Verkehr

Schneechaos auf Aargaus Strassen: Hilft ein Fahrverbot für Lastwagen?

Ein Lastwagen steckt im Schnee fest (Symbolbild)

Ein Lastwagen steckt im Schnee fest (Symbolbild)

Obwohl die Wetterprognosen eindeutig und die Warnungen der Polizei klar waren, kommt es im Aargau vermehrt zu Unfällen. An der Staffelegg blieb zum wiederholten Mal ein Lastwagen stecken – nun gibt es Forderungen nach einem Fahrverbot für den Schwerverkehr.

Schon am Sonntag hatte die Kantonspolizei Aargau auf Facebook gewarnt: Aufgrund der neuesten Informationen bezüglich Schneefall und Eisglätte sei am Montagmorgen «mit erschwerten Bedingungen auf den Aargauer Strassen» zu rechnen, hiess es. Weiter empfahl die Polizei, die Geschwindigkeit anzupassen, nur mit wintertauglicher Ausrüstung auf die Strasse zu gehen, genug Abstand zu halten und mehr Zeit für den Arbeitsweg einzuplanen.

Doch vor allem im Schwerverkehr kommt diese Botschaft offenbar nicht immer an. Bereits zum dritten Mal diesen Winter kam es auf der Staffelegg-Passstrasse zum Chaos. Ein belgischer Lastwagen mit Sommerpneus war in der Steigung steckengeblieben, wie Polizeisprecher Roland Pfister auf Anfrage sagt.

45 Unfälle wegen Schneechaos

45 Unfälle wegen Schneechaos

Wegen Neuschnee kam es am Morgen alleine im Aargau und in Solothurn zu 45 Unfällen. Verletzt wurden zum Glück nur 3 Personen.

Vor allem ausländische Chauffeure

AZ-Leser Othmar Kamm aus Schafisheim ärgert sich: «Es ist immer dasselbe, dabei wäre es doch so einfach, die Staffelegg einfach für den Schwerverkehr zu sperren, wenn es Schnee hat.» Er fahre selber ein 7,5-Tonnen-Wohnmobil, und wenn nur wenig Schnee liege, meide er die Staffelegg und fahre stattdessen über die Autobahn. «Man könnte doch einfach elektronische Tafeln aufstellen und ein Lastwagenfahrverbot signalisieren, wenn die Strassenverhältnisse zu schlecht sind», schlägt er vor. Kamm sagt, er sei oft in Deutschland unterwegs und habe solche Tafeln dort schon gesehen.

Dominik Studer, Leiter Unterhalt Kantonsstrassen beim Baudepartement, sagt auf Anfrage: «Ich weiss nicht, wie die rechtliche Situation aussieht und ob dies auf der Staffeleggstrasse zulässig wäre.» Der Kanton habe auf der Staffelegg eine Glatteis-Messanlage mit Kamera installiert, die Verantwortlichen müssten also nicht ausrücken, um die Verhältnisse vor Ort beurteilen zu können. «Sollte eine elektronische Signalisation für ein Lastwagenfahrverbot zum Thema werden, müsste man sie wohl mit diesem System koppeln», sagt Studer. Er hält aber fest, in den letzten Jahren sei es eher selten zu Problemen auf der Staffelegg gekommen.

Dass diesen Winter gleich dreimal Lastwagen die Strecke blockierten, sei nicht der Normalfall. «Es sind ausländische Chauffeure, die einfach ihrem Navigationsgerät folgen und den kürzesten Weg fahren, um bei der Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe zu sparen.» Die einheimischen und ortskundigen Camionneure würden die Strecke bei Schnee meiden.

TCS hat alle Hände voll zu tun

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Der Schnee am Montag sorgte für ein Verkehrschaos. Deshalb steht der TCS im Dauereinsatz. Wie ein solcher Einsatz aussieht, sehen Sie im Video.

100 Schneeräumer im Einsatz

Studer sagt, gestern Montag habe der Schneefall erst um 5.30 Uhr eingesetzt. «Wenn Glatteis droht, können wir präventiv salzen, wenn es heftig schneit, ist das nicht möglich und die Räumung braucht eine gewisse Zeit.» Gestern Montag habe der Strassenunterhaltsdienst im ganzen Kanton einen flächendeckenden Einsatz geleistet. Aufgeboten wurden rund 50 eigene Mitarbeiter, dazu kamen 40 zusätzliche private Fahrer für Schneepflüge. Für die knapp 1200 Kilometer Kantonsstrassen im Aargau gibt es laut Studer einen Prioritätenplan.

«Die Staffelegg steht auf dem Routenplan ganz oben, weil sie ein wichtiger Übergang ist», sagt der Unterhaltschef. Gleich zwei Räumfahrzeuge, die in Küttigen stationiert sind, waren am Montag im Einsatz, zudem habe man noch einen zusätzlichen Räumer mit einem kleineren Schneepflug aufgeboten. «Es gibt im Aargau einige Übergänge, die topografisch ähnlich heikel sind wie die Staffelegg», erklärt Studer. Von der Steigung her kritisch sei das benachbarte Benkerjoch, dort ist der Schwerverkehrsanteil aber viel kleiner.

Wichtig ist für den kantonalen Strassenunterhalt auch die Räumung jener Strecken, die für den öffentlichen Verkehr von Bedeutung sind. Schnee sei insbesondere für Gelenkbusse ein Problem, die bei glatten Strassen kaum noch verkehren könnten. Grundsätzlich sind Studers Mitarbeiter für die Räumung der Kantonsstrassen verantwortlich, dies auch innerorts. Trottoirs und Gemeindestrassen räumen lokale Bauamtsmitarbeiter, auf den Autobahnen im Aargau ist die Nationalstrassen Nordwestschweiz AG tätig.

Auch Autofahrer überfordert

Nicht nur LkW-Fahrer auch bei weitem nicht alle Autofahrer im Aargau nahmen sich die Winter-Tipps der Polizei zu Herzen, gestern Montag kam es im ganzen Kantonsgebiet zu rund 30 Unfällen. «In den meisten Fällen kamen Verkehrsteilnehmer bei schneebedeckten Strassen von der Fahrbahn ab und verursachten Selbstunfälle», schreibt die Kantonspolizei in einer Mitteilung. In den Bezirken Brugg und Zurzach passierten die meisten Unfälle. In Villigen kam ein 23-jähriger Autofahrer von der Strasse ab und landete in einer Böschung. Der Mann zog sich Verletzungen zu und musste ins Spital gebracht werden. Verletzt wurde auch eine 29-Jährige in Berikon, nachdem sie von einem Auto angefahren wurde.

Auf der Strecke von Ehrendingen nach Baden kam der Verkehr zum Erliegen. Die Autos stauten sich bis ins Surbtal zurück. Kurz vor acht Uhr kam es zu aussergewöhnlichen Szenen: Dutzende Passagiere eines Busses stiegen in Ehrendingen aus und machten sich zu Fuss bergabwärts auf den Weg nach Baden. Mehrere weitere Strassenabschnitte wurden gestern vorübergehend gesperrt. Feuerwehren leiteten den Verkehr örtlich um.

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