Freiamt
Schon 800 Anmeldungen für Trauer-Korso: Verkehrschaos ist vorprogrammiert

Tuningfan Pascal Willi gründete eine Facebook-Gruppe, weil er dem verstorbenen Schauspieler Paul Walker eine gemeinsame Trauerfahrt durchs Freiamt widmen wollte. Inzwischen wächst ihm die Aktion über den Kopf: 800 Leute sind schon angemeldet.

Angelo Zambelli
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Die Kleber mit Geburts- und Todesjahr von Paul Walker werden vor der Trauerfahrt verkauft. Thomas Marty

Die Kleber mit Geburts- und Todesjahr von Paul Walker werden vor der Trauerfahrt verkauft. Thomas Marty

Thomas Marty

Autofahrer sind gut beraten, am Sonntag die Strassen zwischen Wohlen und dem Birrfeld zu meiden: Die Schweizer Tuningszene ruft auf Facebook zu einer Trauerfahrt für den Ende November tödlich verunglückten amerikanischen Schauspieler und Regisseur Paul Walker auf.

Bis Freitagnachmittag gingen beim 22-jährigen Organisator Pascal Willi aus Hilfikon rund 800 Zusagen ein. Selbst wenn – wie von Willi angeregt – Fahrgemeinschaften der Walker-Fans aus der ganzen Schweiz gebildet werden, bedeutet das immer noch eine Armada von 500 Autos. Gerechnet hat Willi ursprünglich mit 30 bis 50 Fahrzeugen.

Trauerfahrt mit 40 Stundenkilometer

Als Treffpunkt für die Trauerfahrt dient der Schützenhausplatz an der Anglikerstrasse in Wohlen. «Im Industriegebiet und auf dem Schützenhausplatz stehen uns rund 2000 Parkplätze zur Verfügung», sagt Organisator Willi. Ab 12.30 Uhr soll die Fahrt im 40-Stundenkilometer-Tempo und mit Trauerflor an den Rückspiegeln über Waltenschwil, Fischbach-Göslikon, Niederwil, Nesselnbach, Tägerig, Hägglingen, Mägenwil, Brunegg und Birr zum grossen Parkplatz beim Seebli-Center in Lupfig gehen, wo der grosse Parkplatz und Landwirtschaftsland zum Abstellen der Fahrzeuge genutzt wird.

«Von 800 Autos war nie die Rede»

«Alle Kreuzungen und Kreisel werden von freiwilligen Helfern abgesperrt, was mit der Polizei geregelt ist», posteten die Organisatoren am Freitagmittag auf Facebook. Davon will die Regionalpolizei Wohlen nichts wissen: «Eingewilligt haben wir für eine Gruppe von 10 bis 20 Fahrzeugen», sagt Peter Christen, stellvertretender Chef der Regionalpolizei. Von 500 oder mehr Fahrzeugen sei nie die Rede gewesen.

Dass die Fahrt nicht wie ursprünglich geplant in einem geschlossenen Konvoi erfolgen kann, hat Organisator Willi inzwischen eingesehen. Die neuste Facebook-Order lautet: «Wir haben die Auflage der Kantonspolizei, den Verkehr fliessend zu halten und fahren deshalb neu in 20er-Gruppen zum Seeblicenter.»

Wichtig ist dem Organisator, einen positiven Eindruck zu hinterlassen: «Das ist eine Trauerfahrt und kein Tuningtreffen. Wir erwarten, dass Burnouts (durchdrehende Räder), hupen und unnötiges Gas geben unterlassen werden.»

Bewilligung liegt vor

Inzwischen wächst den Organisatoren die Sache über den Kopf: 500 bis 600 Autos konfliktfrei über Kreuzungen und Kreisel über eine knapp 30 Kilometer lange Route zu führen, ist ein schwieriges Unterfangen.

Die Organisatoren haben eine Bewilligung von der Kantonspolizei erhalten. Laut Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau, handelt es sich um eine kurzfristig erlassene Bewilligung mit verschiedenen Auflagen wie etwa, dass die Verkehrsregeln eingehalten werden müssen und dass die Autos in Blöcken von höchstens 20 Fahrzeugen fahren müssen.

Auch die Regionalpolizeien Wohlen und Brugg sind in ihren Gebieten im Einsatz, namentlich an den Versammlungsorten. Die Gemeinde Lupfig hat ausserdem ihre Einwilligung zur Belegung des Seebli-Parkplatzes und die Befahrung gewisser Flurwege erteilt.

Allerdings: Derartige Aktionen würden bei der Polizei keine Freude auslösen, sagt Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aagau. «Über Facebook wird eine Idee in die Welt gesetzt, ohne dass man sich über die Folgen Gedanken macht. Sind die Initianten überfordert, muss die Polizei eingreifen und die Probleme lösen. Und für die Kosten muss die Allgemeinheit aufkommen.»

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