Ständeratswahlen
Schafft es Bruderer im 1. Wahlgang? – Beste Chancen für Müller und Knecht

Acht Kandidatinnen und Kandidaten kämpfen am 18. Oktober um die beiden begehrten Aargauer Ständeratssitze. Prognostiker sehen nebst Pascale Bruderer beste Chancen für Philipp Müller und Hansjörg Knecht.

Mathias Küng
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Wer holt Christine Egerszegis frei werdenden Sitz?

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az/key

Am 18. Oktober kämpfen – Stand jetzt – acht Kandidatinnen und Kandidaten um die beiden begehrten Aargauer Ständeratssitze. Effektiv Chancen haben die bisherige Ständerätin Pascale Bruderer (SP) und die Nationalräte Hansjörg Knecht (SVP), Philipp Müller (FDP) sowie Ruth Humbel (CVP).

Für Irène Kälin (Grüne), Beat Flach (GLP), Bernhard Guhl (BDP) und Lilian Studer (EVP) ist die Kandidatur aber eine hervorragende Möglichkeit, die eigene Partei und sich selbst mit Blick auf die Nationalratswahlen zusätzlich zu präsentieren. Doch wer macht das Ständeratsrennen?

Die «Aargauer Zeitung» brachte letzte Woche eine Parteienstärke-Wahlprognose der drei Prognostiker Urs Haeny, Max Knecht und Stephan Müller. Alle drei hatten früher selbst politische Mandate inne.

Einer von ihnen, Urs Haeny aus Oberwil-Lieli, berät derzeit FDP-Kandidat Thierry Burkart. Er verzichtet auf eine Ständeratswahlprognose. Knecht war Grossratspräsident und 1975 und 1979 erster Ersatz auf der CVP-Nationalratsliste.

Damals packte es ihn. Seit 1975 erstellt er akribische Wahlprognosen. Er wie Stephan Müller aus Aarau, der vor rund zehn Jahren für die Gruppierung «Jetzt» im Aarauer Einwohnerrat sass, haben schon früher Prognosen erstellt. Hier beurteilen sie die Chancen der Vertreter der fünf Regierungsparteien.

Max Knecht erwartet, dass es Pascale Bruderer, die schon 2011 im ersten Wahlgang gewählt worden ist, als Bisherige wieder im 1. Wahlgang schafft. Knecht zur «Schweiz am Sonntag»: «Bei einem absoluten Mehr von rund 90 000 Stimmen wird kein zweiter Kandidat im ersten Wahlgang gewählt. Philipp Müller (FDP) und Hansjörg Knecht (SVP) werden sich um den zweiten Platz bemühen: «Dabei scheint mir der FDP-Kandidat als schweizerischer Parteipräsident und mit dem Zürcher Bonus im Vorteil.»

Ruth Humbel sieht er an vierter, Irène Kälin an fünfter Stelle. Nicht ausgeschlossen ist für Knecht aber, dass die Grüne Partei einen grösseren Teil der bei den Ständeratswahlen 2011 von Geri Müller erhaltenen knapp 29 000 Stimmen verliert und der BDP-Kandidat Bernhard Guhl zu seinen fast 23 000 Nationalratsstimmen so viel zulegt, dass er die Grünen in der Ständeratswahl überholt.

Und was geschieht im zweiten Wahlgang? Max Knecht blickt erst auf 2011 zurück. Damals hat die Kandidatin der FDP, Christine Egerszegi (die 2015 nicht mehr antritt) 3000 Stimmen zugelegt, während SVP-Kandidat Ueli Giezendanner 10 400 Stimmen verloren hat. Auf 2015 übertragen, müsste man annehmen, so Knecht, «dass Philipp Müller zulegt und Gegenkandidat Hansjörg Knecht überrundet». Er lässt aber noch ein Türchen offen, denn: «Nicht ganz übersehen darf man, dass die Stimmen der SP im zweiten Wahlgang zur Verfügung stehen und überraschend der CVP-Kandidatin Ruth Humbel zufliegen könnten.»

Stephan Müller gibt zu bedenken, dass hier der Wahlkampf effektiv eine Rolle spielt. Auch wird von Bedeutung sein, ob SP und Grüne implizit oder explizit gegenseitig ihre Kandidaturen unterstützen. Für den Fall, dass sie explizit zusammenspannen – wofür einiges spricht –, sieht Müller im ersten Wahlgang folgende Reihenfolge: Pascale Bruderer, Hansjörg Knecht, Philipp Müller, Irène Kälin und dann erst Ruth Humbel. Sollten SP/Grüne nicht zusammenspannen, sieht Müller eine leicht andere Reihenfolge: Bruderer, Knecht, Müller, Humbel, Kälin. Laut Prognostiker Müller ist Philipp Müller «am ehesten für eine (positive) Überraschung gut, indem er Knecht doch überholt oder nur knapp hinter ihm ist».

Und wie geht es im zweiten Wahlgang weiter? Das sei schwierig, so Müller, sind Ständeratswahlen doch Majorz-, also Persönlichkeitswahlen. Davon ausgehend, dass Bruderer es wieder im ersten Wahlgang schafft, wird entscheidend sein, wer im zweiten Wahlgang noch antritt. Stephan Müller: «Ist es Müller gegen Knecht? Oder Müller gegen Knecht gegen Humbel? Oder Müller gegen Knecht gegen Humbel gegen Kälin?»

Je nach Anzahl verbleibender Kandidaten, und ob Bruderer noch im zweiten Wahlgang teilnehmen muss oder nicht, dürften nach Müllers Erwartung «die linken Wähler im zweiten Wahlgang durchaus eine Kampfwahl erheblich mitentscheiden». Da komme es wohl sehr auch auf den Wahlkampf an, ob sich die linken Stimmen enthalten, wenn Bruderer schon gewählt ist, oder wie sie sich auf die Personen aufteilen, die dann noch antreten.

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