Schon wieder Wahlen! Vor zwei Jahren Nationalratswahlen, vor einem Jahr Gross- und Regierungsratswahlen, letzten September in Städten wie Aarau, Baden und Brugg Stadtratswahlen – und diesen Sonntag also nochmals. Ausgerechnet jetzt Stimmmüdigkeit zu zeigen, wäre falsch, vielleicht sogar fatal.

Wir wagen die Behauptung: Die Stimmbürger in den grossen Aargauer Städten und in zahlreichen kleineren Gemeinden fällen dieses Wochenende die wichtigsten Entscheide seit Jahren. Zumindest betreffen sie diese direkter als manch kantonaler und nationaler Urnengang.

Ob der Stadtammann seine Sache gut macht, spüren Bürgerinnen und Bürger unmittelbarer in ihrer Strasse, ihrem Quartier, ihrer Stadt, als ob ein Exekutivmitglied beim Kanton oder in Bundesbern die richtige Wahl ist. Umgekehrt fällt ein lokaler Problemfall auch negativ schneller ins Gewicht und kann eine Stadt richtiggehend lähmen. Die Badener können ein Lied davon singen.

Kommunale Wahlen sind oft auch wohltuend unideologisch, weil es mehr um Persönlichkeiten als um Parteiprogramme geht. Das macht die Wahlen spannender und unberechenbarer.
So kann es gut sein, dass kleine Details und wenige Stimmen den Ausschlag geben, ob die Bürgerlichen das wichtigste Amt in den zwei grössten Aargauer Städten zurückerobern oder die Linken umgekehrt weiterhin fast überall das Sagen haben. Die einzelnen Stimmbürger haben es in der Hand, die politische Zukunft ihrer Stadt nicht einem Zufallsmehr zu überlassen. «Jede Stimme zählt» ist an diesem Super-Wahlsonntag definitiv mehr als eine Polit-Phrase.