Wahlen 2016
Schlammschlacht auf Facebook: FDP-Kandidat Geissmann giftelt gegen Parteikollege Attiger

FDP-Grossratskandidat Armin Geissmann kritisiert den eigenen Baudirektor Stephan Attiger als verantwortungslos, weil dieser Giftschlamm aus dem Klingnauer Stausee in den Rhein einleiten will. Attiger kontert und sagt, der Schlamm werde die Wasserqualität des Rheins nicht verändern.

Fabian Hägler
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Armin Geissmann (links) über Regierungsrat Stephan Attiger: «Welcher Regierungsrat will dem Nachbarn den Giftmüll so überlassen? Das ist eine Frechheit, so verantwortungslos zu agieren.»

Armin Geissmann (links) über Regierungsrat Stephan Attiger: «Welcher Regierungsrat will dem Nachbarn den Giftmüll so überlassen? Das ist eine Frechheit, so verantwortungslos zu agieren.»

zvg

«Das geht gar nicht, den Rhein mit vergifteten Sedimenten zu belasten.» Das schreibt Armin Geissmann, FDP-Grossratskandidat aus Wohlen, auf Facebook zum az-Artikel über die Pläne des Kantons, giftigen Schlamm aus dem Klingnauer Stausee zu baggern und in den Rhein einzuleiten.

Geissmann weist darauf hin, dass Rheinwasser in Holland aufbereitet und getrunken werde. Und er legt nach: «Welcher Regierungsrat will dem Nachbarn den Giftmüll so überlassen? Das ist eine Frechheit, so verantwortungslos zu agieren.»

Baudirektor Stephan Attiger, ein Freisinniger wie Geissmann, entgegnet auf Anfrage: «Auf den ersten Blick und in Unkenntnis der Materie mag dieser Eindruck entstehen, es ist aber genau das Gegenteil der Fall.»

Das erste Projekt sah vor, rund 40 000 Kubikmeter ausgebaggerten Schlamm in den Rhein zu leiten. Beim heutigen, massiv verbesserten Projekt, entspreche die Schadstoffkonzentration im Material, das in den Fluss zurückgelangt, der natürlichen Hintergrundbelastung. «Dadurch wird sich die Wasserqualität des Rheins nicht verändern», hält Attiger fest.

Geissmann lässt sich derweil nicht von der Kritik an seinem Parteikollegen abhalten. «Bei einer solchen Frage spielt es für mich absolut keine Rolle, ob der zuständige Regierungsrat aus der gleichen Partei kommt wie ich, hier geht es einzig ums Prinzip.»

Es könne nicht sein, dass der Aargau als Verursacher des Problems mit dem giftigen Schlamm versuche, dieses auf Kosten der Staaten weiter unten am Rhein zu lösen. «Ich habe mit Stephan Attiger bisher nicht über dieses Thema gesprochen, aber für mich ist klar: So geht das nicht», sagt der Wohler.

Geissmann, in seiner Freizeit ein begeisterter Fischer, geht noch weiter. «Sollte ich in den Grossen Rat gewählt werden, werde ich mich mit aller Kraft gegen dieses Projekt einsetzen.» Er befürchtet, wenn die Schlammeinleitung in den Rhein genehmigt werde, könnten künftig auch belastete Ablagerungen aus anderen Stauseen im Aargau auf diese Weise entsorgt werden.

«Man kann den Schlamm auch verbrennen, das kostet nicht mehr», schreibt Geissmann auf Facebook weiter. Dies relativiert er auf Nachfrage: «Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass Zementproduzenten den Schlamm abnehmen würden, wie heute schon Klärschlamm.»

Der kantonale Projektleiter Patrick Rötheli sagt, auch die Variante der Verbrennung sei angeschaut worden. Die Zementindustrie stelle aber Mindestanforderungen punkto brennbares Material und Trocknungsgrad.

Diesen Anforderungen würden laut Rötheli «nach längerem Entwässerungsprozess nur wenige Sedimentabschnitte genügen». Zudem hätten die Offerten für eine Verbrennung höhere Kosten ergeben als jene für die Entsorgung der stark belasteten Sedimente in einer Deponie.