Fricktal
Schon über 10'000 Fische mussten vor der Hitze gerettet werden

Die Fische leiden unter den hohen Temperaturen – die ersten mussten in der Sissle umgesiedelt werden, um sie vor dem Tod zu bewahren.

Manuel Bühlmann
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Durch den elektrischen Schlag werden sie kurz betäubt, wenn sie auf dem Rücken an der Wasseroberfläche treiben, können sie mit Netzen aus dem Bach geholt werden. (Archivbild)

Durch den elektrischen Schlag werden sie kurz betäubt, wenn sie auf dem Rücken an der Wasseroberfläche treiben, können sie mit Netzen aus dem Bach geholt werden. (Archivbild)

Solothurner Zeitung

Die Hitzewelle reisst nicht ab, heizt Bäche, Flüsse und Seen auf. Was Badigäste freut, kann für Fische lebensgefährlich werden. Die Gewässer führen weniger Wasser, die Temperatur steigt, der Sauerstoffgehalt sinkt. Im Hitzesommer 2003 verendeten im Aargau Tausende Fische, in 21 Flüssen war die Lage kritisch, zahlreiche Tiere mussten umgesiedelt werden.

Nun klettern die Luft- und Wassertemperaturen wieder in die Höhe – und bedrohen die Fische erneut. Besonders prekär ist die Lage an der Sissle. Am Donnerstag mussten dort die ersten Alet, Elritze, Schmerlen und Forellen gerettet werden. «Wir haben über 10'000 Fische rausgenommen», sagt Kurt Wunderlin, der als Fischereiaufseher zuständig für den Nordwesten des Kantons ist. Der Wasserstand war derart tief, dass der Sauerstoffgehalt auf ein lebensbedrohlich tiefes Niveau gesunken war. Am frühen Morgen rückten Wunderlin und fünf Helfer aus, um auf einer 500 Meter langen Strecke die Tiere abzufischen und in der Rheinmündung auszusetzen.

Sie seien gerade noch rechtzeitig gekommen, sagt Wunderlin. Die Rettungsaktion war die erste diesen Sommer. Dauert die Hitze- und Dürreperiode an, dürfte sie nicht die letzte gewesen sein. «Wenn es so weitergeht, kämen wir nicht mehr nach mit Retten. Dann wird es zu einem Fass ohne Boden.»

«Hoffen und beten»

Die Aargauer Fischer beobachten die Folgen der Hitzewelle ebenfalls mit Besorgnis. «Die Situation ist kritisch», sagt Hans Brauchli, Präsident des Aargauischen Fischereiverbands. Ändere sich die Wetterlage nicht, könne es zur Katastrophe kommen. Dagegen unternehmen liesse sich nicht viel: «Derzeit können wir nur hoffen und beten, dass es kühler wird und der Regen kommt.»

Auch David Bittner von der Sektion Jagd und Fischerei des Kantons Aargau spricht davon, dass ihnen ein Stück weit die Hände gebunden seien. «Bleibt es trocken und heiss, kann es zu Fischsterben kommen.» Das gehöre auch ein wenig zum Lauf der Natur. Die Notabfischung sei eine Option, komme aber erst infrage, wenn die Tiere sich in sogenannten Fischfallen befinden. Denn für Fische sei die Massnahme mit grossem Stress verbunden.

Gefischt wird mithilfe eines Elektrogeräts: Durch den elektrischen Schlag werden sie kurz betäubt, wenn sie auf dem Rücken an der Wasseroberfläche treiben, können sie mit Netzen aus dem Bach geholt werden. «Weil die Fische durch die Hitze ohnehin gestresst sind, müssen wir das möglichst schonend und früh am Morgen machen», sagt Kurt Wunderlin.

Bislang war eine solche Rettungsaktion erst in der Sissle am Hochrhein nötig. Ob sich die Lage bald in weiteren Bächen und Flüssen zuspitzt, lässt sich noch nicht abschätzen. Prognosen seien schwierig, sagt Bittner.