Interpellation

Schusswaffen boomen im Aargau – sollen Käufer zum Arzt?

Christian Rudin, Inhaber der Zofinger Waffenhandlung Wildi, hat sich auf den Jagd-Bedarf inklusive Ausrüstung fokussiert.

Christian Rudin, Inhaber der Zofinger Waffenhandlung Wildi, hat sich auf den Jagd-Bedarf inklusive Ausrüstung fokussiert.

Im Aargau boomt die Nachfrage nach Schusswaffen. Das macht der GLP Angst macht und löst Fragen aus. Die Grossratsfraktion will wissen, ob für Waffenkäufe ein Arztzeugnis verlangt werden kann.

«Gibt es eine Möglichkeit, neben den Strafregisterauszügen auch ein Arztzeugnis für den Waffenerwerb zu verlangen, um auszuschliessen, dass psychisch angeschlagene und traumatisierte Personen Schusswaffen erwerben dürfen?» Mit dieser Frage sorgt die GLP-Fraktion im Grossen Rat für einigen Pulverdampf – und rote Köpfe in Jagd- und Sportschützenkreisen. «Das wollten wir mit unserer Interpellation nicht», sagt die Zofinger GLP-Grossrätin Renata Siegrist.

Ihrer Fraktion ist ins Auge gesprungen, dass die Zahl beantragter Waffenerwerbsscheine im Aargau in den letzten fünf Jahren von 2732 auf 5117 pro Jahr hochgeschnellt ist – was einer Zunahme von 44 Prozent entspricht und deutlich über dem nationalen Durchschnitt liegt. Weshalb ist dem so, fragt sich die GLP: «Kann sich der Regierungsrat die starke Erhöhung an beantragten Waffenerwerbsscheinen erklären und wie beurteilt er diese Entwicklung?»

Die düstere Seite der Medaille

Fakt ist, dass 2016 im Aargau 22 Personen mit Schusswaffen Selbstmord begangen haben. Drei Menschen kamen bei Verbrechen ums Leben. Die Frage der GLP dazu: «Sieht der Regierungsrat Möglichkeiten, wie dieser Entwicklung durch Ausschöpfen des Handlungsspielraums oder Erweitern des Handlungsspielraums Einhalt geboten werden könnte?» Auf diesem Hintergrund kam auch die eingangs erwähnte Forderung nach einem Arztzeugnis als Voraussetzung für einen Waffenkauf zustande. Allerdings: «Wir wollen niemanden – schon gar nicht Jäger und Sportschützen – unter Generalverdacht stellen», hält Siegrist fest. Wichtig in diesem Zusammenhang: Nur ohne Vorstrafe gibt es einen Waffenerwerbsschein.

Christian Rudin ist Inhaber der Zofinger Waffenhandlung Wildi. Er sagt: «Eine Zunahme der Waffenerwerbsscheine registrieren auch wir.» Dazu hat Rudin, dessen Firma sich auf den Jagdbereich spezialisiert hat, eine Erklärung: Jagdwaffen, bei denen es sich um sogenannte Handrepetierer handelt (vergleichbar mit einem Karabiner), unterliegen einer Meldepflicht. «Will man aber eine selbstladende Waffe kaufen, ist ein Erwerbsschein nötig.»

Waffen, Jagd und Erbgang

Junge Jägerinnen und Jäger schätzten die Automatikfunktion, weil sie sich besser auf den Schuss konzentrieren könnten und auch der Rückschlag der Waffe geringer ausfalle. Christian Rudin sieht hier einen Teil der Zunahme bei der Zahl der Waffenerwerbsscheine. Hinzu kommen Sportschützinnen und -schützen. Klar: Seinen Laden besuchen auch Leute, welche ihr Haus oder sich selbst beschützen wollen. «Da führen wir ein Beratungsgespräch, bei dem meist klar wird, dass eine Pistole oder ein Revolver vor dem Hintergrund der Terrorgefahr wenig bringt.» Von einem ärztlichen Gutachten für den Waffenerwerb hält Rudin wenig.

Einen Waffenerwerbsschein benötigt man nicht nur für den aktiven Kauf eines Gewehrs oder einer Pistole – sondern auch im Erbfall.

Rechtlich wird dieser wie der Kauf einer Waffe behandelt. Wer eine waffenscheinpflichtige Handfeuerwaffe erbt, muss innerhalb von sechs Monaten einen Erwerbsschein bei der zuständigen kantonalen Behörde beantragen, sofern die Waffe nicht innerhalb dieser Frist einer berechtigten Person übertragen oder vernichtet wird.

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