Aargau
Schulen sind machtlos im Kampf gegen die Elterntaxis

Die Zahl der Eltern, die ihre Sprösslinge zur Schule chauffieren, nimmt weiterhin zu. Bereits jedes vierte Kind wird heute von Mama oder Papa gefahren. Die Lehrpersonen zeigen sich genervt über den neuen Trend.

Tim Honegger
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Villmergen, 8 Uhr morgens: Bedrohlich knurren die Motoren vor dem Kindergarten. Hie und da blitzt zwischen den Autos ein Lüchzgi auf: Einige der Kindergärtner springen voller Freude zu ihren Gspänli in den Kindergarten, andere laufen weinend zu ihren Müttern zurück. Auf den gefährlichen Verkehr rundum achtet aber keiner der Knirpse. «Es grenzt an ein Wunder, dass hier noch kein Unfall geschehen ist. Wenn sich hier nichts ändert, ist das aber nur eine Frage der Zeit», sagt eine Mutter besorgt.

Jedes vierte Kind wird chauffiert

Trotz des morgendlichen Verkehrs: Die Schule Villmergen nimmt eine Pionierstellung im Kampf gegen die Elterntaxis ein. Bereits vor drei Jahren schlug der Gemeindeschreiber Markus Meier Alarm: «Die Sicherheit der Kinder ist nicht mehr gewährleistet», warnte er. Die Gemeinde reagierte daraufhin und sprach fast zwei Millionen Franken, damit die Verkehrssituation rund um den Kindergarten sicherer wird.

Trotz dieser baulichen Massnahmen kurvten auch am Montag gegen 30 Autos um den Kindergarten, um die Kleinen abzuladen – bei nur 130 Kindern. Fast jedes vierte Kind wird also in den Kindergarten chauffiert; 2008 war es statistisch gesehen noch jedes zehnte. Das Bundesamt für Unfallverhütung BFU bestätigt die Tendenz hin zu mehr Elterntaxis.

Die Lehrperson Evelyne Haussener ist genervt: «Die Elterntaxis gefährden mit ihren schnellen Wendemanövern die spielenden Kinder», sagt sie. «Ausserdem lernen Kinder den sicheren Umgang mit dem Verkehr nicht, wenn sie ständig herumchauffiert werden.»

Gleicher Meinung ist Peter Christen, stellvertretender Chef der Regionalpolizei Wohlen. «Besonders zu Beginn des Schuljahres patrouillieren wir bei den Schulanlagen», sagt er. Dabei verwarnt die Polizei falsch parkierende Eltern mündlich. «Manchmal nützt selbst das Reden nichts mehr; dann müssen wir sie büssen.»

Aufklärung blieb erfolglos

Kürzlich wurde auch Zofingen aktiv: Im März klärten Polizisten die Elternfahrer über die Gefahr von Elterntaxis auf – mit niedlichen Schulkindern im Schlepptau. Die erwünschte Wirkung blieb aber aus: «Seither gibt es nur leicht weniger Elterntaxis. Möglicherweise sind es sogar gleich viele wie zuvor», erklärt Annette Rüetschi, Primarschulleiterin in Zofingen.

Bereits früher griff ihre Schule zu einem ungewöhnlichen Mittel: Sie richtete spezielle Elterntaxi-Parkplätze ein. Mit dem Ziel, die Autos an den heiklen Verkehrspunkten vorbeizulenken. Animiert die Schule die Eltern damit nicht dazu, die Kinder zur Schule zu chauffieren? «Eltern, die ihre Kinder fahren wollen, tun dies auch ohne Eltern-Parkplätze», kontert Rüetschi. Aber mit den Parkplätzen könne die Sicherheit der Fussgänger zumindest leicht verbessert werden.

Halteverbot als letztes Mittel

Äusserst kritisch war die Elterntaxi-Situation vor einigen Jahren in Gebenstorf; Schule und Gemeinde sahen ein Halteverbot als letztes Mittel. Seit nunmehr zwei Jahren verhindert dieses, dass Eltern ihre Sprösslinge direkt vor die Schule fahren. Laut Schulleiter René Keller war diese Massnahme «absolut notwendig». «Die Situation hat sich seither stark verbessert.» Er könne anderen Schulen nur zu dieser Praxis raten.

«Viele Eltern haben Verständnis für das Halteverbot – auch wenn es für sie eine Umstellung bedeutet.» Allerdings parkierten gewisse Eltern stattdessen einfach 50 Meter weiter vorne. «Nicht alle lassen sich belehren.» Rund um das Schulhaus sei es nun aber sicher. Und das sei die Hauptsache.

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