Wohlen
Schweisshunde: Caro sucht das angefahrene Reh

Im Aargau fahren Autos jedes Jahr gegen tausend Rehe an – und noch mehr Füchse. Für die Suche nach verletztem Wild braucht es ausgebildete Schweisshunde – gestern Sonntag war im Freiamt Prüfung.

Philipp Mäder
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Der 7-jährige Caro wedelt mit dem Schwanz. Er schnuppert links und rechts auf dem Boden, dann zieht er kräftig nach vorne: Der Deutsche Kurzhaar-Vorstehhund hat am Rande der Strasse von Wohlen nach Bremgarten die Fährte des verletzten Rehs aufgenommen. Jagdaufseher Max Koch folgt ihm an der langen Leine.

Flüchtet das verletzte Tier in den Wald, so bietet die Polizei über den örtlichen Jagdaufseher einen Schweisshundeführer auf (siehe Box). Dieser versucht dann, das Reh oder den Fuchs zu finden.

Reh angefahren – Was nun?

Im Herbst steigt die Gefahr, mit dem Auto ein Reh oder anderes Wild anzufahren. Deshalb gilt es, in der Dämmerung und an Waldrändern besonders aufmerksam zu sein. Kommt es dennoch zu einer Kollision mit einem Wildtier, muss man zwingend die Polizei rufen. Sie bietet den örtlichen Jagdaufseher auf, damit dieser das verletzte Tier suchen und notfalls erlösen kann. (mäd)

Für Caro ist das kein Problem: Er läuft zügig durch den Wald. Seine Nase folgt dem Geruch des Blutes, welches das Reh verloren hat – in der Sprache der Jäger wird das Blut Schweiss genannt. Nach zehn Minuten findet Caro das Reh. Als Belohnung bekommt er von seinem Besitzer einen Cervelat. Und beide dürfen einen Tannenzweig an den Hut beziehungsweise ans Halsband stecken.

Für die Suche gibt es kein Geld

Gestern demonstrierten Koch und Caro nur anhand einer künstlich angelegten Fährte, was sie können. Das angefahrene Reh war lediglich ein Fell. «Im Durchschnitt muss ich aber einmal pro Woche ausrücken, um mit meinem Hund ein Tier zu suchen», sagt Koch, der seit 52 Jahren Aufseher im Jagdrevier Wohlen ist. Und das ohne Entschädigung.

Bis ein Hund in der Lage ist, auch noch nach Stunden die Blutspur eines verletzten Tieres im Wald zu finden, braucht es ein langes Training. Gleichzeitig schreibt das Gesetz vor, dass jede der 210 Aargauer Jagdgesellschaften über einen ausgebildeten Schweisshund verfügen muss. Er kommt auch dann zum Einsatz, wenn die Jäger ein Tier nicht richtig treffen und dieses fliehen kann.

Gestern prüfte der Aargauische Jagdschutzverein neue Schweisshunde. Meister und Hund haben dabei eine Stunde Zeit, um einer zwölf Stunden alten, mit 2,5Deziliter Rehblut gelegten Fährte über 500 Meter zu folgen. Diese ändert zweimal die Richtung. Kommt der Hund von der Fährte ab, so darf der Richter zweimal helfend eingreifen.

Gestern bestanden von 18 angetretenen Hundeführern nur 7. Peter Widmer, Beauftragter für das Hundewesen beim Aargauischen Jagdschutzverein, ist nicht zufrieden: «Das zeigt, dass wir der Ausbildung der Schweisshunde und der unerfahrenen Führer mehr Aufmerksamkeit widmen müssen.» Bei den fortgeschrittenen Gespannen mit einer Fährte über tausend Meter waren hingegen vier von fünf erfolgreich.

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