Mittelschulen
Schulanfang: 170 Kanti-Schüler zu längerem Weg verknurrt

Die Schülerzahlen an den Aargauer Mittelschulen steigen erneut an – einige können nicht an ihre Wunsch-Kanti. Bildungsdirektor Alex Hürzeler versuchte mit offenen Gesten ein falsches Bild aus den Köpfen der Journalisten zu verscheuchen.

Hans Fahrländer
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Ein Pavillon ist laut dem Kanton kein Baracken-Provisorium: Schüler an der Kantonsschule Baden.

Ein Pavillon ist laut dem Kanton kein Baracken-Provisorium: Schüler an der Kantonsschule Baden.

Alex Spichale

Die traditionelle Medienkonferenz zum Schuljahresbeginn mit Bildungsdirektor Alex Hürzeler und seinen Abteilungschefs Christian Aeberli (Volksschule) und Kathrin Hunziker (Berufs- und Mittelschulen) war diesmal in einer Mittelschule. Genauer: in der Kantonsschule Baden. Noch genauer: im neuen Pavillon aus Fertigbauelementen mit acht Schulzimmern, der gestern offiziell in Betrieb genommen wurde.

Ein falsches Bild

Um ihn ging es in erster Linie: den erstaunlich eleganten schwarzen Kubus mit Freitreppe, der sich gut in die Linie der festen Bauten auf dem Areal einfügt. Regierungsrat Hürzeler und Rektor Hans Rudolf Stauffacher wollten den Medienschaffenden ein falsches Bild aus den Köpfen verscheuchen: Seht her, das hat nichts mehr zu tun mit den früheren Baracken-Provisorien. Hier kann man ganz normal unterrichten, ohne infrastrukturelle Benachteiligung.

Die Schülerzahlen steigen

Ein gleicher Pavillon ist gestern auch an der Kanti Wohlen in Betrieb genommen worden, dort sogar mit zwölf Schulräumen. Sie wurden nötig, weil die Zahl der Neueintritte in die Kantonsschulen nun schon zum vierten Mal hintereinander markant angestiegen ist und alle Prognosen über den Haufen geworfen hat. Die Totalzahl der Abteilungen ist von 242 im Vorjahr auf 249 angestiegen. «Wir rechnen mit einem Anwachsen der Schülerzahlen bis 2015/16», sagte Hürzeler.

Nach einer Phase der Stagnation sollen die Zahlen ab 2020 erneut ansteigen. Rektor Stauffacher zeigte sich erfreut über den Zustrom: «Irgendetwas hat nicht gestimmt mit unserer Maturitätsquote von nicht einmal 14 Prozent. Ich bin froh, dass sich das nun ändert.» In Aarau, Baden, Wohlen und Zofingen hat man mit kleineren Eingriffen sowie mit Zumietungen und Verdichtungen weiteren Raum gewonnen. Für den Sportunterricht sollen im Lauf des Jahres in Aarau, Baden und Wohlen Provisorien bereitgestellt werden.

Abschied von den Kameraden

«Zur schulorganisatorischen Optimierung», wie sich der Bildungsdirektor etwas schönfärberisch ausdrückte, seien dieses Jahr 170 Zuteilungen nötig geworden. Hinter dem neutralen Wort steckt manch persönliches Schicksal: Zwar können die Jugendlichen und ihre Eltern nach wie vor eine Mittelschule ihrer Wahl angeben, gesteuert meist durch den Wohnort. Doch in 170 Fällen konnte diesmal nicht auf den Wunsch eingegangen werden: Die Mädchen und Burschen begannen gestern an einer anderen Schule. Das bedeutet für sie: ein längerer Schulweg und Abschied nehmen von bisherigen Kameraden – das ist der Preis des Wachstums und die Grenze der Raumvermehrung.

Pavillon-Widerstand in Aarau

Der Boom findet vorab in den Zentren statt, auch in Aarau, vor allem an der Alten Kanti. Doch dort steht kein Pavillon. Man fand im Areal keinen geeigneten Standort – respektive: Der Widerstand gegen einen Pavillon von verschiedener Seite war zu gross.