Wahlen AG 2019

Schnappt die EVP der BDP den Nationalratssitz weg?

Die EVP und BDP vereint. Wem das Vorteile bringen wird, ist ungewiss. Hier: Roland Basler (BDP), Bernhard Guhl (BDP), LIlian Studer (EVP) und Roland Frauchiger (EVP).

Die EVP und BDP vereint. Wem das Vorteile bringen wird, ist ungewiss. Hier: Roland Basler (BDP), Bernhard Guhl (BDP), LIlian Studer (EVP) und Roland Frauchiger (EVP).

Die stabile EVP könnte von der Listenverbindung mit der BDP profitieren, falls diese, wie prognostiziert, deutlich einbüsst.

Die EVP und die BDP spannen nicht zum ersten Mal für einen Wahlkampf zusammen. Vor vier Jahren gingen sie bereits eine Listenverbindung ein, damals noch als Teil einer Mitte-Verbindung inklusive der GLP. Letztere geht dieses Mal mit der CVP in den Wahlkampf. Der BDP gelang es 2015 noch, ihren Nationalratssitz zu halten.

Seither hat sich das Klima verändert und die BDP hat bei kantonalen Wahlen Wähleranteil eingebüsst. Laut SRG-Wahlbarometer von Anfang September setzt sich dieser Trend fort, die BDP würde demnach am 20. Oktober national 1,5 Prozentpunkte an Wähleranteil verlieren. Im Aargau würde das bedeuten, dass sie nur noch auf 3,6 Punkte kommt und den Sitz aus eigener Kraft sicher nicht halten könnte.

Die EVP gilt hingegen seit Jahrzehnten als stabil. Das Wahlbarometer sagt einen minimen Verlust von 0,3 Prozentpunkten voraus, was kaum ins Gewicht fällt. Vor vier Jahren holte die Evangelische Volkspartei im Aargau 3,34 Prozentpunkte, zusammen würden die zwei Mitteparteien demnach immer noch auf die für einen Sitz nötigen sechs Prozent kommen.

Anders als vor vier Jahren könnte der Unterschied zwischen EVP und BDP dieses Mal minim ausfallen. Deshalb ist eine Prognose dazu, wer von der Listenverbindung profitieren und den Sitz in Bern holen wird, schwierig. Unsicher ist weiter, inwiefern die Unterlisten den Mutterparteien helfen können. Doch auch hier unterscheiden sich EVP und BDP nicht wesentlich voneinander: Beide stellen sowohl eine volle Liste ihrer jeweiligen Jungpartei als auch eine dritte Liste – bei der BDP heisst diese simpel «Dritte Liste», bei der EVP ist es die Liste «EVPplus».

Zwei Ständeratskandidaturen als Zugpferde

Bisherige haben es in der Regel einfacher, gewählt zu werden. Die BDP hat deshalb mit Nationalrat Bernhard Guhl, der wieder antritt, einen kleinen Vorsprung. Guhl ist seit 2011 im Nationalrat und jetzt auf Listenplatz 1 der BDP-Hauptliste. Ist das Listenverbindungsglück der BDP hold, so stehen Guhls Chancen auf weitere vier Jahre im nationalen Parlament gut. Kronfavoritin für den Sitz bei der EVP ist die Wettinger Grossrätin Lilian Studer. Sie erreichte bei den Wahlen 2015 das mit grossem Abstand beste Ergebnis der EVP. Aber: BDP-Mann Bernhard Guhl liess Studer dennoch deutlich hinter sich und kam mit gut 24 000 auf 7000 Stimmen mehr.

Sowohl Lilian Studer als auch Bernhard Guhl waren bei den Wahlen 2015 zusätzlich die Ständeratskandidierenden ihrer Parteien und damit Zugpferde für die Nationalratswahlen. Beide Kandidaturen waren zwar erfolglos, Guhl machte auf Studer aber nur zirka 200 Stimmen gut. Jetzt treten beide Parteien mit ihrer jeweiligen Nummer 2 der Hauptliste für das Stöckli an. Bei der BDP ist das Maya Bally, bei der EVP Roland Frauchiger. Grossrätin Maya Bally wurde durch ihre Kandidatur bei der Regierungsratswahl 2016 bekannt, dort lag sie im zweiten Wahlgang jedoch deutlich hinter den Kandidatinnen von SVP und SP zurück. Der Thalheimer Grossrat Frauchiger hat diese Erfahrung bisher nicht gemacht.

Die BDP ist minim rechts, die EVP minim links

In der Positionierung sind sich BDP und EVP sehr ähnlich. Beide politisieren in der Mitte – mit kleinem Ausschlag nach rechts (BDP) oder links (EVP). Die EVP nennt als Grundlage für ihren Einsatz das Evangelium. In gesellschaftspolitischen Fragen nimmt sie entsprechend eine konservative Haltung ein: Die Ehe zwischen Mann und Frau soll privilegiert bleiben, die Ehe für alle wird abgelehnt, ebenso wie Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare, Abtreibung oder Sterbehilfe. Auf der anderen Seite stimmt die EVP in Umweltthemen häufig gleich wie die linken Parteien und die GLP. Sie will die Klimaziele verschärfen, spricht sich für Lenkungsabgaben und die Förderung der erneuerbaren Energien aus.

Der Wahlslogan der BDP im Aargau lautet «Langweilig, aber gut». Das Parteiprogramm ist entsprechend unaufgeregt. Dass die BDP leicht nach rechts ausschert, liegt an der konservativen Haltung in der Justiz: BDPler unterstützen ein strenges Rechtssystem und eine strikte Ausländerpolitik eher als ihre Kolleginnen und Kollegen von der EVP. Auch im Umweltschutz steht die BDP rechts der EVP, die Zustimmung zur Förderung erneuerbarer Energien ist bei beiden zwar ähnlich hoch, die EVP spricht sich aber beispielsweise klarer für die Initiative gegen Massentierhaltung aus. Dafür ist die BDP in der Gesellschaftspolitik, speziell in der Familienpolitik, deutlich liberaler.

Meistgesehen

Artboard 1