Coronavirus

Schutz aus China statt aus Bern: Aargau bestellt in China Schutzmaterial für 1,4 Millionen

Der Kanton Aargau hat 69'000 Schutzkittel und eine Million Schutzmasken in China produzieren lassen. Nun kamen sie mit Verzögerung an. Das Schutzmaterial kostet mitsamt dem Transport 1,4 Millionen Franken.

«10'000 Kilometer ohne Probleme, auf den letzten 50 gibt es Schwierigkeiten», konstatierte Rolf Stäuble. Der stellvertretende Leiter der kantonalen Task Force Corona hatte eigentlich am Montagvormittag zwei Lastwagen mit Schutzanzügen und Masken in Aarau erwartet. Eingeflogen aus China mit einem Passagierflugzeug, einer A340 der Swiss, waren sie pünktlich am Samstagabend gelandet.

Die Cargo-Abwicklung am Flughafen Kloten klappte dann aber nicht wie geplant, sodass die Ware mit anderthalb Stunden Verspätung in Aarau ankam. Das Schutzmaterial soll den Aargauer Pflegeheimen und Spitex-Organisationen – einstweilen gratis – abgegeben werden. Dort wird es nicht nur die Bewohner und Betreuten, sondern auch die Pflegepersonen schützen.

68'950 Schutzkittel und rund eine Million Schutzmasken hatte der Kanton in China produzieren und einfliegen lassen. Das kostet ihn 1,4 Millionen Franken, allein der Transport per Flugzeug schlägt mit rund 350'000 Franken zu Buche. Der Schifftransport hätte eine tiefe fünfstellige Summe gekostet. Aber der Transport auf See würde fünf bis sechs Wochen dauern. So viel Zeit hatte man aber nicht mehr, hiess es gestern bei der Ankunft des Schutzmaterials. «Wir sind uns bewusst: Das ist sehr, sehr viel Geld. Aber es gab für uns keine Alternative», sagte Stäuble. Er erklärte, der Bund habe dem Kanton Aargau längst eine Grosslieferung Schutzkittel versprochen.

Grosse Schutzmaterial-Lieferung im Aargau angekommen

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Bund vertröstete Kanton Aargau immer wieder

«Vor zwei Wochen hatten wir fast keine mehr. Eine erneute Anfrage beim Bund ergab, dass es sicher noch vier Wochen dauern würde, bis sie geliefert werden könnten. Also mussten wir rasch handeln.» Innert kürzester Zeit wurden Offerten von Herstellern in China eingeholt. Den Zuschlag erhielt schliesslich derselbe Lieferant, der auch den Kanton Zürich beliefert. Damit habe man eine gewisse Sicherheit bezüglich Qualität gehabt, so Stäuble. Bereits erwäge der Kanton weitere Bestellungen in China. Dann aber per Schiff. Barbara Hürlimann, Ressortleiterin Gesundheitswesen in der Task Force Corona, ist froh, dass die Masken und vor allem die Kittel nun endlich da sind und dank der kantonalen Eigeninitiative das Schutzbedürfnis im Gesundheitswesen gewährleistet werden könne. Die Aargauer Spitexorganisation betreut gut 29'000 Klienten, in den Pflegeheimen leben rund 6500 Personen, entsprechend viel Material braucht es.

Laut Hürlimann könne man jetzt auch «darüber nachdenken», das Besuchsverbot in den Alters- und Pflegeinstitutionen demnächst zu lockern. Denkbar ist, dass Besucher wie Bewohner Schutzmasken und Kittel tragen. Wann die Lockerung konkret vollzogen wird, ist noch unklar.

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