiel.

Zuvor verpasste der umstrittene Geri Müller die Wiederwahl als Stadtammann von Baden. Zur Zerreissprobe kam es 2015 mit Andreas Thommen: Der frühere Co-Präsident engagierte sich für die Ecopop-Initiative und verliess später die Partei.

Nun will die Partei den Fall Fricker an der nächsten Mitgliederversammlung diskutieren. Dies ist nach der Serie von Personalproblemen nur konsequent. Dass dies unter Ausschluss der Medien passiert, ist für die Öffentlichkeit zwar bedauerlich, aus Sicht der Grünen aber nachvollziehbar.

Ob die interne Diskussion neue Ergebnisse bringt, ist indes fraglich. Auch bei den Grünen,
wo Basisdemokratie und Mitwirkung aller wichtige Grundwerte sind, ist dies nicht immer möglich. In heiklen Fällen, wenn rasche Entscheidungen nötig sind, kann die Parteileitung aus praktischen Gründen nicht zuerst alle Mitglieder befragen.

Daher tun die Aargauer Grünen gut daran, ihre Energie nicht nur in die Aufarbeitung des Falles Fricker zu investieren. Mindestens ebenso wichtig ist ein anderer Punkt auf der Traktandenliste: Der Strategieprozess mit Verabschiedung eines Leitbilds, dazu Inputs und Diskussion der Mitglieder.

Natürlich ist die Politik heutzutage stark personalisiert, beeinflussen Exponenten wie Geri Müller oder Susanne Hochuli das Image der Grünen. Doch bevor die Köpfe bestimmt werden, die grüne Politik vertreten, sollten die Inhalte geklärt sein.