Dass Padrutt trotz laufendem Strafverfahren wegen Vermögensdelikten Gelder veruntreut habe, zeige seine «unglaubliche Unverfrorenheit», so das Gericht Lenzburg am Freitagmorgen.

Das Gericht folgte mit seinem Strafmass (vier Jahre Gefängnis) voll und ganz der Staatsanwaltschaft Aargau. Padrutts Verteidiger hatte 18 Monate bedingt gefordert und Freisprüche in den Fällen von angeblich betrogenen Erbengemeinschaften.

In 13 Straftatendossiers kam es allerdings nur zu einem Freispruch und einer Einstellung. Ansonsten habe Roland Padrutt in allen angeklagten Fällen eine qualifizierte Veruntreuung begangen, also ihm durch Klientenaufträge und Vollmachten anvertraute Gelder dafür verwendet, finanzielle Löcher zu stopfen.

Insgesamt sei von einem mittelschweren Verschulden auszugehen, sagte Gerichtspräsidentin Eva Lüscher.

Die gegenwärtige «Lebenskrise» Padrutts und die Medienberichterstattung über die Strafuntersuchung wertete das Gericht als kaum bis nicht strafmindernd.

Ob Padrutts Verteidiger Wilhelm Boner das Urteil anfechten wird, kann er erst nach Vorliegen einer schriftlichen Begründung sagen. Wird das Urteil einmal rechtskräftig, stellt sich die Frage nach der Durchsetzung des Strafvollzugs in der Schweiz.

Padrutt wohnt in Wien. Wenn er seine unbedingte Freiheitsstrafe nicht freiwillig antritt, müsste ein Auslieferungsgesuch gestellt werden.

Vier Jahre Gefängnis für Rechtsanwalt Roland Padrutt

Vier Jahre Gefängnis für Rechtsanwalt Padrutt