Das Schweizerische Rote Kreuz Aargau lanciert das neue Dienstleistungsangebot «Dementia Care»: Wer demenzkranke Angehörige zu Hause pflegt, kann sich zu einem verkraftbaren Preis für einige Stunden in der Woche von speziell geschulten SRK-Mitarbeiterinnen entlasten lassen.

Der Entlastungsdienst des Roten Kreuzes ist seit Jahren etabliert. Das SRK vermittelt Personen mit einer Grundschulung in der Betreuung von kranken, betagten, behinderten oder pflegebedürftigen Menschen.

Diese vertreten Angehörige regelmässig für eine bestimmte Zeit, damit diese eigenen Bedürfnissen nachgehen und wieder Kräfte schöpfen zu können.

Sie übernehmen Aufgaben wie Hilfe bei der Einnahme von Mahlzeiten und Medikamenten, Begleitung zur Toilette, vorlesen und sich unterhalten. Es geht nicht um Haushaltsarbeiten oder spezielle medizinische Pflege.

Zwei Drittel zu Hause betreut

Dieses Angebot war bislang nicht auf die Betreuung von Demenzkranken ausgelegt, die eine besondere Herausforderung darstellt. Gerade deshalb dürfte aber hier eine grosse Nachfrage nach Hilfestellungen bestehen.

Aus schweizerischen Erhebun- gen weiss man, dass etwa ein Drittel der Demenzkranken in Pflegeheimen leben, zwei Drittel werden von eigenen Angehörigen zu Hause betreut.

Die Partner von Demenzpatienten wenden dafür rund neun Stunden täglich auf. Das zehrt enorm an den Kräften. Und im Aargau dürfte hochgerechnet in den nächsten zehn Jahren ein Anstieg von rund 7500 auf gegen 12 000 Demenzpatienten zu erwarten sein.

Hier setzt das Projekt «Dementia Care» an. Der glückliche Zufall wollte es, das SRK-Mitarbeiter Erkan Cokicli die berufsbegleitende Ausbildung an der Höheren Fachschule für Wirtschaft in Aarau absolvierte.

Petra Reidenbach, Teamleiterin Bildung und Entlastungsdienste, rekrutierte Mitarbeitende für die spezielle Zusatzschulung in der Betreuung von Demenzkranken. Cokicli und zwei Mitstudenten entwickelten als Diplomarbeit das Einführungskonzept, das die humanitäre Stiftung des Schweizerischen Roten Kreuzes überzeugte, die Projekte kantonaler Rotkreuzorganisationen unterstützt.

Die Stiftung übernimmt für vier Jahre 80 Prozent der nicht gedeckten Kosten, 20 Prozent bringt das Rote Kreuz Aargau auf. Wer den Entlastungsdienst in Anspruch nimmt, bezahlt dafür 15 Franken pro Stunde.

Effektiv koste eine Betreuungsstunde aber rund 60 Franken, erklärt Petra Reidenbach. Die Personen, die im Entlastungsdienst zum Einsatz kommen, sind nicht Freiwillige, sie werden vom Roten Kreuz im Stundenlohn bezahlt. Das Angebot soll aber auch pflegenden Angehörigen in bescheidenen finanziellen Verhältnissen offen stehen, denn neben falschem Stolz sind die Kosten die grösste Schwelle, um Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Sponsoren und Spender gesucht

Die grösste Herausforderung dürfte die Finanzierung nach der vierjährigen Pilotphase sein. Auf Beiträge der öffentlichen Hand setzt man kaum, sondern will sich auf die Suche nach Spendern und Sponsoren machen. Jetzt soll das Projekt aber erst einmal bekannt gemacht werden. Ausgelegt ist es auf 500 Betreuungsstunden pro Jahr.

Für den Umfang der Entlastungsleistungen, die individuell vereinbart werden, gehe man im Normalfall von mindestens zwei Stunden und maximal zwei bis drei Halbtagen pro Woche aus, so Petra Reidenbach.

Dafür kann das Rote Kreuz Aargau bereits auf 15 Mitarbeitende zurückgreifen, die spezielle Ausbildungskurse für die Betreuung und Alltagsgestaltung mit demenzkranken Menschen absolviert haben.