Die EU hat das Waffenrecht nach den Anschlägen von Paris im November 2015 verschärft. Neu gelten halbautomatische Gewehre mit einem Magazin von mehr als zehn Schuss und Pistolen mit über zwanzig Schuss als verbotene Waffen. Für den Kauf braucht es eine Bewilligung, wer schon eine solche Waffe besitzt, muss sie den Behörden melden. Für eine Bewilligung muss die Mitgliedschaft in einem Schützenverein oder das regelmässige Schiessen mit der Waffe nachgewiesen werden. Armeewaffen sind davon nicht betroffen, diese können nach Beendigung der Dienstpflicht weiterhin mit nach Hause genommen werden.

Für die Aargauer Schützen gehen die geplanten Verschärfungen viel zu weit. Dies zeigte sich an der Jahrestagung des kantonalen Schiesssportverbandes. Wie ein roter Faden zog sich der Kampf gegen die neue EU-Waffenrichtlinie durch den zweieinhalbstündigen offiziellen Teil. Verbandspräsident Victor Hüsser redete schon bei seiner Grussadresse Klartext: «Diese Abstimmung ist die letzte Chance, unseren geliebten Schiesssport zu erhalten.» Er forderte die Aargauer Schützen auf, geschlossen ein Nein in die Urne zu legen und auch Verwandte und Bekannte zu mobilisieren.

«Wir sind keine Verbrecher»

Grossrat Christoph Riner, Schütze und ehemaliger Kantonalfähnrich, sprach der Tagung in Döttingen aus dem Herzen. «Diese Waffenrichtlinie ist eine Zwängerei. Die Verschärfung bringt unserem Land keinerlei zusätzliche Sicherheit.» Riner prangerte die EU an, ein beim Beitritt zum Schengen-Abkommen abgegebenes Versprechen zu brechen. «Wir dürfen uns jetzt nicht provozieren lassen. Schützen sind Menschen wie du und ich; Schiessen ist ein generationenverbindender Sport», hielt der Grossrat fest.

Nicht minder engagiert votierte SVP-Nationalrätin Sylvia Flückiger für ein Nein am 19. Mai. «Wenn wir diese Abstimmung nicht gewinnen, haben wir unsere Freiheit im Schiesswesen verloren.» Das Schiessen gehöre zur Schweiz wie Schwingen, Hornussen und Jodeln. Die Politikerin aus Schöftland sagte, sie habe genug von den ständigen Drohungen der EU. «Das ist die falsche Art der Terrorbekämpfung, wir Schützen sind keine Verbrecher.» Die drohende Schengen-Kündigung sei eine Erpressung. Aber soweit werde es auch bei einem Nein nicht kommen.

Grosse Angst löst bei den Schützen der Verschärfungsmechanismus der EU-Waffenrichtlinie aus. «Davon wären alle Waffengattungen betroffen. Auch deshalb müssen wir dagegen kämpfen. Bei einer Annahme würde eine grosse Schweizer Tradition zu Ende gehen.», argumentierte Flückiger. Der Schiesssportverband unterstützt die nationale Kampagne gegen das sogenannte «Entwaffnungsdiktat der EU» mit grossem Einsatz. Vorstandsmitglied Jürg Weber berichtete über die geplante Plakat-

aktion im ganzen Kanton und appellierte: «Wir erwarten den Einsatz von allen Schützen. Wir wollen uns unsere Sturmgewehre nicht verbieten lassen.»

Statutenänderung verschoben

Trotz des Kampfes gegen die Waffenrechtsverschärfung entschloss sich der Vorstand, die traktandierte Statutenanpassung zu verschieben. Vorgesehen war ursprünglich, den Artikel zu Zweck und Ziel des Schiesssportverbandes mit dem Zusatz zu ergänzen, der Verband setze sich explizit für ein liberales Waffenrecht ein.

Der Aargauer Sportminister Alex Hürzeler sprach in einer Grussadresse von der Faszination des Schiesssportes. «Konzentration, Präzision, Fitness und eine ruhige Hand sind wichtige Elemente, um ins Schwarze zu treffen», dozierte der Regierungsrat. Aber auch Übung, Leidenschaft und Biss seien erforderlich für gute Resultate. Er forderte die Schützen auf, zum Schiesswesen Sorge zu tragen. Hingegen vermied Hürzeler ein Votum zur Waffenrichtlinien-Abstimmung. «Der Gesamtregierungsrat sagte Ja. Das will ich nicht weiter kommentieren.»

Eine Wahlempfehlung vermied auch Divisionär Hans Peter Walser. Seine Worte fielen aber eindeutig aus. Er forderte die Schützen auf, für Sicherheit und Freiheit einzustehen. «Wehrhaftigkeit, Freiheit, Selbstständigkeit, Stabilität: Solche Werte bringen die Schweiz weiter.» Dafür müsse jeder Bürger die Verantwortung übernehmen.