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Schock-Video der Polizei – brillant oder wirkungslos?

Der 24-jährige Jonas ist total in sein Handy vertieft, als er von einem Auto angefahren wird. Diese Szene aus einem neuen Präventionsvideo der Lausanner Polizei gibt zu reden. Das sagen Werber und Jugendliche dazu.

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Die Augen auf dem Handy-Display, die Stöpsel in den Ohren – wer so unterwegs ist, bewegt sich quasi im Blindflug.

Wie gefährlich das sein kann, zeigt ein neues, recht makabres Präventions-Video der Lausanner Polizei (wir berichteten). Vor laufener Kamera wird der 24-jährige Jonas von einem Auto angefahren. Zurück bleiben schreiende Passanten.

«Jonas hat keine Erfahrungen mit Magie und doch wird er gleich vor euren Augen verschwinden», kommentiert der Sprecher die Szene.

Werbe-Profi: «Respekt»

Kult-Werber Frank Baumann hat dafür nur Lob übrig. «Ich bin überrascht – es gibt nicht viele solche Beispiele, die so nahe an den Jugendlichen, so nahe an der Zielgruppe dran sind», sagt er zu Tele M1. «Respekt.»

1100 Unfälle wegen Unaufmerksamkeit

Im Jahr 2013 wurden in der Schweiz 1100 Personen wegen Unaufmerksamkeit im Strassenverkehr schwer oder tödlich verletzt.

Gemäss einer Befragung der Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu aus dem Jahr 2012 gaben zwei Drittel der Befragten an, zu telefonieren oder Musik zu hören, wenn sie zu Fuss unterwegs sind.

Dieses Verhalten ist vor allem bei den 15- bis 29-Jährigen verbreitet.

«Wie Selbstmordattentäter»

Werber Baumann ist der Meinung, dass es ein solch schockierendes Video braucht, um die Smartphone-Junkies aufzurütteln: «Wenn man sieht, wie die mit ihrem Handy in der Hand auf der Strasse spazieren wie Selbstmordattentäter, dann muss man das.»

«Das bringt doch einen Scheiss»

Die Zielgruppe selbst hingegen ist gespalten, wie die Strassenumfrage von Tele M1 zeigt. «Ich denke schon, dass das etwas bringt», sagt eine junge Frau. «Das verbreitet sich ja auch schnell im Netz, weil alle am Handy hängen.»

Ein junger Mann ist da anderer Meinung: «Am Ende bringt dieses Video genau einen Scheiss», sagt er ehrlich. «Man schaut dieses Video und fünf Minuten später hat man es doch gleich wieder vergessen.»

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