Flüchtlingsdebatte

Rosensträucher statt Stacheldraht: Juso sammelt für Hecke rund um Oberwil-Lieli

Rosenhecke für Oberwil-Lieli: Das Video zur Juso-Kampagne.

Rosenhecke für Oberwil-Lieli: Das Video zur Juso-Kampagne.

Nach dem Entscheid des Stimmvolks von Oberwil-Lieli, im Dorf keine Flüchtlinge aufzunehmen, lancierte die Juso zuerst eine Sammelaktion für einen Zaun um die Gemeinde. Inzwischen sind die Jungsozialisten umgeschwenkt, im Internet werben sie nun um Beiträge für eine 12 Kilometer lange Rosenhecke.

Am 1. Mai hat die Bevölkerung von Oberwil-Lieli an der Urne entschieden, dass die Gemeinde keine Unterkunft für Flüchtlinge bereitstellen, sondern sich von der Aufnahmepflicht von zehn Personen freikaufen soll. Dies freute SVP-Gemeindeammann Andreas Glarner, der im Asylwesen als Hardliner gilt - nur zwei Tage später forderte er im "Tages-Anzeiger", die Schweiz müsse ihre Grenzen mit Stacheldraht dicht machen.

Andreas Glarner will die Schweiz mit Stacheldraht umzäunen – die eigene Partei pfeift in nun zurück.

Andreas Glarner will die Schweiz mit Stacheldraht umzäunen – die eigene Partei pfeift in nun zurück.

Dies rief die Juso auf den Plan: Die Jungsozialisten starteten eine Crowdfunding-Aktion mit dem Ziel, genügend Geld für die Einzäunung von Oberwil-Lieli zu sammeln. Juso-Präsident Fabian Molina sagte damals: «Wir wollen die Abschotter abschotten und Oberwil-Lieli vollständig einzäunen – oder zumindest jene 52 Prozent, welche keine Asylsuchenden wollen.» 

Glarner wurde später von der Parteileitung zurückgepfiffen, der neue SVP-Präsident Albert sagte, ein Stacheldraht sei keine Lösung: «Das macht keinen Sinn. Über die grüne Grenze kommt nur ein Prozent der illegalen Migranten. Wir können sicher nicht alles abriegeln.»

Juso setzt auf rote Rosen statt Stacheldraht

Inzwischen setzt auch die Juso nicht mehr auf Stacheldraht - sondern auf eine Rosenhecke. «Wir haben die Crowdfunding-Aktion umgewandelt», sagt Molina auf Anfrage, und so soll Glarners Dorf nun nicht eingezäunt, sondern mit Rosen umgeben werden. Entlang der 12 Kilometer langen Gemeindegrenze will die Juso unzählige Rosenstöcke pflanzen - wenn die nötigen 31'000 Franken zusammenkommen.

«Spätestens, wenn die Rosen vollständig blühen, sollte Andreas Glarner aus seinem politischen Dornröschenschlaf erwachen und realisieren, dass sein Abschottungstraum ein menschenwürdiges Zusammenleben verschiedener Kulturen in keinster Weise fördert», hofft Molina. 13 Tage läuft die Aktion noch, Stand Freitagnachmittag waren mit 3372 Franken gut 10 Prozent des Zielbetrags zugesagt.

Molina ist sich bewusst, dass der Aufwand für die Aktion sehr gross wäre, er sagt aber: "Wenn der Betrag zusammenkommt, werden wir ganz sicher zur Schaufel greifen und die Rosenstöcke einpflanzen." Dass rote Rosen das Symbol der Jungpartei sind, ist für Molina ein angenehmer Nebeneffekt, der gleich klar mache, wer hinter dem Vorhaben stehe.

Andreas Glarner zu Gast bei Giacobbo/Müller am Sonntag, 15. Mai 2016

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Operation Libero am Samstag in Oberwil-Lieli

Nicht nur die Juso, auch die Operation Libero plant eine Aktion in Oberwil-Lieli. "Wir wollen mit den Schweizerinnen und Schweizern nüchtern und sachlich über die Asylgesetz-Revision sprechen. Deshalb veranstalten wir am Samstag, 21. Mai einen Roadtrip für die Asylgesetz-Revision", heisst es auf der Website der Aktion, die zuletzt mit ihrem Engagement gegen die Durchsetzungsinitiative der SVP bekannt wurde.

Unter dem Titel "#OLgoesOL - Operation Oberwil-Lieli" verteilen Mitglieder der Operation Libero Flyer in Bern, Solothurn, Olten, Aarau "und im Herz der asylpolitischen Blockadepolitik, in Oberwil-Lieli. Unser Roadtrip beginnt in Bern und endet im Epizentrum der Problembewirtschaftung", heisst es auf der Website. Angemeldet für die Aktion haben sich 19 Liberas und Liberos, wie sich die Aktivisten selber bezeichnen.

«Das Juwel am Mutschellen – hier geht es nicht um Intimschmuck»: Giacobbo/Müller machen Oberwil-Lieli-Witze.

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