Ab dem kommenden Sommer wird die aargauische Südbahn von Aarau via Wohlen nach Arth-Goldau «ihrer Bestimmung mindestens vorübergehend gerecht». Das schreibt Reto Widmer von der öV-Kommission der Freiämter Regionalplanungsverbände in einer Mitteilung. Eine Bahnfahrt Aarau–Mailand in weniger als vier Stunden, eine solche von Lenzburg nach Bellinzona in 113 Minuten, eine von Muri nach Bellinzona in gut anderthalb Stunden – das wird ab dem 9. Juni 2019 Realität. Ausgelöst werden die besseren Verbindungen durch eine Streckensperrung. Was absurd klingt, bringt für den Aargau anderthalb Jahre lang Vorteile. Ab Sommer 2019 bis Ende 2020 wird die Strecke Zug–Walchwil–Arth-Goldau wegen Bauarbeiten vollständig gesperrt. Dafür wird der Bahnhof Rotkreuz «zum Abfahrtsportal Richtung Neat, Gotthard-Bergstrecke, Tessin und Italien aufgewertet», schreibt Widmer.

Dank dem Direktanschluss ergeben sich kürzere Reisezeiten und tiefere Fahrtkosten, zudem müssen die Passagiere weniger oft umsteigen. Auch im nächsten Jahr gibt es im Freiamt keinen Schnellzugshalt. Doch ab Juni bietet die heutige S26 in Rotkreuz zu den Stosszeiten halbstündlich gute Anschlüsse Richtung Süden. Zusätzlich verkehren die S26-Züge zwischen Aarau und Lenzburg neu nonstop, was vier Minuten Zeitgewinn bringt. Ab Brugg beträgt die Ersparnis via Birrfeld–Lenzburg–Südbahn statt via Zürich noch 15 Minuten. Auch ab Basel, Liestal und Sissach ergeben sich schnelle Verbindungen ins Tessin über Lenzburg–Rotkreuz.

Aargau diesmal Hauptprofiteur

Für viele Fahrten aus dem Aargau verringert sich die Zahl der Umsteigevorgänge, da nur noch in Rotkreuz umgestiegen werden muss – Arth-Goldau fällt in den meisten Fällen weg. Die heute beträchtlichen Umwege über Zürich oder Olten–Luzern sind nicht mehr nötig, was auch das Portemonnaie zu spüren bekommt. So kostet das Retourbillett Aarau-Tessin via Freiamt pro erwachsene Person satte 26 Franken weniger als über Zürich, die Reise Brugg–Lenzburg–Rotkreuz–Tessin retour schlägt mit 14 Franken weniger pro Person zu Buche als via Zürich.

Reto Widmer hält fest: «Der Aargau, dessen Befürworter der damaligen Bahn-2000-Volksabstimmung immer noch auf einige angepriesene Verheissungen warten, darf sich für einmal zu den Hauptgewinnern zählen.» Er geht davon aus, dass die Passagierzahlen mit den besseren Verbindungen markant steigen werden. «Dies dürfte die Bestätigung bringen, dass das Potenzial aus den einwohnerreichen Zubringerräumen gross genug ist, um auch ab dem Jahr 2021 eine regelmässige, attraktive Verbindung zwischen Rotkreuz und dem Süden aufrechtzuerhalten.»

Aufruf an Bahnreisende

Wie sich die Fahrgastzahlen auf dieser Strecke ab kommendem Juni im Vergleich zu heute entwickeln, wird mithilfe eines speziellen Monitorings der SBB beobachtet. «Steigen die Zahlen erkennbar an, so drängt sich ab 2021, wenn die Zürcher Gotthardzüge wieder via Walchwil verkehren, zwingend eine attraktive Anschlusslösung für Reisende ab dem Aargau auf», findet Widmer. Die öV-Kommission der Freiämter Regionalplanungsverbände setzt sich seit vielen Jahren für eine Aufwertung der Südbahnlinie Aarau– Arth-Goldau mit einem gewissen Fernverkehrsangebot ein. «Wir werden uns mit den Vertretern von Zug West engagieren, dass ab 2021 eine Anschluss- lösung mit mindestens zwei Wochenend-Schnellzügen zu den Stosszeiten eingerichtet werden kann, mit schlankem Anschluss in Arth-Goldau auf die Süd-Züge», kündigt Widmer an. Dazu habe der Kanton Aargau bereits Diskussionsbereitschaft signalisiert.

Schon seit einiger Zeit im Raum steht laut Widmer «die breit abgestützte Forderung nach dem Halt des Interregios ‹Gotthard-Weekender› in Wohlen», für den die Abteilung SBB Fernverkehr zuständig ist. Zudem stehe die Kommission zusammen mit dem Kanton konsequent für einen Halt der künftigen Südostbahn-Züge Basel–Luzern– Gotthard–Lugano in Rotkreuz ein.

Wie die Anschlusslösung ab 2021 aussehen werde, hängt laut Widmer entscheidend davon ab, wie stark die die Aargauerinnen und Aargauer «zusammen mit ihren Familien, Schulen und Vereinen ab dem 9. Juni 2019 das neue, tolle Bahnangebot nutzen.