«Schuldig», sagt Gerichtspräsidentin Yvonne Thöny Faes. Und das, obwohl sich der 54-jähriger Schweizer, der vor ihr sitzt, als Unschuldslamm gibt.

Der Mann hatte Ende 2012 ein Haus bezogen, das er geerbt hatte. Das Haus ist nicht mehr das neuste. Also musste es renoviert werden. Als das Migrationsamt im Mai 2013 bei ihm vorbeischaute, arbeiteten auf der Baustelle des Schweizers nicht nur Handwerker aus der Region, sondern auch drei Männer und eine Frau aus Rumänien.

Die Männer trugen Arbeitskleider, die Frau hatte Farbspuren an den Händen - der Fall war für Polizei und Migrationsamt ziemlich klar. Nicht aber für den Hausbesitzer. Er bestritt am Freitag vor Gericht, dass er Ausländer ohne Bewilligung in seinem Haus beschäftigt hatte.

«Das waren meine Freunde aus Rumänien», sagt er. Sie seien in den Ferien gewesen bei ihm. Gemeinsam hätten Sie Ausflüge gemacht in die Berge, nach Luzern, ins Dorf. Eingeladen hatte er sie, obwohl sein Haus eine Baustelle war. Eineinhalb Monate sollten sie in der Schweiz bleiben.

Um keine Antwort verlegen

Dass die Rumänen bei der Kontrolle des Migrationsamts gerade am Fliesen legen und am Fugen waren, davon habe er nichts gewusst, sagte der Hausbesitzer – und das, obwohl er sich zu dieser Zeit auch im Haus befand.

Der Beschuldigte war um keine Antwort verlegen. Auch auf die Aussagen der Rumänen, die der Polizei auf die Frage, was sie in diesem Haus machten, sagten: «Wir sind hier, um beim Renovieren des Hauses zu helfen.»

Die Erklärung des 54-Jährigen: «Meine Freunde wurden von der Polizei unter Druck gesetzt, darum haben sie das gesagt.»

Am nächsten Morgen in aller Früh waren die vier Rumänen in ihre Heimat zurückgekehrt. Seither hatte der Hausbesitzer kein einziges Mal Kontakt mit seinen Freunden. Auch das mutete die Gerichtspräsidentin sonderbar an.

Die vier rumänischen Staatsangehörigen erhielten je einen Strafbefehl. Auch der Hausbesitzer erhielt einen Strafbefehl, vor Gericht verhandelt wurde seine Sache, weil er Einspruch erhoben hatte. Sein Anwalt pochte darauf, dass sein Mandant nicht wusste, dass die vier Rumänen in seinem Haus arbeiteten.

Klare Indizien

Gerichtspräsidentin Yvonne Thöny Faes sprach den 54-Jährigen trotzdem schuldig der Beschäftigung von Ausländern ohne Bewilligung. Verurteilt wurde er zu einer bedingten Geldstrafe von 9900 Franken mit einer Probezeit von vier Jahren und einer Busse von 2000 Franken. Der Hausbesitzer seufzte tief, als er das hörte.

Die Gerichtspräsidentin erklärte, dass bei der Kontrolle drei Rumänen Arbeitskleidung trugen und die Frau Farbspuren an den Händen hatte. Das seien klare Indizien, dass sie gearbeitet hätten.

Und da die Arbeit auf einer Baustelle üblicherweise für ein Entgelt ausgeführt werde, sei diese ein Verstoss gegen das Ausländergesetz. «Das ist nicht vergleichbar mit einer Nonna, die zu Besuch ist und für die Familie Sugo kocht.»