Tag der Arbeit

«Schon wieder wird eine Krise auf Buckel der kleinen Leute gelöst» – Aargauer 1.-Mai-Ansprachen im Video

Nationalrat Cédric Wermuth spricht in seiner Video-Grussbotschaft.

Nationalrat Cédric Wermuth spricht in seiner Video-Grussbotschaft.

Grossanlässe und Demonstrationen sind auch am 1. Mai nicht möglich. Daher wenden sich Gewerkschafter und Politiker wie Lelia Hunziker, Irène Kälin, Mia Jenni oder Cédric Wermuth, mit Videobotschaften an die Bevölkerung.

In einer gestenreichen Youtube-Ansprache zum Tag der Arbeit lobte SP-Nationalrat Cédric Wermuth die Errungenschaften der Linken und der Gewerkschaften. Man habe mit der Ausweitung der Kurzarbeit und der Absicherung von lohnabhängigen Menschen sehr viel erreicht. Dennoch mahnte er: «Es kann nicht sein, dass schon wieder eine Krise auf dem Buckel der kleinen Leute gelöst wird.»

Wermuth kritisierte zudem Firmen, die Millionen-Dividenden auszahlen würden und gleichzeitig staatliche Hilfe bekämen. Zudem weigere er sich von dieser Krise als Chance zu sprechen, solange noch Menschen auf Intensivstationen um ihr Leben kämpften. 

Laut Wermuth könne man nun die Folgen des globalen Kapitalismus und des neoliberalen Denkens sehen. So hätten hunderte Milliarden der Pharmaindustrie nicht ausgereicht, um das Land auf eine Pandemie vorzubereiten, weil sich damit kein Geld verdienen lasse.

Zuletzt habe Corona bewiesen, so Wermuth, dass nun noch entschiedener für Massnahmen gegen den Klimawandel gekämpft werden müsse.

Die ganze Grussbotschaft von Cédric Wermuth im Video.

«Angestellte werden ausgepresst»

Die SP-Grossrätin und VPOD-Präsidentin Lelia Hunziker kritisierte in ihrer Videobotschaft fest, dass der Staat in den letzten Jahren systematisch geschwächt und kaputtgespart wurde. So seien beispielsweise Lager aufgelöst worden, Steuern wurden gesenkt und Spitäler privatisiert. «Die Sozialhilfe wurde bis zum Geht-nicht-mehr amputiert», so Hunziker. «Die Angestellten in der Bildung und im Sozial- und Gesundheitswesen wurden ausgepresst wie Zitronen.» Dann aber sei der Virus gekommen und diese seien plötzlich die «Helden der Arbeit».

Dass nun Wirtschaftskapitäne etwa über bedingungsloses Grundeinkommen diskutierten, liesse sie von einer schönen, solidarischen Welt träumen. Dennoch betonte Hunziker: «Träumen ist gut, aber kämpfen ist besser.»

Die Videobotschaft von Lelia Hunziker, VPOD-Präsidentin und SP-Grossrätin.

Kälin fordert faire Löhne

«Normalerweise wären wir heute auf der Strasse, an Demos und Kundgebungen», sagte Irène Kälin, Präsidentin ArbeitAargau, Nationalrätin Grüne in ihrem Video. Aber heute gebe es keine Normalität. 

Dennoch sei gerade heute der Tag der Arbeitnehmenden. Diese hätten in den letzten Wochen unglaubliches geleistet, so Kälin. Sie danke allen, die in diesen Tagen die Grundversorgung sicherstellen. «Wegen euch kann die Gesellschaft weiter funktionieren.» 

Irène Kälin mahnte aber auch: «Ein Danke allein genügt nicht.» Daher kämpfe sie für faire und bessere Löhne in den Berufen, deren Systemrelevanz sich nun in der Krise zeige. 

Die Botschaft von Grünen-Nationalrätin Irene Kälin, Präsidentin ArbeitAargau.

«Sie leben in der Hölle»

Mia Jenni, Geschäftsleitungsmitglied Juso Schweiz und SP-Einwohnerrätin in Obersiggenthal, kritisierte in ihrer Ansprache zunächst die Schweizer Medienlandschaft. So würde es dort heissen, dass nun der Moment gekommen sei, der alles ändern könnte, und endlich klar sei was Solidarität und Nächstenliebe bedeute. Diese Aussagen seien laut Jenni wichtig und zutiefst «arrogant».

Von dieser «Pseudo-Balkon-Klatsch-Solidarität» habe aber niemand etwas, so Jenni, am wenigsten die Geflüchteten in Griechenland. «Sie leben in der Hölle und sie leben in Europa.»

Jenni warnte, die bisherigen Krisen seien nur ein «zahmes Vorspiel» für die Herausforderungen, die mit der Klimakatastrophe noch kämen. Diese Krise mache aber sichtbar, was die Linke schon lang wisse: «Eine Wirtschaft und eine Gesellschaft, die sich nach Profit und nicht nach den Bedürfnissen der Menschen richtet, beutet nur aus.»

Das Video der Obersiggenthaler Einwohnerrätin Mia Jenni.

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