Die Vorwürfe sind happig: Der Schweizer R. U. (54) soll seine Freundin in Brasilien vergewaltigt und aus dem Fenster geworfen haben. Er figuriert deshalb auf der Liste der meist gesuchten Verbrecher des Landes, ist international zur Fahndung ausgeschrieben. Am Montag wurde klar, dass es sich beim Gesuchten um einen Mann aus dem Kanton Aargau handelt. Aber nicht nur das: Der Mann befindet sich auch hier, wie "Blick" schreibt.

Man habe R. U. auf dem Parkplatz seines Vaters in Zofingen angetroffen, schreibt die Zeitung. Der Mann nimmt auch Stellung zu den Verbrechen, die man ihm zur Last legt: "Alles gelogen", sagt er. "Das hat meine Ex alles konstruiert und erfunden. Ich habe Ana Julia nie geschlagen, geschweige denn vergewaltigt." Warum derart an der Wahrheit herumgeschraubt werde, wisse er nicht. Er hegt aber einen Verdacht: "Die Frau hat doch die Polizei geschmiert, damit die das Ganze verdreht."

Dass er Streit mit seiner Freundin hatte, verneint er jedoch nicht. Zum Bruch kam es wegen des Hauses, das er in Brasilien gebaut hat – alleine. Damit seine Freundin nach sechs Jahren des Zusammenlebens nicht die Hälfte des Hauses bekam – so will es laut R. U. das Gesetz in Brasilien – habe er es einem Freund überschrieben. "Der Terror begann, als Ana Julia die Notizen über den Deal fand", sagt R. U. zu "Blick".

Schwere Verletzungen nach Party

Er habe seine Freundin nie hart angefasst. Im Gegenteil: "Ich schob sie fast ein Jahr im Rollstuhl durch die Gegend." Die schweren Verletzungen hat sie sich laut dem Aargauer nach einem Partybesuch zugezogen. Er war nicht am gleichen Ort. Als er nach Hause kam, fand er sie halb tot vor dem Haus. Ihrer Position zufolge könne sie gar nicht aus dem Haus gefallen sein. Dass er noch immer von der Polizei gesucht wird, wusste er nicht. 

Das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement nahm am Montag keine Stellung zum Fall. Da sich R. U. in der Schweiz aufhält, könnte Brasilien Bern um Übernahme der Strafverfolgung ersuchen. Ausgeliefert wird der Mann aber nicht – davor schützt ihn seine Schweizer Staatsbürgerschaft. Bestraft kann er gleichwohl werden. Ein allfälliger Prozess würde in der Schweiz stattfinden. Für den Mann gilt die Unschuldsvermutung. (mwa)