Liebegg

Rüebli ausgraben, Kälbli streicheln und Obst probieren: Hier können Kinder das Bauernleben erfahren

Das Landwirtschaftliche Zentrum Liebegg zeigt Kindern den Alltag der Bauern. Dabei erfahren sie auch, was es braucht, bis Äpfel, Rüebli oder Kalbfleisch auf dem Teller landen.

«Was denkt ihr, wie viel wiegt dieses Kalb?», möchte Landwirt Paul Frey wissen. Die Schätzungen der Schülerinnen und Schüler, die mit grossen Augen und geöffneten Mündern um das wenige Wochen alte Tier herum stehen, gehen von 10 Gramm bis 75 Kilo – mit etwa 50 Kilo lag man bei dieser Schätzfrage etwa richtig. Die Kinder erfahren auch, dass die gelbe Marke im Ohr etwas ähnliches wie eine Identitätskarte für den Menschen ist, dass auch ein Kalb Milchzähne hat und dass es bei Durchfall Schwarztee bekommt, bis es ihm wieder besser geht.

Ein Raunen und einige entsetzte Ausrufe sind zu hören, als der Bauer erklärt, dass er die Kälber im Alter von neun bis zehn Monaten dem Metzger übergibt. «Das tut mir auch weh, aber es gehört dazu, sonst gibt es kein Fleisch auf dem Teller», erklärt Frey, der seit vielen Jahren beim Projekt «Schule auf dem Bauernhof» mitwirkt.

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Ganze 14 Schulklassen hatten die Experten vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg in Gränichen zu Besuch am Freitag. Die Schüler haben so einiges gelernt, was wohl viele auch als Erwachsene noch nicht wissen.

Die Schüler von heute sind Konsumenten von morgen

Das Landwirtschaftliche Zentrum Liebegg hat am Freitag die Türen für Schulkinder geöffnet. Gezeigt wurde, was sonst von der Organisation «Schule auf dem Bauernhof» auf Betrieben in der ganzen Schweiz angeboten wird: Kinder erhalten einen Einblick in den Arbeitsalltag der Bauern und lernen gleichzeitig, woher die Produkte kommen, die es beim Grossverteiler zu kaufen gibt. «Es geht uns nicht darum, dass sie einfach ein paar Tiere streicheln können, sie sollen etwas lernen», erklärt Frey. Mit einleuchtenden Vergleichen und dem Gespür für die Kinder vermittelt er ihnen, wie man eine Kuh melkt, was Mutter­kuhhaltung bedeutet und wie viel Wasser eine Kuh jeden Tag trinkt. Auf der Liebegg dürfen die Schülerinnen und Schüler zudem verschiedene Obstsorten probieren und lernen, woran man die Reife erkennt und was der Unterschied zwischen Stein- und Kernobst ist. Die Rüebli dürfen sie dann gleich selber ausgraben, was ihnen sichtlich Spass macht.

Landammann Markus Dieth liess es sich nicht nehmen, selber auch ein Rüebli auszugraben. «Die Kinder von heute sind die Konsumenten von morgen, und es ist wichtig, dass sie erfahren, woher die Lebensmittel stammen», sagte er. Das gelinge besser, wenn die Kinder dies hautnah erleben dürften, und nicht nur die Theorie vermittelt bekommen. «Das Projekt gibt es seit 35 Jahren und es ist eine Erfolgsgeschichte: Im aktuellen Jahrzehnt haben über 40000 Kinder daran teilgenommen», rechnete Dieth vor. Auch Ralf Bucher, Geschäftsführer des Bauernverbands Aargau, ist begeistert: «Die Kinder erleben den Bauernhof hier mit Kopf, Herz und Hand.»

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