Jura Cement
Schlecht informiert: Steinbruch-Pläne von Jura Cement lösen Staunen aus

Die betroffenen Gemeinden wussten bis kurz vor der Medienorientierung nichts von der Reduktion auf zwei mögliche Standorte. Veltheim und Auenstein sind enttäuscht über die mangelnde Kommunikation von Seiten der Firma Jura Cement.

Urs Moser
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Jura Cement AG

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Wo soll die Jura Cement Wildegg in Zukunft den Rohstoff für die Zementproduktion herholen? Eine seit Jahren hängige und unbeantwortete Frage. Dass nun plötzlich der Standort Bäumer/Gisliflue für einen neuen Steinbruch favorisiert wird, den die Regierung überhaupt erst ins Spiel brachte, nachdem die Evaluation an den anderen möglichen Standorten faktisch seit Jahren blockiert war (die az berichtete), stösst in der Region erwartungsgemäss auf wenig Begeisterung.

Für die IG Gisliflue ist ohnehin klar: An der Schutzwürdigkeit des Naherholungsraums im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung hat sich nichts geändert. Die IG wird sich weiter «mit allen legalen Mitteln dafür einsetzen, dass die Gisliflue in ihrer natürlichen Form erhalten bleibt», wie es in ihrem Leitbild festgeschrieben ist.

Die Gemeinden Auenstein, Oberflachs und Veltheim machten schon 2011, als der Standort Bäumer/Gisli-flue als Vororientierung in den Richtplan aufgenommen wurde, zurückhaltender darauf aufmerksam, dass es sich «um ein Gebiet mit erheblichem Konfliktpotenzial handelt». Man erinnerte daran, dass die Regierung früher das Gebiet schon einmal aus einer Grobplanung gestrichen habe, weil sie damals den Schutz so markanter Aargauer Hügelzüge als wichtiger eingestuft habe.

Kritik an Informationspolitik

«Der Kanton macht keine weiteren Schritte, bevor die Anhörung der Gemeinden beendet ist», versicherte Baudirektor Stephan Attiger am Donnerstag. Für Gemeindeammann Peter Feller aus Oberflachs klingt das nicht sehr beruhigend. Dass die Standorte Homberg am Bözberg und Hard ob Thalheim aus dem Rennen genommen werden und nur noch die Gisliflue und der Grund bei Schinznach-Dorf ohne Probebohrungen weiterverfolgt werden sollen, davon sei in den Gesprächen der Begleitgruppe keine Rede gewesen. Man sei erst unmittelbar vor der Medienorientierung darüber ins Bild gesetzt worden.

«Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt», kritisiert Feller. Wie die Reaktionen in seiner Gemeinde ausfallen werden, sei schwer abzuschätzen. Der Tenor sei heute sicher negativ. Peter Feller räumt aber ein: Von den technischen Voraussetzungen her sei der geplante Standort in unmittelbarer Nähe des heutigen Abbaugebietes natürlich geeignet. «Als Unternehmer würde ich auch darauf setzen.»

«Sehr erstaunt über Entwicklung»

Ein Riesenloch in seinem Hausberg? Für Auensteins Vizeammann Peter Anderau eine unhaltbare Vorstellung. Man sei «sehr erstaunt und überrascht» über die Entwicklung mit der Reduktion auf zwei mögliche Abbaugebiete, die nun natürlich das Gebiet Bäumer noch stärker ins Zentrum rücke. Der Gemeinderat sei aber klar der Meinung, dass dieses Gebiet in seiner heutigen Form erhalten bleiben müsse und nicht für den Abbau genutzt werden dürfe. Von den Erweiterungsplänen am bestehenden Standort habe man zwar schon früher gesprochen, aber nicht in diesem Ausmass. Auch das werde «sicher zu Widerstand führen».

Ulrich Salm, Gemeindeammann von Veltheim, ist ebenfalls enttäuscht, dass die Gemeindebehörden nicht früher und umfassender informiert wurden als die breite Öffentlichkeit. Dass man jahrelang um Probebohrungen gerungen habe und das jetzt nicht mehr relevant sein solle, habe ihn schon erstaunt. Die vorgesehene Erweiterung des Abbaus am
bestehenden Steinbruch-Standort sei «nicht problemlos». Man sei aber offen für Gespräche und habe bisher immer ein gutes Einvernehmen mit der Jura Cement AG gehabt.

Was einen neuen Steinbruch an der Gisliflue betrifft, so «hat das noch einmal eine ganz andere Qualität, das sehen wir sicher noch kritischer». Es müsse zumindest garantiert sein, so Ulrich Salm, dass die beiden noch im Rennen stehenden Standorte an der Gisliflue und bei Schinznach-Dorf auch wirklich gleich ernsthaft untersucht würden.