Eigentlich hätte die katholische Kirche Kölliken gar nicht bis zum heutigen Tag stehen sollen. Sie wurde 1963 als Provisorium erstellt, das seinen Dienst nur solange hätte tun sollen, bis die «richtige» Kirche nebenan erstellt worden wäre. Das Projekt wurde nie umgesetzt und der bescheidene Bau sollte nicht nur mehrere Abbruchpläne überleben, sondern dank seiner Sanierung auch zu einem Vorbild in Sachen Nachhaltigkeit wandeln. Auf der Südseite des Schrägdaches wurde eine Photovoltaikanlage installiert, um das Gebäude mit Sonnenenergie zu versorgen. Für Umbau und Solardach sprach die Kirchgemeinde Kredite für insgesamt 2,2 Millionen Franken.

Maria kehrt zurück

Am Sonntag wird das Pfarreizentrum Kölliken mit einem Gottesdienst wiedereröffnet. Auch die über 600-jährige Marienstatue, die das Sanierungsjahr in verschiedenen Wohnzimmern der Region verbringen durfte, kehrt dann wieder ins Gotteshaus zurück. «Noch ist sie in ihrem letzten Asyl», sagt Pfarreileiter Beat Niederberger. In zwölf Haushalten war die Muttergottes mit ihrem Jesuskind im letzten Jahr zu Besuch. Das Kirchenlied, das Gastgeber und Kirchenmusiker René Dublanc und seine Frau Jutta komponierten, wird am Sonntag zu hören sein. Im Innern der Kirche hat sich einiges verändert. Gleich beim Eingang, wo vorher die Kirchenorgel stand, wurde eine behindertengerechte Toilettenkabine installiert. Ein Klavier ersetzt neu die Orgel. In den eigentlichen Kirchenraum tritt der Besucher erst ein paar Meter nach der Eingangstür. Die Kirchenbänke wurden durch Stuhlreihen ersetzt, die je nach Art der Veranstaltung verschieden angeordnet werden können.

Marienstatue bei Frank E. Meier in einem der Aarauer Telli-Hochhäuser

Marienstatue bei Frank E. Meier in einem der Aarauer Telli-Hochhäuser

Zur flexiblen Nutzung des Raumes hatten die Bistums-Obrigkeiten jedoch auch ein Wörtchen mitzureden. Als Kirche geweiht, dürfe der Raum nicht für Freizeitveranstaltungen gebraucht werden, hiess es aus Basel. Die Lösung fand die Pfarrei in Form einer Sakramentskapelle im hinteren Teil, die durch eine massive Wand vom Rest des Kirchenraumes abgetrennt ist. Sie bleibt der einzige geweihte Ort, dafür dürfen im Rest der Kirche auch weltliche Veranstaltungen wie Jassnachmittage und Seniorentreffs stattfinden.

Während des Umbaus feierte die Kirchgemeinde ihre Gottesdienste ein paar Schritte weiter, in der reformierten Kirche. Diese Erfahrung sei sehr schön gewesen, sagt Niederberger. «Unsere Gastgeber waren überaus offen, hilfsbereit und unkompliziert. Eigentlich ist es schade, dass dieses ökumenische Zusammenwirken nun endet.»

Was sich in den nächsten Jahren ebenfalls ändern dürfte, ist die Aussicht der Kirchgänger. Die kircheneigene Wiesenfläche soll überbaut werden, damit ein Teil der Sanierungskosten wieder reingeholt wird. Die Überbauung, für die ein Projektwettbewerb vorgesehen ist, stellte die Kirchgemeinde als Bedingung für die Kreditsprechung.