Ständeratswahlen

Ruth Humbel tritt für die CVP im zweiten Wahlgang nochmals an

Ruth Humbel und die CVP wollen es noch einmal wissen: Die Ständeratskandidatin tritt im zweiten Wahlgang nochmals an. Humbel landete im ersten Wahlgang für den Ständerat auf dem vierten Platz.

Bei der SVP und der FDP war schon am Wahlsonntag klar: Die beiden Ständeratskandidaten Hansjörg Knecht und Philipp Müller treten im zweiten Wahlgang am 22. November nochmals an.

Bei der CVP dauerte die Bedenkzeit drei Tage, doch jetzt steht fest: Ruth Humbel steigt in einem Monat nochmals ins Rennen. Noch am Sonntag hatte Humbel gesagt, aus aussichtsloser Position würde sie nicht mehr antreten. Am Mittwochabend sagte sie am CVP-Parteitag in Berikon: «Es würde nicht meinem Naturell entsprechen, in schwierigen Situationen aufzugeben.»

«Nicht aufgeben – weiterkämpfen»: So begründete Ruth Humbel am Mittwochabend ihre Kandidatur im zweiten Wahlgang.

«Nicht aufgeben – weiterkämpfen»: So begründete Ruth Humbel am Mittwochabend ihre Kandidatur im zweiten Wahlgang.

Sie habe zusammen mit der Parteileitung die Ausgangslage analysiert und sei zum Schluss gekommen, dass ihre Chancen im zweiten Wahlgang intakt seien.

Zudem hätten sich seit Sonntag zahlreiche Bürgerinnen und Bürger bei ihr gemeldet und sie gebeten, nochmals anzutreten. «Ich hörte oft von den Leuten, dass sie weder Philipp Müller noch Hansjörg Knecht wählen könnten, aber keine Alternative hätten», erzählte Humbel von diesen Gesprächen.

Die enttäuschte Ruth Humbel: «Ich hätte mir diesmal mehr erhofft.»

Am Wahlsonntag hatte Ruth Humbel feuchte Augen: «Ich hätte mir diesmal mehr erhofft», sagte sie enttäuscht.

Sie sehe sich als Gegengewicht zu den beiden rechtsbürgerlichen Männern, die ein sehr ähnliches Profil hätten. «Mit meiner Kandidatur haben die Wähler die Möglichkeit, den Rechtsrutsch im Nationalrat etwas auszugleichen», ergänzte sie.

SVP-Kandidat Hansjörg Knecht landet bei den Aargauer Ständeratswahlen auf Platz 2: "Dieses Resultat mach mich stolz - die Differenz zu Philipp Müller ist eine gute Basis für den zweiten Wahlgang"

SVP-Kandidat Hansjörg Knecht landet bei den Aargauer Ständeratswahlen auf Platz 2: "Dieses Resultat mach mich stolz - die Differenz zu Philipp Müller ist eine gute Basis für den zweiten Wahlgang"

CVP-Aargau-Präsident Markus Zemp freut sich, dass Humbel nochmals antritt. «Sie ist ein politisches Schwergewicht, einer der einflussreichsten Politikerinnen in Bern, und damit die richtige Kandidatin für den Sitz im Ständerat.»

Gerade in der Gesundheits- und Sozialpolitik sei Erfahrung wichtig, diese bringe Ruth Humbel mit. Sabine Sutter-Suter, Präsidentin der CVP Frauen Aargau, betonte: «Es geht jetzt nicht um den Wähleranteil oder das Parteiprogramm, das einzige Ziel muss sein, eine der profiliertesten Politikerinnen der Schweiz für den Aargau in den Ständerat zu bringen.»

Aargauer Nationalratswahl: Stimmen von fremden Listen (Grafik)

Humbel sei versiert, dossierfest und durchsetzungsstark, lobte Sutter-Suter.

Grossratspräsident Markus Dieth wies darauf hin, das Humbel bei den Nationalratswahlen von allen Kandidaten am zweitmeisten Stimmen von fremden Parteilisten erhalten habe. «Das zeigt, dass sie weit über die CVP hinaus Potenzial hat.»

Dies wird Humbel im Dreikampf mit Hansjörg Knecht (SVP) und Philipp Müller (FDP) auch brauchen. Im ersten Wahlgang lag Knecht mit 77 255 Stimmen relativ klar vor Müller, der auf 71 445 Stimmen kam. Humbel weist im Vergleich mit Müller einen Rückstand von 37545 Stimmen auf, gegenüber Knecht fehlen ihr gar 43355 Stimmen.

Müller ist Panaschierkönig

Im zweiten Wahlgang dürfte mitentscheidend sein, wie viele Stimmen die Kandidaten ausserhalb ihrer Partei erhalten. Hinweise darauf liefert die Panaschierstatistik der Aargauer Staatskanzlei. Diese zeigt, wie oft ein Nationalratskandidat auf einer parteifremden Wahlliste aufgeführt wurde.

Müller war im Aargau am Sonntag der absolute Panaschierkönig. Von den insgesamt 60 478 Stimmen, die er als Nationalratskandidat erhielt, kamen 27 489 von FDP-fremden Wahllisten.

Ständerat - Philipp Müller (FDP) knapp hinter Hansjörg Knecht (FDP): "Jetzt werde ich alles geben für den zweiten Wahlgang"

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Häufig aufgeführt wurde der Freisinnige auf SVP-Listen, also von Wählern seines «Stöckli»-Gegners Hansjörg Knecht: 10 277 Stimmen für Philipp Müller stammen von dort. Knecht erhielt bei den Nationalratswahlen insgesamt 89 392 Stimmen.

Auf SVP-fremden Listen stand sein Name aber nur 10 332-mal – deutlich weniger als jener von Philipp Müller. Von freisinnigen Listen, also von Wählern seines Ständerats-Konkurrenten, erhielt Knecht nur 3050 Stimmen.

Weit über die Parteigrenzen hinaus wurde Ruth Humbel gewählt. Die bisherige Nationalrätin fischte auf CVP-fremden Listen beachtliche 19 900 Stimmen. Von allen drei Kandidierenden erhielt Humbel deutlich am meisten Stimmen von SP und Grünen. Mit Blick auf die Positionierung der CVP warnte Grossrat Martin Steinacher am Parteitag: «Wir sollten unsere Linie halten und uns in den nächsten Wochen im Wahlkampf nicht zu stark nach links bewegen.»

Aargauer Nationalratswahlen 2015: Stimmen von fremden Listen (Tabelle)

CVP verfolgt strikte Asylpolitik

Diese Gefahr ist bei Ruth Humbel, die am Parteitag mit stehenden Ovationen nominiert wurde, indes klein. Mit Blick auf die Flüchtlings- und Asylpolitik hielt sie vor den Delegierten beispielsweise fest, sie habe selber an einem Positionspapier der CVP dazu mitgewirkt.

«Schon vor der aktuellen Flüchtlingskrise haben wir unter anderem gefordert, der Bund müsse sich auf die Wiedereinführung von Grenzkontrollen vorbereiten und in den Herkunftsländern der Flüchtlinge die humanitäre Hilfe verstärken.»

Parteipräsident Zemp legte nach und sagte, die CVP setze sich für eine strikte Trennung zwischen Verfolgten und Wirtschaftsflüchtlingen ein und verlange von den Behörden eine konsequente Ausschaffung abgewiesener Asylbewerber.

Dies ist nahe bei SVP- und FDP-Positionen – in anderen Bereichen, wie beim Rentenalter oder der Energiewende, vertritt Humbel hingegen andere Positionen als Knecht und Müller.

Lesen Sie hier den Kommentar zum Thema.

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