Ein Buch mit über tausend Seiten. Jörg Meier (-jm-) macht weiter. Tausendsiebenhundertfünfzig Zeichen pro Tag, zehntausendfünfhundert die Woche, eine halbe Million pro Jahr. -jm- der Fliessbandschreiber? «Nein», sagt er. «Für mich ist das Verfassen meiner Kolumne nach wie vor extrem herausfordernd, lustvoll und spannend.»

Und zwischendurch auch belastend, wenn die zündende Idee auf sich warten lässt? «Das war es am Anfang. Ich meinte, stets fünf bis sechs Geschichten auf Vorrat haben zu müssen.» Inzwischen vertraut er dem neuen Tag und den Geschichten, die er mit sich bringt. «Es ist immer etwas für mich dabei. Seit ich keinen Vorrat mehr habe, schlafe ich ruhiger, so paradox das klingt.»

Schreiben ist das Privileg der Journalisten

Tag für Tag das schreiben zu dürfen, was man will, ist ein Privileg, das nur wenigen Journalisten vergönnt ist. Warum Jörg Meier? «Ich habe die Idee in die Redaktion eingebracht, und man hat sie gutgeheissen. Jetzt darf ich das machen, was ich am liebsten mache, seit ich Journalist bin: Menschen lieben Geschichten. Ich darf den Leuten im Aargau Geschichten erzählen. Jeden Tag eine neue.» Er sei dankbar für dieses Privileg und wisse es zu schätzen.

Viele sehen hinter Meiers Meiereien System. Die SVP vermutet eine Verschwörung. Auch die FDP glaubt, -jm- habe es nur auf sie abgesehen, und die CVP sowieso. Auch die SP fühlt sich permanent verschaukelt. In Schwaderloch wird behauptet, Meier hasse das Fricktal und wolle die Kleinstgemeinden von der Aargauer Karte schreiben. Die Regierung traut sich nicht mehr in corpore an einen Spatenstich, und von Verleger Peter Wanner wird gemunkelt, wenn er ins Telli-Medienzentrum komme, salutiere er als Erstes von seinem Porsche aus durch das Bürofenster vor Kolumnist Meier.

Wer ist Polderhorn nun wirklich?

Macht der Name Mächtig, oder hat Jörg Meier sich wachsenden Einfluss erschrieben? Und wer ist Polderhorn nun wirklich? «Ausgewogene Geschichten sind langweilig. Ich will aber keine langweiligen Geschichten. Klar sind die Meiereien politisch. Das Leben ist es auch. Meine Kolumne ist nicht links und nicht rechts. Sie ist so wie die Geschichte des jeweiligen Tages.» Und die, sagt Meier, habe er nicht im Griff. Wie Polderhorn: «Der kommt und geht, wie er will.»

Reaktionen auf die Meiereien gibt es täglich. Positive und negative. Nach «Büsi und drunder» gab es 450 Mails, darunter ein paar bitterböse. «Viele Leute schreiben nicht einfach Mails, sie schreiben mir Geschichten. Das freut mich immer sehr. Wie sie Cervelats essen oder Brunsli backen. Zum Beispiel. Von Letzteren habe ich auf Weihnachten über zwei Kilo erhalten.» Brunsli gibt es nicht am Freitag, 28. September, 20Uhr in der Kulturbeiz Wohlen. Dafür Musik, Lesungen aus Meiers neustem Buch «Meiereien» und andere Geschichten.