SBB: Auch Politik ist in der Pflicht

Mathias Küng
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Diverse vom Aargau und von anderen Kantonen bestellte und von der SBB zugesicherte Züge fahren wegen Lokführermangels vorläufig nicht mehr. Die SBB stehen deshalb zu Recht im Regen. Sie verweisen auf Corona, da konnte man keine Lokführer ausbilden. Stimmt, das ist höhere Gewalt. Der Lokführermangel war aber schon lange davor ein grosses Thema. Die SBB hat es versäumt, rechtzeitig zu handeln. Nun muss sie zwingend gewährleisten, dass sich das nicht wiederholt. Zu gross sind der finanzielle und der Image-Schaden für die SBB im Bahnland Schweiz.

Aber auch die nationale Politik darf sich nicht nur als Anklägerin gebärden. Sie – auch der Aargau – muss sich fragen: Hat sie zu euphorisch, zu schnell, zu viele Ausbauten bewilligt, zu sehr in die Fläche gebaut statt Schwerpunkte zu bilden, mehr Verbindungen eingefordert, als die SBB tatsächlich leisten konnte? Die SBB bietet heute massiv mehr als vor zehn und mehr Jahren, das Streckennetz ist auf den Haupttransversalen (die durch den Aargau führen) genutzt wie nie zuvor. Das spüren wir schon lange mit immer mehr Verspätungen.

Jetzt müssen erstens raschmöglichst alle zugesagten Züge wieder verkehren können. Zweitens ist zu klären, wie die SBB die Kantone entschädigt. Drittens muss sich die Politik fragen, ob sie beim weiteren Strecken- und Angebotsausbau etwas Tempo wegnehmen oder mehr Schwerpunkte bilden muss, um die SBB nicht chronisch zu überfordern.