Seit 2004 gibt es nur noch einen Anbieter von Fernverkehrszügen in der Schweiz: die SBB. Das soll sich nun ändern: Die zwei grossen Normalspur-Privatbahnen (BLS und SOB) bemühen sich um Konzessionen für den Betrieb von Linien. Sie wollen bis im September beim Bund entsprechende Gesuche einreichen.

Aus Aargauer Sicht besonders interessant sind die Pläne der BLS. Sie wurden am Mittwoch vorgestellt. Die BLS gehört zu 56 Prozent dem Kanton Bern. Sie erwirtschaftete letztes Jahr bei einem Umsatz von 1,035 Milliarden Franken einen Reingewinn von 15,6 Millionen Franken. Heute betreibt sie vor allem ein Netz von S-Bahn-Verbindungen. Zudem ist sie innovativer Player im Bahngüterverkehr.

Direkt nach den SBB-Intercity

Jetzt strebt die BLS eine Expansion im Bereich ihrer Regionalexpress-Linien an. In diesem Bereich ist kein Geld zu verdienen. Darum möchte die BLS auch wieder rentable Fernverkehrszüge betreiben können (wie sie das bis 2004 gemacht hat).

Konkret die Linien Interlaken–Basel, Interlaken–St. Gallen und Brig–Romanshorn. «Von den drei Linien wird nur Interlaken–Basel bereits von den SBB betrieben», erklärte BLS-Direktor Bernard Guillelmon dem «Bund».

«Interlaken–St. Gallen und Brig–Romanshorn mit Halt in Aarau gibt es heute in dieser Form gar nicht.» Auf die Frage, ob es denn genügend Kapazitäten für das neue Angebot gebe, sagte Guillelmon: «Unsere Züge sollen direkt nach den Intercity-Zügen der SBB über die Neubaustrecke Bern–Zürich fahren.

Mit uns werden nicht Kunden fahren, die so schnell wie möglich von Bern nach Zürich wollen, sondern Kunden, die zum Beispiel von Brig nach Zürich-Flughafen wollen – ohne umzusteigen.» Dafür nehmen sie auch die paar Minuten Reizezeit-Verlängerung in Kauf, die der Halt in Aarau verursachen würde.

Leidgeprüfte Aarauer

Das BLS-Konzept ist aus Aargauer Sicht wie ein Befreiungsschlag: Vor Jahrzehnten kämpfte die Kantonshauptstadt für den Halt der Intercity – vergeblich.

Dann gab es mehrere Verschlechterungen im Fahrplan. Häufig verbunden mit Komforteinbussen. So gibt es heute kaum mehr umsteigefreie Verbindungen Richtung Ostschweiz, was vor allem für die koffertragenden Flughafen-Reisenden ärgerlich ist.

2013 hat der Planungsverband der Region Aarau (PRA) letztmals versucht, politisch Druck zu machen für bessere Bahnverbindungen. Mittels einer Petition und einer vorsorglichen Einsprache gegen den Eppenbergtunnel, der heute im Bau ist. Das Echo war enttäuschend. «Die SBB machen wenig Hoffnung auf mehr Schnellzüge», titelte damals die az.

Zwischenzeitlich gibt es zwar gewisse Zusagen in den Hauptverkehrszeiten (siehe Box unten), doch gehen diese wesentlich weniger weit als das Konzept der BLS – und sie werden frühestens 2025 realisiert.

Konzessionsgesuch im Herbst

Die BLS will schneller vorankommen – auch wenn sie keine konkreten Realisierungszeitpunkte nennt. Zu abhängig ist sie vom Bundesamt für Verkehr (BAV), das dem Departement von Doris Leuthard angehört.

Der Auftritt der BLS-Exponenten mit Verwaltungsratspräsident Rudolf Stämpfli, dem ehemaligen Vorsitzenden des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, an der Spitze zeigt, dass es den Bernern ernst ist. Schliesslich geht es für sie auch um eine bessere Anbindung der Tourismusregionen Berner Oberland und Wallis ans Mittelland – und insbesondere an den Flughafen Zürich.

«Derzeit stimmt die BLS ihr Konzept in enger Zusammenarbeit mit den betroffenen Kantonen ab und erarbeitet anschliessend ein Konzessionsgesuch, das bis Anfang September 2017 beim BAV eingereicht werden muss», heisst es in einer Medienmitteilung.

Der Bahnexperte der Zeitung «Bund» ist optimistisch: Wenn nicht alles täusche, würden spätestens 2020 im Zürcher Flughafenbahnhof neben SBB- auch BLS-Züge aufkreuzen. 

Das sagen Aaraguer Politiker zu den Ausbauplänen der BLS: