Das Drama passierte vor einer Woche. Im Haus der Familie Christen findet Mutter Susanne Blut auf dem Fussboden. Sie folgt der Spur bis ins Zimmer des Sohnes und stösst auf Katze «Böni», die seelenruhig unter dem Bett döst. Dabei bietet sich der Mutter einen furchtbaren Anblick: Der Bauch des 12-jährigen Vierbeiners war aufgeschlitzt. Sofort versucht Susanne, ihre Tochter Jenny (25) zu erreichen, die in Spreitenbach lebt.

«Leider konnte ich nicht ans Telefon gehen», sagt Jenny. Sie erfuhr erst am Mittag von der Verletzung der geliebten Katze. «Meine Mutter sagte mir, dass der Schnitt zehn Zentimeter lang war. Man konnte sogar die Innereien sehen», erzählt sie.

Katze aufgeschlitzt

Katze aufgeschlitzt

In Neuenhof hat ein Unbekannter einer Katze den Bauch aufgeschlitzt. Es ist ein Wunder, dass sie überlebt hat.

Saubere Schnittwunde

Daraufhin bringt Susanne Christen «Böni» am Samstagmorgen in die Tierklinik nach Regensdorf. Dort wird sie noch am Nachmittag notfallmässig operiert und bleibt für zwei Tage in der Klinik.

Als die beiden Frauen ihr geliebtes Haustier nach Neuenhof zurückholen möchten, folgt der nächste Schock: «Die behandelnde Ärztin erklärte uns, dass die Verletzung von ‹Böni› aussergewöhnlich ist. Der Schnitt sei sehr sauber gewesen», sagt Jenny.

Der schlimme Verdacht der Katzenliebhaberin: Jemand muss «Böni» verletzt haben. Sie holt sich eine Zweitmeinung bei der selbstständigen Tierärztin Gaby Meier ein. Die Vermutung bestätigt sich.

«Böni ist eine schüchterne Katze»

Meier erklärt auf Anfrage: «Da war eindeutig ein Messer im Spiel. Der Schnitt ist zu sauber, als dass sich ‹Böni› diese Verletzung selber zutrug.» Jenny kann es nicht fassen. Sie sagt: «Jemand muss sehr skrupellos vorgegangen sein und die Katze gepackt haben.»

Denn «Böni» sei sehr schüchtern und würde sich von fremden Menschen fernhalten. Für die Familie, die insgesamt drei Katzen hält, ist es ein Drama. Die Haustiere sind oft draussen, doch sei bis jetzt noch nie etwas passiert, wie Jenny sagt.

Erinnerungen an Wettingen

Der Vorfall erinnert an den Tierquäler von Wettingen, der im letzten Winter den Vierjährigen-Kater Cesar seinem Besitzer ohne Kopf und Schwanz vor die Garage legte.

«Mir kam sofort diese Tat in den Sinn. Wenn ich daran denke, dass ‹Böni› nun auch Opfer eines Verbrechens wurde, läuft es mir kalt den Rücken runter», sagt Jenny. Die Familie lässt die zwei anderen Katzen nach wie vor nach draussen. Es sei aber schon ein beklemmendes Gefühl, wenn einer der Vierbeiner die Wohnung verlässt, so Jenny.

Mutter erstattet Anzeige

Für die Familie ist es ein Rätsel, wer eine solche Tat begehen könnte. «Wir haben aus unserem Quartier mit niemandem Streit», sagt Jenny. Die Mutter erstattete am Mittwoch bei der Kantonspolizei Aargau Anzeige gegen Unbekannt, wie Bernhard Graser, Medienchef der Kantonspolizei bestätigte.

«Wir müssen nun den Abschlussbericht der Tierklinik abwarten. Wenn sich der Verdacht bestätigen würde, werden wir entsprechende Ermittlungen aufnehmen», sagt Graser.

«Böni» hat sich von der Verletzung gut erholt. Zwei Schläuche und eine Narbe erinnern an die schreckliche Tat vor einer Woche. «Es scheint, als freue sie sich, wieder zu Hause zu sein», sagt Jenny. Noch muss «Böni» aber in einem separaten Raum bleiben. Die Infektionsgefahr für die übrigen Katzen ist noch zu gross.