Schulreform

Schliessung von Aargauer Berufsschulen: Jetzt wehrt sich auch Zofingen

Herbert H. Scholl (FDP) überreicht Bildungsdirektor Alex Hürzeler die Motion für den Erhalt der Zofinger Berufsschule. bkr

Herbert H. Scholl (FDP) überreicht Bildungsdirektor Alex Hürzeler die Motion für den Erhalt der Zofinger Berufsschule. bkr

Noch ist nicht offiziell bekannt, wie die Berufsschullandschaft Aargau künftig aussehen wird. Nach dem Fricktal wehrt sich nun auch die Region Zofingen präventiv für den Erhalt ihrer Berufsfachschulen.

Noch hüllt sich der Regierungsrat in Schweigen. Noch ist nicht offiziell bekannt, wie die Berufsschullandschaft Aargau künftig aussehen wird. Welche Standorte bleiben, welche Schulen geschlossen werden. Inoffiziell sind aber einige Informationen durchgesickert. So soll die Zahl der KV-Standorte von sieben auf drei reduziert werden.

Zudem soll der gleiche Beruf höchstens noch an zwei gewerblich-industriellen Berufsfachschulen angeboten werden. Diese Schaffung von Kompetenzzentren bedeutet im Klartext, dass einige Standorte geschlossen werden sollen. Besonders betroffen sind die Schulen in den Randregionen Zofingen, Fricktal und Freiamt. Dafür werden die grossen Schulen in Aarau, Lenzburg und Baden wohl noch grösser.

Widersinnig – aus Zofinger Sicht

Es verwundert wenig, dass dieses Szenario in den betroffenen Regionen auf heftigen Widerstand stösst, auch wenn im Detail noch gar nicht entschieden ist, wie einschneidend die Reform ausfallen wird. Nachdem die Fricktaler bereits ein Postulat im Grossen Rat eingereicht haben, das sich für den Weiterbestand der Berufsschulen in Rheinfelden einsetzt, haben nun die Grossrätinnen und Grossräte aus dem Bezirk Zofingen nachgedoppelt und eine Motion verfasst, die erklärt, warum es fahrlässig wäre, den Standort Zofingen auszubluten oder gar teilweise zu schliessen. Der akribisch recherchierte Vorstoss umfasst neun Seiten und wurde verfasst von Sabina Freiermuth (FDP) und Herbert H. Scholl (FDP).

Grundsätzlich halten die Motionäre fest, dass das Bildungszentrum Zofingen als Campus mit KV, Berufsfach- und Kantonsschule sowie einer höheren Fachschule eine einzigartige Institution im Aargau sei. Dass nun Zofingen das KV, die Berufsmatur und den Bereich Maschinenbau verlieren soll, wollen die Motionäre nicht einfach hinnehmen. Denn mit diesem Verlust würde die Berufsfachschule Zofingen auch eine ihrer grossen Stärken verlieren: die Vernetzung der kaufmännischen Ausbildung mit Industrie und dem Gewerbe, die Verzahnung mit der Informatik und den Bereich der permanenten Weiterbildung. Die Motion kommt deshalb zum Schluss, dass die geplanten kantonalen Eingriffe an der Berufsfachschule Zofingen zu wenig differenziert oder gar nicht notwendig seien. Vielmehr gefährdeten sie die Zukunft der Schule. Das Ziel der Regierung, durch die Reform zwischen zwei und fünf Millionen Franken pro Jahr einzusparen, könne anders besser erreicht werden, wobei auch der Campus Zofingen bereit sei, sich anzupassen.

Die Konzentration der Berufsbildung auf die Achse Aarau-Lenzburg-Baden widerspreche dem Raumkonzept Aargau, das Kernstädte und Regionalzentren als Standorte zentraler Einrichtungen definiere. Zudem müssten die grossen Schulen mit noch mehr Schülern neuen Schulraum bauen, währenddem in Zofingen leere und teure Schulräume zurückblieben, kritisieren die Zofinger Grossrätin in ihrem Vorstoss.

Zofingen statt Lenzburg

Nicht zufrieden sind die Motionäre mit der in Aussicht gestellten Kompensation. Zofingen soll 434 Lernende abgeben (Maschinenbau und KV) und dafür 484 Lernende aus dem Bereich «Unterhalt» erhalten. Doch da diese Lernenden nur einen Schultag pro Woche haben, Maschinenbauer und KV-Lernende hingegen zwei, geht auch dieser Tausch nicht auf. Eine faire Kompensation wären in diesem Fall mindestens 750 Lernende mit einem Schultag, argumentieren die Motionäre.

Einverstanden sind die Zofinger Politiker damit, dass im Maschinenbau infolge der gesunkenen Lernendenzahlen eine Reduktion von drei auf zwei Berufsfachschulen erfolgt. Denn das bringt eine jährliche Einsparung von mindestens einer Million Franken.

Allerdings schlagen die Zofinger vor, dass nicht Zofingen die Lernenden abgibt, sondern Lenzburg. Die Begründung tönt überzeugend, auch wenn man sie in Lenzburg nicht gerne hören wird: Baden und Lenzburg liegen nahe beieinander, daher wäre im Kanton der Regionen eine Aufteilung auf Baden und Zofingen zweckmässiger.

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