Nationalratswahlen
Schweizerkreuz oder Irokese? SVP nominiert 16 Kandidaten – ihr Präsident gibt mutiges Versprechen ab

Die SVP Aargau hat am Mittwoch in Rothrist die Liste der Nationalratskandidaten bereinigt. Nicht mehr dabei sind wegen der Altersbeschränkung die langjährigen Nationalräte Ulrich Giezendanner, Sylvia Flückiger, Luzi Stamm und Maximilian Reimann.

Fabian Hägler
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Vor vier Jahren posierten die SVP-Kandidaten für den Nationalrat mit Plüschhund Willy, diesmal wählten sie bei der Nomination eine Schweizerkreuz-Kappe.
7 Bilder
Motivationsrede am Parteitag der SVP Aargau: Der Berner SVP-Nationalrat Adrian Amstutz kandidiert selbst aber nicht mehr.
Kantonalparteitag SVP Aargau
Die Nomination der 16 Nationalratskandidaten ging diskussionslos über die Bühne.
Adrian Amstutz tritt als Bundesparlamentarier ab.
Thomas Burgherr verkündete, sollte die SVP wie bei den letzten Wahlen einen Wähleranteil von 38 Prozent erreichen, dann werde er sich eine bunte Frisur wie Andreas Thiel zulegen.
Mit Grosser Mehrheit stimmten die SVP-Delegierten zudem für eine NEIN-Parole zur Zersiedelungsinitiative.

Vor vier Jahren posierten die SVP-Kandidaten für den Nationalrat mit Plüschhund Willy, diesmal wählten sie bei der Nomination eine Schweizerkreuz-Kappe.

Andre Albrecht

«Nur bei der SVP weiss man immer, welchen Hut die Kandidatinnen und Kandidaten anhaben: den mit dem Schweizerkreuz.» Das sagte der kantonale Wahlkampfleiter Werner Laube, nachdem der Parteitag in Rothrist am Mittwochabend die 16er-Liste für den Nationalrat bestimmt hatte. Nominiert wurden die Vertreter der Volkspartei, die mit sieben Sitzen die mit Abstand grösste Aargauer Delegation in Bundesbern stellt, ohne Diskussion und einstimmig.

Das erstaunte sogar Kantonalpräsident Thomas Burgherr, der nach dem Parteitag gegenüber der AZ sagte, er hätte schon mit einigen Wortmeldungen oder Anträgen gerechnet.
Dass die 16 Nominierten kurz nach 21.30 Uhr einträchtig auf der Bühne standen und mit Schweizerkreuz-Kappen für die Fotografen posierten, hatten sich Findungskommmission, Wahlleitung und Parteivorstand mit Sicherheit gewünscht.

Doch ohne Misstöne war die Auswahl bei der SVP in den letzten Monaten keineswegs verlaufen. Dass mit Ulrich Giezendanner, Sylvia Flückiger, Luzi Stamm und Maximilian Reimann vier bewährte Zugpferde der neuen Alters- und Amtszeitregel zum Opfer fielen, sorgte innerhalb der Partei für heftige Diskussionen.

Erst letzte Woche hatte Stamm definitiv seinen Verzicht auf eine Kandidatur auf der offiziellen SVP-Liste erklärt, dennoch hatten manche Mitglieder mit einem Antrag am Parteitag gerechnet, Stamm doch auf die Liste zu setzen. Auch die regionale Auswahl der Kandidaturen – gleich vier aus dem Bezirk Zofingen, keine aus dem Bezirk Brugg – gab im Vorfeld der Nomination zu reden.

Sieben Sitze – und ein Ständerat

Doch am Parteitag selber redeten nur die Kandidierenden, die sich jeweils kurz vorstellten und per Videoübertragung auf die Leinwand projiziert wurden. Keine einzige Frage kam von den Delegierten, auch als die Kandidaten den Saal verliessen, gab es keine Wortmeldungen. So dauerte es nur kurz, bis die 16 Nominierten im Gänsemarsch, mit Schweizerkreuz-Kappe und unter Applaus in den Saal zurückkehrten.

Die SVP, die vor vier Jahren einen Wähleranteil von 38 Prozent und sieben Sitze im Nationalrat erreichte, den Einzug in den Ständerat aber verpasst hatte, setzt sich für den kommenden Wahlherbst hohe Ziele. «Wir wollen die sieben Sitze verteidigen und zusätzlich Hansjörg Knecht in den Ständerat bringen – er ist ein Superkandidat», sagte Kantonalpräsident Thomas Burgherr. Danach begrüsste er Satiriker Andreas Thiel, der bei seinem Auftritt vor den SVP-Mitgliedern über Mehr- und Minderheiten sinnierte. Den Kandidaten gab Thiel den Rat mit auf den Weg, sich selber nicht zu ernst zu nehmen. Derweil versprach Burgherr, er werde sich einen farbigen Irokesen schneiden lassen, wie Thiel ihn trägt, wenn die SVP Aargau im Herbst wieder einen Wähleranteil von 38 Prozent erreiche.

Schmitter und Amstutz mahnen

Doch es gab nicht nur die heiteren Momente mit Thiel und die diskussionslose Nomination. Zu hören waren auch mahnende Worte, so kritisierte Adrian Schmitter, Gemeinderat in Rothrist und Präsident des SVP-nahen Club Bürgerliche 100, manche Politiker würden heute nur Karriereplanung betreiben. Er rief die Kandidaten für Bundesbern auf, die Basis nicht zu vergessen und bei Ortsparteien präsent zu sein.

In einem leidenschaftlichen Referat motivierte der ehemalige Fraktionschef Adrian Amstutz die Aargauer SVP-Basis für den Wahlkampf. Es brauche viel Einsatz, wenn ein Plakat heruntergerissen werde, müsse es ersetzt werden, die Mobilisierung der Wählerschaft sei enorm wichtig. Und den Kandidaten empfahl er: «Redet nicht gescheiter, als ihr seid, das kommt nicht gut an.»

SVP-Nationalratsliste:

- Hansjörg Knecht, Leibstadt, bisher

- Thomas Burgherr, Wiliberg, bisher

- Andreas Glarner, Oberwil-Lieli, bisher

- Martin Keller, Obersiggenthal

- Alois Huber, Wildegg

- Stefanie Heimgartner, Baden

- Clemens Hochreuter, Erlinsbach

- Nicole Müller-Boder, Buttwil

- Désirée Stutz, Möhlin

- Martina Bircher, Aarburg

- Jean-Pierre Gallati, Wohlen

- Benjamin Giezendanner, Rothrist

- Christian Glur, Murgenthal

- Michaela Huser, Wettingen

- Christoph Riner, Zeihen

- Bruno Rudolf, Reinach

Die Kandidaten in Bildern:

1. Hansjörg Knecht, Leibstadt, bisher (vorne jeweils der Listenplatz)
16 Bilder
2. Thomas Burgherr, Wiliberg, bisher
3. Andreas Glarner, Oberwil-Lieli, bisher
4. Martin Keller, Obersiggenthal
5. Alois Huber, Wildegg
6. Stefanie Heimgartner, Baden
7. Clemens Hochreuter, Erlinsbach
8. Nicole Müller-Boder, Buttwil
9. Désirée Stutz, Möhlin
10. Martina Bircher, Aarburg
11. Jean-Pierre Gallati, Wohlen
12. Benjamin Giezendanner, Rothrist
13. Christian Glur, Murgenthal
14. Michaela Huser, Wettingen
15. Christoph Riner, Zeihen
16. Bruno Rudolf, Reinach

1. Hansjörg Knecht, Leibstadt, bisher (vorne jeweils der Listenplatz)

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