Aargau
Schützen wollten Gripen-Gegnerin Hochuli einen Maulkorb verpassen

Die Organisatoren des Feldschiessens wollten die Aargauer Militärdirektorin Susanne Hochuli nicht auftreten lassen. Erst ein Machtwort des Kreiskommandanten sorgte dafür, dass es nicht zum Eklat kam.

Fabian Hägler
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Schützen wollten Gripen-Gegnerin Hochuli einen Maulkorb verpassen
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Hochuli und Feldschiessen-Chef Werner Stauffer tauschen sich aus.
Wegen ihm konnte Hochuli trotzdem eine kurze Grussbotschaft überbringen: Kreiskommandant Rolf Stäuble.

Schützen wollten Gripen-Gegnerin Hochuli einen Maulkorb verpassen

Aargauer Zeitung

Eingeladen war sie, sprechen sollte sie nicht: Wäre es nach Feldschiessen-Chef Werner Stauffer gegangen, hätte Susanne Hochuli beim Auftakt zum grössten Schützenfest der Welt am Montag keine Ansprache gehalten.

Auf der offiziellen Rednerliste fehlte der Name der Gripen-Gegnerin, dafür kamen mit Grossratspräsident Thierry Burkart, Brigadier Hans Schatzmann und SVP-Nationalrätin Sylvia Flückiger drei Befürworter des neuen Kampfflugzeugs zu Wort.

Kreiskommandant Rolf Stäuble sorgte schliesslich dafür, dass Hochuli die Grussbotschaft des Regierungsrats überbringen konnte. Diese war unpolitisch.

Dennoch deutet alles darauf hin, dass die Schützen Hochuli wegen ihrer kritischen Haltung zum Gripen einen Maulkorb verpassen wollten.

Klar ist: Stauffer wusste seit Monaten, dass die Militärdirektorin eine Rede halten wollte.

Laut mehreren Quellen wurde der Maulkorb-Plan vor zehn Tagen am Habsburgschiessen besprochen. Schliesslich vergewisserte sich Stauffer am Abend selber bei Hochuli, dass sie nichts zum Gripen sagen würde.

Beim offiziellen Auftakt zum diesjährigen Feldschiessen am Montag vermied Susanne Hochuli solche Fettnäpfchen.

Dennoch wäre es beinahe zum Eklat gekommen – die Organisatoren wollten offensichtlich verhindern, dass Hochuli zu den Schützen sprach.

So war die Militärdirektorin auf dem Ablaufplan des Abends gar nicht als Rednerin aufgeführt, das Schlusswort sollte SVP-Nationalrätin Sylvia Flückiger halten. Hochuli überbrachte dann doch ihre Grüsse des Regierungsrats.

Kreiskommandant griff ein

Werner Stauffer, Bereichsleiter Feldschiessen beim Aargauer Schiesssportverband, wollte das Programm aber offenbar ohne Hochuli-Rede durchziehen.

Dies liess Kreiskommandant Rolf Stäuble nicht zu. «Er kam zu mir und meinte: ‹Das kannst du nicht machen›», sagt Stauffer.

Er habe sich dann mit Schützenpräsident Victor Hüsser besprochen und entschieden, dass Hochuli doch noch zu Wort kommen sollte.

Wollten die Schützen verhindern, dass Hochuli sich in ihrem Kreis kritisch zum Gripen äusserte? Stäuble vermutet, die Organisatoren hätten Angst gehabt, Hochuli «könnte mit kritischen Aussagen zum Gripen die Stimmung trüben».

Stauffer bestreitet dies: «Mit der Abstimmung hat dies nicht zu tun, ich hatte einfach Grossratspräsident Thierry Burkart als Eröffnungsredner und Sylvia Flückiger für das Schlusswort vorgesehen.»

Er habe nie direkt Kontakt gehabt mit Hochuli und deshalb sei für ihn nicht klar gewesen, dass sie eine Ansprache halten werde. «Frau Hochuli war auch schon am Feldschiessen, ohne zu reden», verteidigt sich Stauffer.

Militärdirektorin sprach immer

Balz Bruder, Leiter Kommunikation im Departement Gesundheit und Soziales, entgegnet: «Susanne Hochuli hat an jedem Kick-off für das Feldschiessen, an dem sie teilgenommen hat, die Bedeutung des Anlasses in einer Grussbotschaft gewürdigt.»

Zudem habe Stauffer selber am Montagabend bei Hochuli nachgefragt, ob sie tatsächlich nicht über den Gripen sprechen wolle. Sie entgegnete laut Bruder: «Ich politisiere nicht, ich rede über das Feldschiessen.»

Der Versuch der Schützen, die Militärdirektorin auszubooten, stiess Kreiskommandant Stäuble sauer auf. «Ich habe mit Werner Stauffer schon vor Monaten den Termin und den Ablauf besprochen», betont Stäuble. Dabei habe er klar gesagt, dass Susanne Hochuli «nicht schiessen, aber wie immer eine Rede halten wird».

Pikant: Das offizielle Programm, auf dem Hochuli fehlte, erhielt Stäuble nicht. Werner Stauffer sagt, er habe wohl vergessen, Stäuble die definitive Rednerliste zuzustellen.

Kreiskommandant Stäuble ist mit dieser Erklärung nicht zufrieden. «Es ist für mich unerklärlich, dass man die Militärdirektorin zum Auftakt des Feldschiessens einlädt und davon ausgeht, dass sie nichts sagt», macht er deutlich.

Dass Feldschiessen-Chef Stauffer am Montagabend nicht allein entscheiden konnte, ob Hochuli sprechen darf, lässt Stäuble darauf schliessen, dass die Ausbootung der Militärdirektorin abgesprochen war. «Ich gehe davon aus, dass dies am Habsburgschiessen vor gut einer Woche passierte», sagt Stäuble.

Hochuli will 2015 wieder schiessen

Dies bestätigten der az unabhängig voneinander mehrere Teilnehmer am Feldschiessen-Auftakt. Auch eine Passage im Habsburgschiessen-Artikel von René Birri, dem ehemaligen Pressechef des Aargauer Schiesssportverbandes, stützt diese Vermutung.

«Vor einem Jahr schoss Militärdirektorin Susanne Hochuli mit der Pistole auf die Distanz von 50 Metern. Heuer besuchte sie das Habsburgschiessen nicht mehr. Statt auf Scheiben schiesst sie nun auf den Gripen», schrieb Birri.

Die Angeschossene lässt dies offenbar kalt: «Susanne Hochuli freut sich, im kommenden Jahr wieder aktiv mit der Pistole am Feldschiessen teilnehmen zu können, nachdem sie in diesem Jahr passen musste», lässt ihr Sprecher ausrichten.

Das Verhältnis zwischen Regierungsrätin Susanne Hochuli und den Aargauer Schützen ist seit mehreren Jahren getrübt.

2009 fehlte die Militärdirektorin am Auftakt des Feldschiessens, sie zog einen Besuch des Musikfestivals Lenzburgiade vor.

2010 sorgte sie am Eidgenössischen Schützenfest in Rupperswil für Empörung. In ihrer Rede sprach sich Hochuli damals für ein Ja zur Waffenschutzinitiative aus.