Wahlen 2016

Robert Obrist: Der Mann, der Susanne Hochuli beerben will

«In einem begrenzten Lebensraum gibt es kein unbegrenztes Wachstum»: Agronom Robert Obrist will langfristiges, nachhaltiges Denken in den Regierungsrat einbringen.

«In einem begrenzten Lebensraum gibt es kein unbegrenztes Wachstum»: Agronom Robert Obrist will langfristiges, nachhaltiges Denken in den Regierungsrat einbringen.

14 Kandidatinnen und Kandidaten – so viele wie noch nie – kämpfen um fünf Sitze in der Aargauer Kantonsregierung. Am 21. Oktober ist Wahltag. Wir porträtieren alle Bewerber mit Wahlchancen. Auch Susanne Hochulis Parteikollege Robert Obrist gehört zu ihnen.

Vor zweieinhalb Jahren rutschte Robert Obrist für die Grünen in den Grossen Rat nach. Der az verriet er damals: «Meine Frau hat mir stets gesagt: Entweder Gemeinderat oder ich.» Jetzt kandidiert der 58-Jährige sogar für den Regierungsrat. Und was sagt seine Frau, mit der er «seit über 30 Jahren im glücklichen Konkubinat» lebt? «Als sie gesehen hat, wer sonst noch antritt, sagte sie: Jetzt darfst du.»

Seine Hauptmotivation: langfristiges, nachhaltiges Denken in den Regierungsrat einzubringen. «So wie es Susanne Hochuli getan hat.» Er wolle ihre Arbeit weiterführen. Und sich ganz sicher nicht für einen Wahlkampf verbiegen, um kurzfristig Leuten zu gefallen, die ihn sonst nicht wählen würden. Falls es nicht klappe, sei er dann halt «zwei Tage traurig».

Poker um einen Rebberg

Man brauche als Regierungsrat natürlich Freude am Führen und Entscheiden. «Ich habe im FiBL gemerkt, dass mir das liegt.» Seit 16 Jahren ist Obrist am Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick tätig. Inzwischen leitet der studierte Agronom das Departement für Beratung, Bildung und Kommunikation mit rund 30 Mitarbeitenden.

«Ihnen traut das niemand so recht zu – wie wollen Sie das trotzdem schaffen?»

«Ihnen traut das niemand so recht zu – wie wollen Sie das trotzdem schaffen?» (August 2016)

az-Chefredaktor Christian Dorer fühlt Bally, Scheier und Obrist (v.l.) auf den Zahn.

In den stiftungsfinanzierten Betrieb kam er dank einer Art Gegengeschäft: Weil der Besitzer des Schlosses Wildegg verstorben war, beauftragte der Kanton das FiBL, den Rebberg auf Bio umzustellen und zur Pacht auszuschreiben. Der Zufall wollte es, dass gleichzeitig Robert Obrist mit dem FiBL in Verhandlungen stand für eine Anstellung. Der Schinznacher pokerte, sagte: «Ich komme zu euch, wenn ich dafür den Pachtzuschlag für den Rebberg erhalte.»

AZ Vimentis Wahlhilfe 2016

Der Poker ging auf. Zehn Jahre bewirtschaftete Obrist mit Helfern die Reben am Schlosshang – bis ihm die Departementsleitung übertragen wurde und es zeitlich nicht mehr drinlag. Die Arbeit im Grünen aber braucht er weiterhin: Jetzt bewirtschaftet Obrist alleine eine kleine Rebparzelle, als Hobby. Sein Motto: «Think global, drink local». Den letztjährigen Wein hat er vor einigen Tagen als «Regierungsratswein» etikettiert. Falls es im Oktober eine Wahlfeier geben sollte. «Wir sind für alles bereit», sagt Obrist und lacht.

Lieber «Double» statt «Triple A»

Politischen Respekt verschaffte er sich in der Kommission für Aufgabenplanung und Finanzen, wo er sich bald einen Namen als versierter Finanzpolitiker machte. Auch dieses Jahr stehe man wieder «vor einem stürmischen Finanzherbst». Als Naturwissenschafter versuche er immer, das grosse Ganze anzuschauen.

Er verstehe Politik so: Verschiedene Meinungen und Ziele haben und dann versuchen, gemeinsam die besten Lösungen zu finden. «Wir haben ja alle ein Gelöbnis abgelegt, uns für den Kanton Aargau einzusetzen.» Momentan gebe es im Rat aber viele, die sich eher für «eine neoliberale Demontage des Staates» einsetzten. Dem wolle er Gegensteuer geben.

«Ich werde mich für eine grüne Wirtschaft einsetzen»: Grünen-Kandidat Roland Obrist am Donnerstag nach seiner Nomination.

«Ich werde mich für eine grüne Wirtschaft einsetzen»: Grünen-Kandidat Roland Obrist am Donnerstag nach seiner Nomination. (Juli 2016)

Obrist sagt, er vertrage es ganz schlecht, wenn Leute klein gemacht, Berufsgruppen pauschal diskreditiert werden oder Angst geschürt werde vor gewissen Menschen. In der Flüchtlingsfrage sei er zwar explizit kein Vertreter der Willkommenskultur. «Als Ökologe sage ich: In einem begrenzten Lebensraum gibt es kein unbegrenztes Wachstum.» Aber wenn sich die Schweiz weiter so isoliere, komme es nicht gut. CVP-Regierungsrat Roland Brogli sei stolz auf die «Triple A»-Bewertung in der Ökonomie. Aber er sage: «Ein Double A in Ökonomie und Ökologie wäre besser.»

Der mit den Worten spielt

Dass er noch zu seinen Hobbys kommt, dafür schaut die Frau: «Sie muss mich manchmal motivieren, einen Abend mal zu geniessen statt mit Arbeit zu verbringen.» Dann geht man an die Lenzburgiade, in die Alte Kirche Boswil, ins «Odeon» oder in die «Alte Reithalle». Er habe sich für beide ein Saisonabo von Argovia Philharmonic gekauft. «Nicht nur wegen der schönen Musik, auch als Trotzreaktion auf den Kulturabbau in unserem Kanton.»

Gerne spielt Obrist, der oft ein schalkhaftes Lächeln im Gesicht trägt, mit den Worten. Hin und wieder auch am Rednerpult im Ratssaal. Er sagt: «Wenn man als Grüner politisiert, braucht man eben etwas Humor, sonst wird man verbittert.» Und eine Frau, die einen unterstützt.

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