Bahnhofplatz Aarau

Schwelle für Blinde am Bahnhof Aarau gefährdet Sehende

In der Eile (oder beim Bestaunen des Bushofdachs) stolpern täglich Passanten über diese kleine Schwelle, welche rund um den Bushof in Aarau verläuft. Matthias Marx

In der Eile (oder beim Bestaunen des Bushofdachs) stolpern täglich Passanten über diese kleine Schwelle, welche rund um den Bushof in Aarau verläuft. Matthias Marx

Der Niveauunterschied beträgt mickrige drei Zentimeter. Doch gerade wegen der geringen Schwellenhöhe wird die obligatorische Orientierungshilfe für Blinde zur Stolperfalle für sehende Passanten.

Die metallverkleidete Schwelle verläuft auf dem Bahnhofplatz Aarau um den Bushof herum. Der Niveauunterschied beträgt nur drei Zentimeter. Genau das ist das Problem: Weil die Schwellenhöhe so gering ist, wurde sie seit der Inbetriebnahme des Bushofes vor den Sommerferien zur Stolperfalle.

Am Montag dieser Woche stürzte ein Mann so schwer, dass er liegen blieb und mit der Ambulanz ins Spital gebracht werden musste. «Pro Tag fallen wegen der Schwelle zwei bis drei Personen um», schätzt ein Postauto-Chauffeur.

Viele mehr würden zumindest stolpern. Dies beobachte er, wenn er mit seinem Fahrzeug am Bushof wartet. Manche liessen leichtere Blessuren in der nahen Notfallklinik des Kantonsspitals versorgen.

Wie viel Unfälle tatsächlich wegen der Schwelle geschehen, wissen die Stadt Aarau und der Kanton nicht. Beide sind am Bau des Platzes beteiligt.

Und sie kennen die Problematik: Rückmeldungen wegen der Schwelle habe es einige gegeben, sagt Gesamtprojektleiter Markus Kissling vom kantonalen Departement Bau Verkehr und Umwelt. «Dass es zu Unfällen kommt, tut mir sehr leid und wir nehmen das ernst», sagt Kissling.

Die Schwelle ist ein Streitpunkt

Die Schwelle ist eine Vorschrift des Bundes aus Rücksichtnahme auf Blinde. Für sie und Blindenhunde wird damit der Übergang von einer Fussgänger- zur Verkehrszone markiert. Dies ist nicht erst seit der Einführung des Behindertengleichstellungsgesetzes im Jahr 2004 so.

Die Verordnung stammt aus dem Jahr 1988. Ironischerweise heisst die heutige entsprechende Verordnung «Hindernisfreie Bauten». Die Schwelle ist denn auch ein Streitpunkt zwischen Rollstuhlfahrern und Blinden. «Die drei Zentimeter sind ein Kompromiss», sagt Remo Petri, Fachberater bei der Behindertenorganisation Procap Schweiz. Nach verschiedenen Versuchen habe man sich in der Schweiz auf diese Höhe geeinigt.

Streifen als Sofortmassnahme

Remo Petri trifft die Stadt und den Kanton diese Woche zu einem Gespräch. Laut Markus Kissling vom Kanton und Thomas Hossli vom Tiefbauamt Aarau werden gemeinsam verschiedene Varianten geprüft, um die Schwelle besser sichtbar zu machen. Als Sofort-Massnahme soll sie mit einem gelben Streifen provisorisch markiert werden.

Auf anderen Plätzen in der Schweiz seien solche Schwellen kein Problem, sagt Kissling, man wolle nun die Problematik in Aarau genauer analysieren. Fertig ist der Platz noch nicht. «Es ist immer noch eine Baustelle», so der Projektleiter.

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