Kantonsschulen

Schwänzen: Aargauer Kantonsschulen kämpfen gegen den «Absentismus»

Die einzelnen Schulen haben unterschiedliche Wege entwickelt, um dem «Absentismus» zu begegnen. Die einen müssen Absenzhefte führen, die anderen haben ein Absenzenkontingent. In Wettingen werden die Schülerabsenzen sogar ins Netz gestellt.

Der Chefredaktor der aufmüpfigen «Neuen Aargauer Kantizeitung Troubadour» hat sich in seinem jüngsten «Editorial» eines heissen Eisens angenommen: des Absenzenwesens an den Kantonsschulen. Zunächst beklagt er die uneinheitliche Handhabung an den einzelnen Schulen, zwischen «diktatorisch» und «Laisser faire». Dann wird er grundsätzlich: «Letztlich sollten sowohl die Lehrer als auch die Schulleitungen einsehen, dass die Kantonsschule die Vorstufe zur Universität ist. Dort gilt: Wer den Unterricht verpasst, ist selbst schuld.» Ist Unterrichtsbesuch an der Kanti tatsächlich freiwillig?

«Nein», kontert Bettina Diem, Sektionschefin Mittelschulen im Bildungsdepartement, und zitiert den Paragrafen 4 der kantonalen Mittelschulverordnung: «Die Schülerinnen und Schüler sind verpflichtet, den Unterricht in den obligatorischen Fächern und in den gewählten Freifächern zu besuchen.»

Natürlich besuche man die Mittelschule, im Gegensatz zur Volksschule, grundsätzlich freiwillig; man könne sie auch wieder verlassen (bis zum Erreichen der Volljährigkeit allerdings nur mit elterlicher Einwilligung). «Wer sich aber zum Bleiben entschliesst, verpflichtet sich auf die Einhaltung der gültigen Regeln. Dazu gehört auch die Anwesenheitspflicht.» Im Übrigen stimme die Einschätzung auch für die Universitäten nicht mehr: «Seit Einführung des Bologna-Modells ist die Anwesenheitspflicht an den Hochschulen vielerorts verschärft worden.»

Kanton lässt bewusst Freiraum

Und die uneinheitliche Handhabung an den einzelnen Schulen? Bettina Diem zitiert nochmals die Verordnung, diesmal Paragraf 6: «Das Absenzen- und Urlaubswesen ist in der von der Schulleitung zu erlassenden Schulordnung geregelt.» Der Gesetzgeber verlangt also keine Einheitlichkeit. Die Sektionschefin findet das richtig: «Der Kanton soll den Fächerkanon und die wichtigsten Rahmenbedingungen einheitlich regeln. Daneben hat es bewusst Gestaltungsraum für die Schulen. Die Regelung des Absenzenwesens hat auch etwas mit der Schulkultur zu tun.»

Meistgesehen

Artboard 1