Kommentar
Schlechte Pisa-Resultate: Setzt bei der Realschule an!

Die Realschule hat grosse Probleme. Die Hälfte aller Schüler sind sogenannte Risiko-Schüler. Bildungsdirektor Alex Hürzeler möchte aber den Fokus vor allem auf die leistungsstarken Jugendlichen legen. Ein Kommentar.

Hans Fahrländer
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Die Hälfte aller Realschüler sind sogenannte Risiko-Schüler. (Symbolbild)

Die Hälfte aller Realschüler sind sogenannte Risiko-Schüler. (Symbolbild)

Keystone

Pisa liefert nur Resultate, keine Ursachen. Warum sind die Leistungen der Aargauer Abschlussklässler schlechter geworden, wenig im Vergleich zu 2009, unangenehm viel im Vergleich zu 2003? Weil es keine Gewissheit über die Gründe gibt, bleibt viel Spielraum für Interpretation und Spekulation.

Bildungsdirektor Alex Hürzeler möchte den Fokus vor allem auf die leistungsstarken Jugendlichen legen. Das ist nicht falsch. Die Begabtenförderung fristet an der Volksschule eher ein Schattendasein. Es wäre falsch, bei dieser Gruppe zu sparen (das Sparpaket sieht Abstriche vor, allerdings nur im marginalen Bereich).

Kommentar von Hans Fahrländer

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Aargauer Zeitung

Doch Alarm gibt es vor allem am anderen Ende des Leistungsspektrums: Der Aargau hat von allen untersuchten Kantonen am meisten – sagen wir es unverblümt: Schulversager.

Das führt uns auf dem direkten Weg in die Realschule (Zürich: Sek C). Sie hat grosse Probleme. Sie ist eine «Restschule». Nur 20 Prozent aller Oberstufen-Absolventen besuchen sie. Die Hälfte davon sind sogenannte Risiko-Schüler.

Seit im Rahmen der integrativen Schulung auch ehemalige Kleinklässler die Realschule bevölkern, ist es noch schwieriger geworden. Alt-Bildungsdirektor Rainer Huber wollte die Realschule mit dem «Bildungskleeblatt» verbreitern, auf 33 Prozent der Gesamtheit, damit bessere Schüler die schlechteren anspornen und mitziehen.

In der Realschule wirken auch besonders viele Lehrpersonen mit nicht stufengerechter Qualifikation (man war ja so froh, dass jede Klasse einen Lehrer hat). Irgendjemand muss irgendwann die Realschule zum Thema machen.