Fünfte Jahreszeit

Salm, Räbehegel und Füdlibürger: Das sind die schönsten (Aargauer) Fasnachtsbräuche vom Schmutzigen Donnerstag

Der Schmutzige Donnerstag markiert den Fasnachtsbeginn im Aargau – aber auch in anderen Teilen der Schweiz.

Der Schmutzige Donnerstag markiert den Fasnachtsbeginn im Aargau – aber auch in anderen Teilen der Schweiz.

Am Schmutzigen Donnerstag fällt in vielen Aargauer Orten der offizielle Startschuss für die fünfte Jahreszeit. Im Kanton Aargau gibt es einige besondere Bräuche – das sind sie.

Chesslete in Erlinsbach

An vielen Orten im Aargau beginnt die Narrenherrschaft am Schmutzigen Donnerstag sehr früh –und mit viel Lärm. Das beste Beispiel ist Erlinsbach: Hier herrscht bis 5 Uhr am Donnerstagmorgen absolute Ruhe. Aber dann geht es los: Weiss gekleidet und ausgestattet mit Pfannendeckeln, Töpfen, Rätschen und Trillerpfeifen ziehen die «Chessler» durchs Dorf und veranstalten einen Heidenlärm – eine Stunde lang. Danach ist die Botschaft auch bei den schläfrigsten Bewohnern des Dorfes angekommen: Die Speuzer Fasnacht ist da. 

Erlinsbach: Mit der Chesslete erwacht die Speuzer Fasnacht

Erlinsbach: Mit der Chesslete erwacht die Speuzer Fasnacht (2018)

Die ohrenbetäubende Chesslete nimmt am Schmutziger Donnerstag um 5 Uhr früh beim «Kreuz» ihren Anfang und endet mit Gratis-Mehlsuppe auf dem Dorfplatz.

Die Salmanlandung in Laufenburg

In Laufenburg ging ein dicker Fisch ins Netz – die Fasnacht ist da!

Salmanlandung 2019: Fetter Fang für die Zünftler in Laufenburg – das Narrentreiben kann beginnen!

   

Das Spezielle an der Fasnacht in Laufenburg ist, dass sie wortwörtlich Grenzen sprengt. Denn die Narren treiben sowohl im schweizerischen als auch im deutschen Laufenburg ihr Unwesen. So ist es auch kein Wunder, dass die schweizerisch-deutsche Narro-Alt-Fischerzunft 1386 die Eröffnungszeremonie der Fasnacht ausführt.

Am dritten Faissen bringt sie den grossen Salm auf Waidlingen über den Rhein ans deutsche Ufer. Begleitet von vielen Fasnächtlern, viel Krach und «Narri, Narro»-Rufen wird dieser dann von der minderen in die mehrere Stadt getragen. Auf dem Platz vor dem «Roten Löwen» wird dann offizielle die Städtlefasnacht ausgerufen.

Räbehegel in Klingnau

Zwei Masken sorgen am Schmutzigen Donnerstag in Klingnau für ein besonderes Spektakel. Das «Lächerli» und das «Brieggerli» sind die «Räbehegel». Traditionsgemäss treiben die beiden Figuren die Kinder aus den Schulzimmern ins Städtli. Dort versammeln sich von Kindergarten bis Oberstufe rund 450 Kinder, bewaffnet mit Chabisstorzen, Runkeln und anderem Wurfgeschoss. Das Ziel ist, die «Räbehegel» mit den Wurzeln auf die Zielscheibe auf deren Rücken zu treffen. Diese wehren sich aber mit Geisseln. Also aufgepasst! Anschliessend ziehen alle zusammen für die "Schreiete" zu Läden und Beizen, um Süssigkeiten zu erbetteln. Diese werden anschliessend an die Kinder verteilt. 

Gfürchig: In Klingnau treiben die «Räbehegel» die Schüler durchs Städtli.

Unvergessliches Kindheitserlebnis: Die Räbehegel treiben die Schüler aus den Schulzimmern und durchs Städtli.

Kinder schreien für Süssigkeiten

Schreien für Süssigkeiten: Nach dem Räbehegel-Treiben ziehen die gfürchigen Gestalten mit den Kindern von Laden zu Laden und Beiz zu Beiz.

Der «Füdlibürger» in Baden

Um 18.00 Uhr knallt es auf dem Schloss Stein in Baden. Für die nächsten Tage ist die Stadt im Ausnahmezustand. Die Kanone ist auch der Startschuss für den Füdlibürger-Zug. Fackeln, Pauken, Pferde, Wagen und zig Schaulustige begleiten den Schelm vom unteren Bahnhofplatz durch die Badstrasse und die Weite Gasse hinab zum Richtplatz im Graben. Dort muss der Angeklagte Hieronymus Füdlibürger seine Missetaten vor dem Hohen Blutgericht verantworten.

Er hat aber auch einen Fürsprecher, nur ist die Verteidigung trotz feurigem Plädoyer zum Scheitern verurteilt, der Schuldspruch unausweichlich, denn Füdlibürgertum ist für die nächsten Tage aus der Stadt gebannt. So folgt die Verurteilung zum Tod auf dem Scheiterhaufen. Der Brödlimeister der Spanischbrödlizunft eröffnet die Badener Fasnacht mit der traditionellen Aufforderung: «Scharfrichter zünd aa, d’Baademer Fasnacht foht aa.»

Baden: Der Füdlibürger brennt und chlöpft, die Fasnacht ist eröffnet

Baden, Februar 2019: Der Füdlibürger brennt und chlöpft.

Alljährlich am Schmutzigen Donnerstag wird Hieronymus Füdlibürger in Baden der Prozess gemacht. Gut ausgegangen ist das für ihn noch nie.

Der Schmutzige Donnerstag im Tessin:

Schlüsselübergabe in Bellinzona:

Die zweitgrösste Fasnacht der Schweiz ist der Rabadan (Dialekt für «Lärm») in Bellinzona. Die Besucherzahl liegt regelmässig bei um die 150'000. Gestartet wird auch hier am Schmutzigen Donnerstag mit einer Zeremonie, bei dem der Stadtpräsident die Schlüssel der Stadt an Seine Majestät König Rabadan übergibt. Um 20.15 Uhr hält der König dann eine Rede. Danach ist die Stadt offiziell für fünf Tage – der «settimana grassa» (fetten Woche) – in den Händen der Narren. 

Der Schmutzige Donnerstag in der Innerschweiz

Der Urknall in der Schweiz:

Auch in Luzern startet die Fasnacht am Schmutzigen Donnerstag («Schmotzige Donnschtig»). Um 5 Uhr morgens beginnt das Volksfest mit der Tagwache in der Altstadt. Auf einem Boot fährt die Fritschi-Familie vom Vierwaldstättersee an den Schweizerhofquai. Um Punkt 5 Uhr signalisiert der «Urknall» – Feuerwerk, das vom Boot gezündet wird – den Beginn der Fasnacht.

Der Fritschivater und Zunftmeister zu Safran empfängt Bruder Fritschi mit seiner Gefolgschaft und geleitet ihn zum Fritschibrunnen auf dem Kapellplatz. Dort warten bereits tausende Fasnächtler, bereit für den «Fötzeliregen»: Mehr als 5 Millionen Papierschnipsel, welche in Säcke abgefüllt und gesprengt werden, sobald die Fritschifamilie beim Fritschibrunnen eingetroffen ist. Danach wirft die Fritschifamilie Orangen in die Menge und es wird gefeiert. (mma)

Luzerner Fasnachtseröffnung:

Urknall und „Fötzeliräge“: Die Luzerner Fasnacht ist eröffnet

«Urknall» und «Fötzeliräge»: Die Luzerner Fasnacht ist eröffnet

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