Blutrünstig war er. Und skrupellos. Ein Wildtier nach dem anderen erlegte er. Doch dann erschien dem Jäger ein Hirsch – auf seinem Geweih ein Kruzifix. Fortan an achtete er die Tiere, schwor der masslosen Jagd ab, lebte als Einsiedler in der Natur.

Die Geschichte des Hubertus, Schutzpatron der Jagd, wirkt bis heute nach: Am 3. November ist Gedenktag, der auch im Aargau gefeiert wird. Hubertusmessen finden im ganzen Kanton statt – am Sonntag etwa in Vordemwald. Ein populärer und andächtiger Brauch, wie Erich Schmid, Geschäftsführer des Aargauischen Jagdschutzvereins, sagt.

«Die Kirchen sind voll, Jäger und Nichtjäger schätzen die Messe.» Das bestätigt auch Marcel Notter, Generalsekretär der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau und selber Jäger sowie Jagdhornspieler. «Die Hubertusmessen ziehen auch Leute an, die sonst nicht zu Gottesdiensten kommen würden.»

Uniformen und ausgestopfte Tiere

Die Kirche wird oft mit Tannenzweigen, Geweihen oder ausgestopften Tieren geschmückt, die Jäger erscheinen in festlicher Uniform, die Jagdhornbläser spielen. «Eine schöne Tradition», sagt Notter. Jäger seien nicht speziell religiös, aber sie würden Bräuche wie diesen pflegen und schätzen. Und auch Erich Schmid sagt: «Jäger sind grundsätzlich Traditionalisten und die Hubertusmesse ist eine Tradition, die wir gerne zelebrieren.»

Doch die Feier ist nicht unumstritten. Für «eine Art Folklore» hält Sara Wehrli vom Schweizer Tierschutz die Hubertusmesse. «Ich kann verstehen, dass der Brauch befremdlich wirken kann.» Im katholischen Pfarrblatt «Horizonte» kritisiert Anton Rotzetter «diese Form der kirchlichen Überhöhung der Jagd».

Auf Nachfrage spricht der Kapuziner und Präsident der Aktion Kirche und Tiere von einem «Missbrauch des Religiösen». Bei den Hubertusmessen gehe es um die Verherrlichung eines Hobbys. «Wieso soll die Kirche dazu benutzt werden?», fragt Rotzetter. Er fordert, man müsse sich von dieser Tradition verabschieden.

Noch schärfer fällt die Kritik von Peter Suter aus. Der Präsident des «Vereins zum Schutz der bedrohten Wildtiere» hat im Aargau schon mehrere Antijagd-Initiativen lanciert. Er sagt: «Die Hubertusmessen sind ein unzeitgemässer Blödsinn.» Er habe Mühe mit diesem Theater, das nichts mit Religion zu tun habe. «Dabei wird die Jagd verherrlicht, das ist sicher nicht die Aufgabe der Kirche.»

«Ehrerbietung an Gott»

Bei den Jägern nimmt man die Kritik gelassen. Marcel Notter sagt, er könne die Jagd gut mit seinem Glauben vereinbaren – «sofern den Tieren mit Respekt begegnet wird». Er erinnert daran, dass nur ein Drittel des konsumierten Wilds aus der Schweiz stamme, die Mehrheit müsse aus dem Ausland und Zuchtbetrieben bezogen werden. «Die Tiere, die wir erlegen, konnten ein schönes Leben in freier Natur verbringen.» Die Hubertusmessen sieht er als Ehrerbietung an Gott für seine Schöpfung.

Auch Erich Schmid vom Aargauischen Jagdschutzverein ist der Meinung, die Kirche könne gut zur Jagd stehen. «Wir müssen zwar Tiere töten, aber wir tun es, ohne Leiden zuzufügen – zum Schutz der Natur. Dabei sind wir froh um die Gunst des Schöpfers und des Schutzpatrons.»