Bundesgericht
Schein-Adoption: Aargauer Ehepaar darf Neffen aus Kosovo nicht herholen

Ein Schweizer Ehepaar aus dem Aargau adoptierte 2012 im Kosovo einen fast 16-jährigen Neffen – und wollte ihn wenige Monate später per Familiennachzug in die Schweiz holen. Doch die Behörden liessen das dem Paar nicht durchgehen.

Philipp Zimmermann
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Jugendliche im Kosovo: Ein heute 18-Jähriger darf nicht in die Schweiz, weil er rechtsmissbräuchlich adoptiert wurde. (Symbolbild)

Jugendliche im Kosovo: Ein heute 18-Jähriger darf nicht in die Schweiz, weil er rechtsmissbräuchlich adoptiert wurde. (Symbolbild)

Keystone

Grundsätzlich können Eltern ein adoptiertes Kind unter 18 Jahren per Familiennachzug in die Schweiz holen. Es gibt aber eine Ausnahme: Die Adoption darf nicht rechtsmissbräuchlich sein. Das heisst: Sie darf nicht vorgenommen werden, nur um Bestimmungen des Ausländerrechts zu umgehen, also um jemanden so zur Niederlassungsbewilligung in der Schweiz zu verhelfen.

Genau dies hat ein Schweizer Ehepaar versucht. Es adoptierte im Mai 2012 den fast 16-jährigen Neffen des Mannes. Im September stellte das Paar dann das Gesuch, den Adoptivsohn aus dem Kosovo in die Schweiz nachzuziehen. Doch das Amt für Migration und Integration des Kantons Aargau lehnte das Gesuch im April 2013 ab.

Gang vor die Gerichte

Das Ehepaar gab nicht auf. Doch seine Beschwerden wurden erst vom Verwaltungsgericht und auch vom Bundesgericht abgewiesen. Letzteres spricht von einer sogenannten «Umgehungsadoption».

Es hält in seiner Argumentation fest, dass das Verwaltungsgericht überzeugend dargelegt habe, «dass nicht die Zusammenführung der Gesamtfamilie in der Schweiz im Vordergrund» stehe. Vielmehr sei davon auszugehen, «dass dem Adoptivsohn eine bessere Ausgangslage für seine Zukunft verschafft werden soll».

Das Bundesgericht begründet dies vor dem Hintergrund, dass der Adoptivsohn im Kosovo in einer intakten Familie aufwuchs, zusammen mit seinen leiblichen Eltern und Geschwistern. Inzwischen sei er fast volljährig und stehe vor der Matura.

Auch wenn seine Adoptiveltern ihn finanziell unterstützen und besuchen, und auch wenn er während eines Asylverfahrens rund zwei Jahre in der Schweiz mit seiner leiblichen Mutter gelebt hatte, so sei es «nicht glaubwürdig, dass eine ähnlich starke Bindung wie zu seinen leiblichen Eltern besteht», so das Bundesgericht.

Die Adoptiveltern müssen vor dem Bundesgericht damit nicht nur eine Niederlage hinnehmen. Sie haben auch die Gerichtskosten von 2000 Franken zu bezahlen.