Fernbus

Schweizer Carunternehmen baut aus: Wird Rothrist zur Bus-Drehscheibe?

So wirbt der Anbieter schon mal für die geplante Haltestelle.

So wirbt der Anbieter schon mal für die geplante Haltestelle.

Noch gibt es keine innerschweizerischen Fernbusverbindungen, die die SBB auf ihren Paradestrecken konkurrenzieren. Das soll sich ändern. Das Carunternehmen Domo-Reisen will ab Dezember drei Routen betreiben – und Rothrist soll als Bus-Drehscheibe fungieren.

Das Carunternehmen Domo-Reisen aus Glattbrugg will in der Schweiz drei Fernbuslinien betreiben. Zurzeit sind Testfahrten im Gang. Vor wenigen Tagen hielt ein Bus auf dem Weg von Basel nach Lugano auch in Rothrist, genauer gesagt auf dem Firmengelände der Rüegger Transport AG im Industriegebiet an der Helblingstrasse 8. «Die Idee ist, dass man in Rothrist von überall nach überall umsteigen kann», sagt Patrick Angehrn, Leiter Linienbus Schweiz bei Domo-Reisen. «Wir planen, in Rothrist ein Bus-Terminal zu bauen, mit einem Aufenthaltsraum, einem kleinen Bistro mit WC, sodass unsere Kunden, die auf einen Anschluss warten, ihre Zeit angenehm überbrücken können.»

Ein Baugesuch liegt noch nicht auf. «Wir können die Baugesuche erst stellen, wenn wir die definitive Konzession erhalten haben», sagt Patrick Angehrn weiter. «Es macht ja wenig Sinn, auf Vorrat irgendwelche Gebäude oder Aufenthaltsräume zu erstellen.»

Aus diesem Grund hat auch die Gemeinde Rothrist noch keine Kenntnisse über den geplanten Domo-Stützpunkt, wie Gemeindeammann Hans-Jürg Koch auf Anfrage bestätigt. Schon heute stehen in Rothrist unter der Woche verschiedenste Busse, die dann an den Wochenenden vor allem in den Balkan fahren. «Da diese Busse meist auf Privatparzellen stehen, kann die Gemeinde nichts dagegen einwenden.» Koch hofft aber, dass die Entsorgung des Kehrichts nicht durch die Gemeinde getragen werden muss und dass den Reisenden WC-Anlagen zur Verfügung gestellt werden.

Bekommen die Domo-Reisen die Bewilligung des Bundesamts für Verkehr, so rollen ab Dezember täglich drei Fernbusse quer durch die Schweiz.

Bekommen die Domo-Reisen die Bewilligung des Bundesamts für Verkehr, so rollen ab Dezember täglich drei Fernbusse quer durch die Schweiz.

Noch keine Konzession

«Wir machen alles mit der Firma Rüegger Transport AG zusammen und sind daran, die Umsetzung zu planen», sagt Patrick Angehrn. Weil Domo-Reisen aber noch keine definitive Konzession des Bundesamts für Verkehr (BAV) hat, will sich auch die Rüegger Transport AG noch nicht zur Zusammenarbeit äussern. Patrick Angehrn sieht aber keine Probleme: «Wir gehen davon aus, dass wir ab 10. Dezember – zeitgleich mit der Fahrplanumstellung den SBB – den Betrieb aufnehmen können.» Trifft das zu, fahren ab Dezember drei Busse, ab Juni 2018 dann sechs Busse durch die Schweiz. «In einer ersten Phase werden nie mehr als drei Busse in Rothrist sein», betont Angehrn.

Giezendanner: Schweizer Anbieter

Mit einem wachen Auge verfolgt Nationalrat Ueli Giezendanner (SVP) die Entwicklung rund um die geplanten Fernbuslinien. «Grundsätzlich finde ich richtig, dass im Personenverkehr ein Markt entsteht. Wichtig ist aber, dass es in dieser Sparte Schweizer Anbieter gibt», sagt er. «Alle Monopolbetriebe werden ohne Konkurrenz mit der Zeit bequem. Die Bahn ist auf der Ost-West-Strecke zu Spitzenzeiten so überlastet, dass ein weiterer Marktanbieter gut Platz hat.»

Die Domo-Reisen ziehen nach den ersten Testfahrten ein positives Fazit: «Wir müssen noch einige Justierungen beim Fahrplan vornehmen oder noch den einen oder anderen Test ohne Personen durchführen», sagt Angehrn. «Dies um festzustellen, wie stabil der Fahrplan ist. Die geplanten Haltestellen haben sich als zweckmässig erwiesen.»

Ob die drei Fernbuslinien – auch wenn sie ab Juni 2018 doppelt geführt werden – zu einer ernsthaften Konkurrenz für die Bahn werden, wird sich zeigen. Preislich ist es möglich. Was Fahrplan, Fahrzeit und Verbindungsmöglichkeiten betreffen, hingegen keineswegs.

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