Grüne Aargau

Rückblick auf den bittersüssen Wahlsonntag

«Wir haben etwas zu feiern, es wäre schön gewesen, ein richtiges Treffen durchzuführen», sagte Parteipräsident Daniel Hölzle.

«Wir haben etwas zu feiern, es wäre schön gewesen, ein richtiges Treffen durchzuführen», sagte Parteipräsident Daniel Hölzle.

Grosser Erfolg bei den Grossratswahlen, weniger beim Regierungsrat: Die Grünen trafen sich zwei Tage nach dem Wahlsonntag online zur Mitgliederversammlung.

Die Grünen konnten bei den Grossratswahlen vom Sonntag vier Sitze gewinnen. 14 Mitglieder hat ihre Fraktion in der kommenden Legislatur - so viele wie noch nie seit der Verkleinerung des Grossen Rats auf 140 Parlamentarierinnen und Parlamentarier. Auch bei den Regierungsratswahlen erzielten die Grünen mit ihrer Kandidatin Christiane Guyer ein sehr respektables Ergebnis. Die Zofingerin erreichte das absolute Mehr, die Kandidaten von SVP, FDP, CVP und SP allerdings auch und zwar mit mehr Stimmen. Guyer und die Grünen gehen leer aus, es kommt nicht einmal zu einem zweiten Wahlgang. 

Zehn-Prozent-Marke geknackt

Welche Strategie die Partei für diesen verfolgen soll, wäre eigentlich das Haupttraktandum der Mitgliederversammlung vom Dienstagabend gewesen. Das hat sich zwar erledigt, die Mitglieder trafen sich dennoch für einen Rückblick auf die Wahlen und für die Parolenfassung für die Abstimmungen vom 29. November. «Wir haben etwas zu feiern, es wäre schön gewesen, ein richtiges Treffen durchzuführen», sagte Parteipräsident Daniel Hölzle. Die Vernunft habe angesichts der stark ansteigenden Ansteckungen mit dem Coronavirus aber obsiegt und die Mitgliederversammlung wurde per Videokonferenz durchgeführt.

Bei den Grossratswahlen haben die Grünen ihr Ziel, die Zehn-Prozent-Marke zu knacken, erreicht. 10,01 Prozent aller Wählerinnenstimmen gewannen sie. Das hat sie teilweise selber überrascht, vor allem Neugewählte. Etwa Isabelle Schmid, die im Bezirk Zurzach den Sprung in den Grossen Rat geschafft hat. Dabei hatten die Grünen zu Beginn Mühe, dort überhaupt eine volle Liste zusammenzustellen. Und auch Alice Sommer, Neo-Grossrätin aus dem Bezirk Zofingen, schien auch zwei Tage nach ihrer Wahl vom Ergebnis noch ein bisschen überrumpelt.

Zu wenig Wahlkampf im Bezirk Muri?

In allen Bezirken legten die Grünen zu, ausser in Muri, wo die Partei gegenüber den Wahlen von 2016 1,15 Prozentpunkte verlor. Das könne am fehlenden Wahlkampf liegen, gab Daniel Hölzle zu bedenken, denn im Bezirk Muri hätten die Grünen keine Plakate aufgehängt. «Wir waren nicht präsent», so Hölzle. Das Resultat zeige, dass ein Verzicht auf Plakate, auch wenn dieser aus Umweltschutzüberlegungen erfolgt, wohl nicht die richtige Strategie sei, «da wäre mehr möglich gewesen».

Ein weiterer Wermutstropfen sei, trotz des guten Resultats, dass es im Bezirk Baden nicht für einen weiteren Sitz gereicht hat. Hier sei der Partei die Sitzverteilung nach «Doppeltem Pukelsheim» in die Quere gekommen.

«Vielleicht hätten wir früher anfangen sollen»

Regierungsratskandidatin Christiane Guyer blickte auf ihren Wahlkampf ebenfalls teilweise selbstkritisch zurück. Dieser habe, je länger er dauerte desto mehr Schwung bekommen, «vielleicht hätten wir früher anfangen sollen», sagte sie. Sie komme über ihre Nicht-Wahl hinweg, meinte sie zu ihren Parteigspänli, der Ärger aber, dass weder Grüne noch Frauen für weitere vier Jahre im Aargauer Regierungsrat  vertreten sind, halte jedoch noch an. «Vielleicht wurde auch mein Leistungsausweis im Wahlkampf zu wenig attestiert», so Guyer. Tatsächlich lag der Fokus in ihrem Wahkampf hautpsächlich auf der Frauenfrage. «Es ist, wie es ist», sie bereue ihre Kandidatur aber nicht. «Wir können daraus lernen und dafür sorgen, dass es in vier Jahren klappt», so die Zofingerin.

Dreimal Ja am 29. November

Schliesslich fassten die Grünen noch die Parolen für die nächsten Abstimmungen. Diskussionslos sagten sie Ja zur Anpassung des Geldspielgesetzes und zur Initiative «Für ein Verbot der Finanzierung von Kriegsmaterialproduzenten» (Kriegsgeschäftsinitiative). Ebenfalls einig sind sich die Mitglieder beim Ja zur Konzernverantwortungsinitiative (KVI). Während sich aber Parteipräsident Hölzle von einem Ja an der Urne überzeugt zeigte, warnten unter anderem Christiane Guyer, Neu-Grossrat Jonas Fricker und Severin Lüscher vor den Gegnern: Der Abstimmungskampf sei keineswegs gelaufen, es gelte jetzt, für ein Ja zu mobilisieren.

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