Die erste Überraschung erlebte der politische Aargau vor vier Wochen: SP-Ständerätin Pascale Bruderer gab am Parteitag bekannt, dass sie 2019 nicht mehr antritt. Die zweite Überraschung folgte am Donnerstag: Die frühere Grünen-Regierungsrätin Susanne Hochuli wird Greenpeace-Präsidentin und verzichtet auf eine Karriere in Bundesbern.

Damit hatte offenbar ihre Parteikollegin Irène Kälin nicht gerechnet: «Grüne Frauenpower für Nationalrat und Ständerat bei den Wahlen 2019?» twitterte Kälin vor vier Wochen. Die Nationalrätin ging davon aus, Hochuli könnte nächstes Jahr für den frei werdenden Bruderer-Sitz kandidieren.

Auf diese Option angesprochen, hielt Grünen-Aargau-Präsident Daniel Hölzle damals fest: «Susanne Hochuli wäre sicher eine aussichtsreiche Kandidatin, es ist allerdings noch viel zu früh, um etwas über eine mögliche Kandidatur von ihr zu sagen.» Hochuli wiederum sagte am Donnerstag im AZ-Interview, sie habe ihre Partei vorinformiert, dass sie das Greenpeace-Präsidium übernehmen und deshalb nicht für ein politisches Amt zur Verfügung stehen werde. Wusste also Parteipräsident Hölzle schon beim Verzicht von Bruderer, dass Hochuli nicht als Kandidatin infrage kommen würde?

Grüne verlieren ihr Zugpferd

«Susanne Hochuli hat mich immer über ihre Absichten informiert», sagt er auf Anfrage. Daher sei für ihn schon länger klar gewesen, dass sie nicht für ein Amt in Bern kandidieren wird. «Ich habe dies auch bereits am Strategie- seminar der Grünen den anwesenden Mitgliedern so kommuniziert.» Hölzle sagt, Hochuli hätte sicher Chancen auf den Ständeratssitz gehabt. «Ich kann ihren Entscheid trotzdem nachvollziehen und denke, dass die Grünen Aargau durchaus auch weiter von ihr profitieren können.» Hölzle räumt aber ein, es werde nun «sicher eine grosse Herausforderung, eine Kandidatin zu finden, die den Sitz im linken Lager hält.»

Thomas Burgherr, Präsident der SVP Aargau, ist überrascht von Hochulis Entscheid. «Ich bin davon ausgegangen, dass sie für das nationale Parlament kandidieren wird», sagt Burgherr, der seit zwei Jahren im Nationalrat sitzt. Mit ihrem Rückzug aus der Politik verändere sich die Ausgangslage für die Ständeratswahl 2019. «Susanne Hochuli war im Aargau beliebt, hat auch im bürgerlichen Lager Stimmen gemacht, sie hätte gute Wahlchancen gehabt.» Burgherr hat selber leidvolle Erfahrungen gemacht: Der SVP-Präsident scheiterte 2012 klar beim Versuch, die Grüne im Regierungsrat abzulösen. Bei den Ständeratswahlen bleibt der SVP nun ein Duell mit Hochuli erspart. Auf die Auswahl der eigenen Kandidatur habe der Verzicht der Alt-Regierungsrätin aber keinen Einfluss, sagt Burgherr.

Müller: Noch kein Entscheid

Nicht überrascht von Hochulis Entscheid ist FPD-Aargau-Präsident Lukas Pfisterer. «Ich habe ihren Verzicht auf eine erneute Kandidatur für den Regierungsrat als Abschied aus der Politik interpretiert und deshalb nicht mit einer Rückkehr gerechnet», sagt er. Für die FDP sei klar, dass man auf jeden Fall antreten werde, um den Ständeratssitz zu verteidigen. «Wir sind im Gespräch mit Philipp Müller, er wird zu gegebener Zeit bekannt geben, ob er nochmals kandidiert», sagt Pfisterer. Er ist ein sehr profilierter Politiker, und ich würde mich freuen, wenn er bei den Ständeratswahlen 2019 erneut antritt.»

Marianne Binder, die Präsidentin der CVP Aargau, ist überzeugt, dass Müller antreten wird. «Als Bisheriger dürfte er gesetzt sein. Für den freien Sitz werden wir auch eine Kandidatur aufstellen.» Dies, obwohl die CVP Wähleranteile verloren hat und mit Ruth Humbel nur eine Nationalrätin stellt. «Bei den Ständeratswahlen ist die Mehrheitsfähigkeit der Kandidaten wichtiger als die Grösse ihrer Partei», betont Binder. Sie hält fest, die CVP wolle 2019 mit mehreren Gesichtern antreten.

Das deutet darauf hin, dass Humbel nicht für National- und Ständerat zusammen kandidieren wird. Doch wen könnte die Partei aufstellen? Denkbar wäre Markus Dieth, der als Finanzdirektor im Aargau einen guten Start hingelegt hat. Binder hält aber fest, Dieth stehe nicht zur Verfügung. «Er ist sehr motiviert als Regierungsrat und will sich auf die Sanierung der Kantonsfinanzen konzentrieren.»